The Walk, US 2015 • 123 Min • Regie: Robert Zemeckis • Drehbuch: Robert Zemeckis, Christopher Browne, Philippe Petit • Mit: Joseph Gordon-Levitt, Ben Kingsley, Charlotte Le Bon, James Badge Dale, Ben Schwartz, Steve Valentine, Clément Sibony, César Domboy • Kamera: Dariusz Wolski • Musik: Alan Silvestri • FSK: ab 6 Jahren • Verleih: Sony Pictures • Kinostart: 22.10.2015

Der französische Seilartist Philippe Petit hat etwas getan, was kein anderer Mensch vor ihm erreicht hat, und was auch niemals je wieder jemand schaffen wird: Er war, ist und wird immer der einzige Mensch sein, der es geschafft hat, ein Seil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers zu spannen und darauf ohne Sicherung mehrere Male hin- und herzulaufen. In Robert Zemeckis (Flight) Film über die Entstehung und die darauf folgende Ausführung eines einzigartigen Traums wird uns Petits Biografie nähergebracht, von seiner Kindheit an, bis hin zu dem schwindelerregenden Drahtseilakt, der sein Leben für immer verändern sollte. Wer die Filme des Zurück in die Zukunft-Regisseurs kennt, der weiß um ihre verspielte Erzählweise und die damit einhergehende musikalische Untermalung; das ist auch bei The Walk nicht anders. Joseph Gordon-Levitt führt uns als Erzählstimme von Philippe Petit durch den gesamten Film und verteilt ein gehörige Portion Märchenstimmung.

The Walk (2015) Filmbild 1Während der Film weitgehend als Drama beworben wird, verbirgt sich vielmehr eine Komödie hinter seiner Hausfassade, deren Humor an zahlreichen Stellen einwandfrei funktioniert. Die Truppe rund um Petit wird äußerst vielfältig und mit dem nötigen Augenzwinkern eingeführt, wenn es auch etwas schade bleibt, dass die verschiedenen Figuren sehr hastig in die Handlung gestreut werden. Demnach besteht schnell Verwechslungsgefahr und das Publikum vermag kaum eine richtige Beziehung zu ihnen aufzubauen. Überhaupt bleibt der Film bei all seinen Figuren bedauerlicherweise sehr oberflächlich. Petit wird komplett auf seinen Traum reduziert und es gibt nur eine einzige Szene, in der kurz deutlich gemacht werden soll, dass in ihm auch eine düstere und extrem egoistische Seite schlummert. Insofern wird seine Figur im Film glorifiziert, was zwar dem emotionalen Ton zugutekommt, aber an der Glaubwürdigkeit des Charakters nagt.

Trotz alledem bereitet es großes Vergnügen, dem sehr engagiert spielenden Joseph Gordon-Levitt bei seiner Darbietung zuzusehen. Das Springen zwischen den Sprachen Französisch und Englisch verleiht dem Schauspieler zusätzlichen Charme und eine sehr durchgedrehte Note. Nebenbei weiß auch Ben Kingsley mal wieder von sich zu überzeugen, geht in seiner Nebenrolle als Papa Rudy auf und schafft eine kleine sympathische Nebenfigur. Groß angepriesen wurde der Film für seine 3D-Effekte, die zwar an einigen Stellen ganz nett eingesetzt werden, um den Zuschauer in die schwindelerregenden Höhen zu versetzen, in denen der Film spielt, doch wirklich notwendig sind die extra dafür eingebauten Szenen nicht. Man hätte sie getrost weglassen können und auf den Charme des Films im zweidimensionalen Format vertrauen können.

The Walk (2015) Filmbild 2Selbstverständlich gipfelt die Handlung im finalen Lauf über das Seil, das Event, das im Mittelpunkt der Geschichte steht, und auf das sich der ganze Film zubewegt. Etwas arg gestreckt wirkt das Ende zwar schon, als Petit eine halbe Ewigkeit einfach nicht von seinem Höhenflug herunterkommen will, doch hält sich der Film auch stark an reale Begebenheiten, die man unter anderem auch aus der oscarprämierten Dokumentation Man on Wire – Der Drahtseilakt von James Marsh kennt. Und während sich der verrückte Seiltänzer voll und ganz in seinem Element inmitten der Wolken befindet und die Stadt um ihn herum staunend zu ihm heraufblickt, kann man nicht anders, als den Moment zu genießen, sich zurückzulehnen und irgendwie mit ihm dort oben zu fliegen. Ein überragender Abschluss, der einige kleine Fehler vergessen macht.

Fazit

The Walk ist zwar ein sehr reingewaschener Film über eine beeindruckende Persönlichkeit, von der man weitaus mehr interessante Facetten hätte zeigen können, doch der märchenhafte Erzählstil des Films weiß trotzdem zu begeistern und schlägt viele unterhaltsame sowie bezaubernde Töne an.

Trailer