The Riot Club (2014)

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The Riot Club (2014) Filmkritik
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

The Riot Club, GB 2014 • 107 Min • Regie: Lone Scherfig • Mit: Sam Claflin, Max Irons, Douglas Booth, Natalie Dormer, Holliday Grainger, Sam Reid, Ben Schnetzer • FSK: n. n. b. • Kinostart: 9.10.2014 • Offizielle Facebook-Seite

Yuppie. Schnösel. Feiner Pinkel. Geck. Lackaffe. Von Beruf: Sohn. Das sind die Stempel, wenn man die Burschen-Schar in dem exklusiven „Riot Club“ an der University of Oxford klassifizieren möchte. Das Bühnenstück „Posh“ von Laura Wade („Colder Than Here“, „Breathing Corpses“) wird von der dänischen England-Enthusiastin Lone Scherfig („Zwei an einem Tag“, „An Education“, „One Day“) auf die Leinwand gebracht. Das funktioniert mindestens genau so gut wie beispielsweise „Gott des Gemetzels“ und besser als bei „Chatroom“. Dabei gewinnt der Kinogänger einen abgründigen Einblick in die Welt der elitären Clubs, die scheinbar immer wieder namhafte Figuren der Gesellschaft hervorbringen. Englands Premiere David Cameron ist ein solches Exemplar, ist doch „The Riot Club“ in Anlehnung an den wahrhaft existierenden „Bullingdon Club“ geschrieben worden.

The Riot Club (2014) Filmbild 3Hinter dem „Riot Club“ stehen kluge, gutaussehende und elitäre Jungspunde, die zur Elite ihrer Zierde gehören. Das Universitätsleben ist nicht nur geprägt von Lernen und wissenschaftlicher Arbeit, sondern auch von Exzess, Suff und Drogenkonsum von skandalösem Ausmaß. Dafür steht dieser Club schließlich auch mit seinem Namen. Für den entstandenen Schaden in Restaurants und Bars wird lapidar und flapsig mit großen Mengen Bargeld bezahlt, um das gemeine Volk wieder milde zu stimmen. Doch der Club braucht neue Mitglieder, um wieder vollzählig sein zu können. Die zwei Erstsemester Miles (Max Irons) und Alistair (Sam Claflin, „Tribute von Panem“-Franchise) werden schließlich auserwählt. Für Alistair keine Frage, denn sein Bruder war bereits Präsident des Clubs. Der eher aus dem oberen Drittel der Mittelschicht stammende Miles entscheidet sich trotz von seiner Freundin Lauren (Holliday Grainger) geäußerter Bedenken ob seiner arroganten neuen Freunde, für eine Mitgliedschaft. Das traditionelle Club-Dinner in einer angemieteten, abgelegenen Lokalität bildet den jährlichen Höhepunkt. Doch wozu alkohol- und drogengetränkte Überheblichkeit führen kann, ist den Club-Mitgliedern in dem Moment der extrem ausartenden Situation anscheinend nicht bewusst. Ob "Einer für alle, alle für einen" dann noch gilt, wird sich zeigen.

The Riot Club (2014) Filmbild 2Den aufstrebenden jungen Männern, die abseits der Universität beinah rituellem Hedonismus und Ausschweifungen frönen, ist scheinbar nichts heilig; außer ihnen selbst und der Club. Nicht umsonst ziert das Filmposter der Slogan „Verwöhnt. Reich. Sexy. Verdorben.“. Zugegebenermaßen macht das neugierig auf das berüchtigte Club-Leben, das offensichtlich nur den reichsten, besten und klügsten Gentlemen vorbehalten ist. Klassenunterschiede sollen kein Hindernis darstellen, um sich bis an die Spitze zu arbeiten. Dabei reproduzieren sich Klassen, Hierarchien und sozialer Status doch nach wie vor meist durch die unmittelbaren Umwelteinflüsse. Viel mehr als durch Geld, definiert sich „Klasse“ durch die Haltung, Position und Einstellung in und zur Gesellschaft. Die Akteure des „Riot Clubs“ stacheln sich gegenseitig an, besser als der ganze Rest der Gesellschaft zu sein. Die Integrität eines jeden Menschen wird schonungslos von der unantastbaren Torheit und Arroganz dieser vielleicht zukünftigen Machthaber und „Zu-Sagen-Haber“ mit Füßen getreten. Interessant ist die Frage, ob es sich einfach nur um harte Partys handelt, oder ob Vieles mitgenommen wird, wenn man letztendlich älter ist und an den Knotenpunkten von Justiz, Wirtschaft oder Politik sitzt.

The Riot Club (2014) Filmbild 1Die Inszenierung der Dänin Lone Scherfig ist wie bei der Adaption eines Theaterstücks üblicherweise zu erwarten auf wenige Schauplätze beschränkt. Der Großteil des Films wird von dem jährlichen Dinner des Clubs eingenommen. Hier gipfeln gewandte Borniertheit, bodenlose Niederträchtigkeit, und persönliche Hahnenkämpfe wohlstandsverwahrloster Kids in ein schwarzes, aus dem Ruder laufendes „Tischgespräch“. Sollte doch eigentlich der Sinn eines Dining Clubs im angeregten, intellektuellen Austausch über Welt zu finden sein, liegt er hier viel mehr auf einer narzisstischen Selbstaufwertung und dem Herabsetzen anderer. Sicherlich bedient sich die Regisseurin ein paar kleineren Kniffen, um die Eskalation zu provozieren, doch bleiben alle Akteure stets glaubhaft und überzeugend. Vielleicht ist es gut mit der Dänin, einen unvoreingenommenen Standpunkt auf dem Regiestuhl sitzen zu haben. Nur zu gern nimmt man die Einladung an, durch das Bullauge in die Welt eines Elite-Dining-Clubs zu schauen und sich dem wütenden, wortreichen Streifzug überheblicher Snobs durch die britische Gesellschaft anzuschließen. "Carpe Fucking Diem" – mit jeglicher Konsequenz.

Trailer