The Pact (2012)

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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

The Pact, USA 2012 • 89 Min • Regie & Drehbuch: Nicholas McCarthy • Mit: Caity Lotz, Casper Van Dien, Agnes Bruckner, Mark Steger, Haley Hudson, Kathleen Rose Perkins, Sam Ball, Dakota Bright • Kamera: Bridger Nielson • Musik: Ronen Landa • FSK: ab 16 Jahren • DVD-Start: 22.10.2012 • Verleih: Ascot Elite Home Entertainment • Website

 

Bei Filmgeistern existieren ja in der Regel nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie verfolgen eine gute oder eine schlechte Agenda, wollen den Helden entweder auf eine Fährte locken oder ihm schaden. Auch in Nicholas McCarthys Kinoausgabe seines Kurzfilms „The Pact“ von 2011 muss die junge Protagonistin Annie (Caity Lotz) feststellen, dass es im Heim ihrer kürzlich verstorbenen Mutter nicht mit rechten Dingen zugeht. Ihre Schwester, mit der sie eigentlich noch einige wichtige Angelegenheiten klären wollte, trifft sie in dem bescheidenen Haus nie an – umgestürzte Gegenstände deuten aber auf Zeichen eines Kampfes hin. Nach der Beerdigung lädt sie ihre Cousine Liz (Kathleen Rose Perkins) und deren kleine Tochter Eva (Dakota Bright) ein, eine Weile bei ihr zu bleiben. In der Nacht beginnt der Terror. Annie wird von einer unsichtbaren Macht angegriffen und hin- und hergewirbelt. So etwas ist nicht normal. Sie schafft es noch, sich mit Eva aus dem offensichtlich besessenen Gebäude zu retten, doch von Liz fehlt seitdem jede Spur. Obwohl ihre Geschichte nicht sonderlich glaubwürdig erscheint, bietet der Ermittler Bill Creek (Casper Van Dien) seine Hilfe an und folgt Annie in ihr Elternhaus. Dort angekommen machen die beiden eine unheimliche Entdeckung. Annie kehrt mit dem Medium Stevie (Haley Hudson) zurück und stößt mit dieser auf eine weitere grausige Spur …

Ich mag Filme, die ein Geheimnis beherbergen, das sich erst nach und nach entfaltet. Was ich nicht mag, ist die Weise, mit der das in McCarthys „The Pact“ geschieht. Zu Beginn steht der altbewährte Geisterplot – Heldin wird heimgesucht, ein wenig durchgeschüttelt und mit der Nase auf die relevanten Hinweise gestoßen. Das ist ok, das kennt man so, daran hat man sich gewöhnt. Innovativ ist zwar etwas anderes, aber zumindest stellen sich die hier präsentierten Gänsehautattacken als durchaus effektiv heraus. Dann folgt ein netter Twist, der die Story in eine interessantere Richtung lenkt, als es zunächst den Anschein hatte. Nur hat der Regisseur scheinbar leider nicht so genau gewusst, wie er die Strecke vom Anfang A zum Ausgang C sicher beschreiten soll. Der Übergang B wird von einer Menge Blödsinn, wie dem zuvor erwähnten Medium und der Einführung eines Hexenbrettes, getragen: So kann man sich geschickt davor drücken, einleuchtende Anhaltspunkte für die Lüftung des Rätsels entwickeln zu müssen. Auch das mag man der unabhängig produzierten Genrearbeit verzeihen, da Newcomer McCarthy handwerklich durchaus souverän ans Werk geht. Über den Status eines trotz aller Ungereimtheiten weitgehend spannenden Mitternachtsfilmchens wird der Überraschungshit an britischen Kinokassen aber sicher nicht hinauskommen. Dazu fehlt Tiefe in den Figuren, deren Drama in der Familiengeschichte nicht recht zünden will. Annie hatte in der Vergangenheit Probleme mit ihrer Mutter, die sie und ihre Schwester einst aus dem Haus vertrieben hat. Es gibt ein paar Szenen, in denen Annie beunruhigende Visionen oder Träume hat. Ihre Darstellung ist tough. Eine Bikerin, die ihre Sachen selbst in die Hand nimmt. Damit hat es sich dann leider auch schon mit ihrer Figur. Der Rest stellt sich als Schnitzeljagd im suburbanen Gruselkabinett heraus. Die Location für ein Thema wie dieses ist dabei nicht einmalig (Sidney J. Furies ungleich beklemmenderer „Entity“ mit Barbara Hershey ist etwa an einem ähnlichen Ort angesiedelt), besitzt aber einen gewissen Reiz, da man sich mit dieser Umgebung wohl eher identifiziert, als mit dem sonst gern gezeigten, nebelumhangenen Schloss im Nirgendwo. Der Horror schleicht sich in den Alltag.

Gegen Ende des Films gibt es gar einen Moment, der in seiner Wirkung ein wenig den albtraumhaften Schluss von James Wans Megaerfolg „Saw“ in Erinnerung ruft. Nur, dass der kalte Schauer dort mit einem Grinsen über die Zuschauer kam, das dem cleveren Einfall der Verantwortlichen Rechnung trug. In „The Pact“ spürt man schließlich einen ähnlichen Schauer – hier muss man dann aber letztlich eher grinsen, weil einem aufgeht, wie hanebüchen die ganze Idee doch eigentlich ist. Dennoch kann man, wenn man denn so einigen Schwachsinn ohne größere Ärgernis heruntergeschluckt bekommt, mit diesem unspektakulären Genrebeitrag besser seine 90-minütige Spukstunde ausfüllen, als mit dem x-ten „Paranormal Activity“-Ableger oder – sagen wir – James Watkins' lahmer Literaturverfilmung „Die Frau in Schwarz“. Das ist nun sicher kein besonderes Prädikat, und wer einen deutlich packenderen, aktuellen Eintrag ins große Gruselbuch sucht, ist mit der eigenwilligen „Poltergeist“-Hommage „Insidious“ ohne Zweifel besser beraten. Wer jedoch nur kurzweilige Unterhaltung für die wöchentliche DVD-Party möchte und seinen übersinnlichen Nervenkitzel überdies gern mit der kleinen Portion ekeliger Schocksequenzen sieht, könnte hier möglicherweise sein Glück finden: Einer Figur sprudelt die Pastasauce Napoli nach einer Stichwunde nur so aus der Halsschlagader.


Trailer