The Collection (2012)

0
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

The Collection, USA 2012 • 82 Min • Regie: Marcus Dunstan • Drehbuch: Patrick Melton & Marcus Dunstan • Mit: Josh Stewart, Emma Fitzpatrick, Christopher McDonald, Tim Griffin, Randall Archer • Kamera: Sam McCurdy • Musik: Charlie Clouser SPIO/JK: strafrechtlich unbedenklich • Verleih: Planet Media Website

 

Collection_110215_8710.jpg„The Collection“ nennt sich die Fortsetzung zu Marcus Dunstans Horrorthriller „The Collector“ von 2009. Und dieser Titel ist goldrichtig, denn mehr als eine Ansammlung geschmacklos inzenierter Grausamkeiten hält dieses stumpfe Machwerk für seine Zuschauer kaum bereit. Es ist erneut der Dieb Arkin (Josh Stewart), der sich mit dem maskierten Unhold, welcher mit Vorliebe seine Opfer mit seinen perfiden Fallen dezimiert und am Ende immer eines lebend einfängt, herumschlagen muss – allerdings bekommt dieser nun Unterstützung von einem kleinen Söldnertrupp, der die junge Milliardärstochter Elena (Emma Fitzpatrick) aus dem Versteck des Psychopathen retten soll. Wie Kenner des Vorgängers wissen: Arkin ist zuvor selbst von dem Collector entführt worden und dieser Film startet dementsprechend mit seiner zufälligen Befreiung während eines weiteren Blutbades in einem obskuren Privatclub. Und wie sich dann später herausstellen soll, hat Arkin den Weg zum Domizil seines Peinigers akribisch genau dokumentiert (ich meine, hey: Wer würde nicht gleich, nachdem er schwer verletzt in einer Kiste eingeschlossen wurde, die Fahrtrichtung des Autos durch tiefe Unterarmschnitte festhalten?!), so dass die Ankunft bei dem verlassenen Hotel Argento (dieser wahrscheinlich charmant gemeinte Insidergag schiebt Dunstans Film nur noch stärker in den muffigen Dunstkreis des ehemaligen Italohorrorprofis anno 2012) nur eine lästige Formalität darstellt. Was nun folgt, ist ein hoher Blutzoll, viel Geballer, dumpfe Charaktere und die Erkenntnis, dass dieses Sequel gehörig in die Hose gegangen ist …

Collection_110204_4753.jpgHalten wir zu Beginn eine Sache ganz klar fest: Eine Genremeisterleistung ist schon „The Collector“ nicht gewesen. Dennoch konnte man bei diesem ein gewisses Gespür für eine morbide Atmosphäre und beklemmende Spannung nicht leugnen. Außerdem konnte man dort noch etwas festmachen, das man wohl etwas übertrieben als „Drama“ bezeichnen könnte: Der Protagonist der Geschichte sieht sich gezwungen, zum Schutz seiner Familie ein Verbrechen zu begehen und findet schließlich ein ganz anderes Szenario vor, das den einstigen Täter letztlich zum handelnden Helden erhebt. Auch die Opfer in „The Collector“ sind nicht annährend so anonym als Schlachtvieh gekennzeichnet worden, wie die hölzernen Schablonen in „The Collection“. Im Erstling hat sich das Autorenduo Marcus Dunstan und Patrick Melton (u.a. die „Saw“-Reihe ab Teil vier) noch Zeit für eine notwendige Exposition gegönnt, die die Zuschauer mit den Charakteren vertraut gemacht und so eine Empathie ermöglicht hat. „The Collection“ dauert inklusive seines ausschweifenden Vor- und Abspanns knappe 80 Minuten – zieht man die Titel und diversen Rückblenden aus Teil eins ab, so verbleibt etwa eine gute Stunde. Das reicht dann für Gore und dämliche Situationen, nicht jedoch für eine involvierende Handlung. Schon der spektakuläre Auftakt während einer geheimen Rave-Party veranschaulicht, was die Zuschauer dann auch im weiteren Verlauf erwarten soll: Zu einer Bildästhetik, die einer Schampoo- oder Limonaden-Werbung vielleicht nicht ganz unähnlich ist, finden stereotype Teens in einem herabsausenden Mähdrescher-Rotor und einer Presse ihren qualvollen Tod. Die sind ja eh alle blöd und verdienen es, zu sterben. Hahaha.

Collection_110214_8355.jpgDabei vergisst das Zielpublikum möglicherweise, dass die Dekadenz nicht nur in dem Szenario vor ihm stattfindet, sondern auch in dem Kinossal, in dem es selbst sitzt. Es ist die pure Freude an dem Brechen von Körpern und der Zerstörung von Leben, ein Zelebrieren von Gewalt, das an die extatische Darstellung von Sex in Pornos erinnert. Ein waschechter Gewaltporno. Wer genau das sucht, kann diesen Text aus seinem Gedächtnis streichen und direkt zur Tat der Sichtung schreiten. Kein wahrer Nervenkitzel, keine dichte Stimmung, keine Tragik im Inneren der Geschichte, keine Mythologie hinter dem Grauen, keine ironische Brechung erwarten einen hier – nur Gewalt in ihrer zynischten Ausprägung; gepaart mit Adrenalin, bedingt durch Lautstärke und halsbrecherisches Tempo. Dieser filmische Status Quo könnte im besten Fall als Spiegel dienen und sowohl auf bittere Weise vor Augen führen, in welcher Sackgasse sich der Horror momentan doch vermehrt befindet, als auch demonstrieren, dass die empfundene Qualität am Ende vielleicht auf nichts anderem als blinder (Genre-)Loyalität basiert. Ich vermute allerdings, dass dies eben nicht die Intention der Verantwortlichen gewesen ist – „The Collection“ sollte wohl einfach auf niedrigstem Niveau unterhalten. Auf der Strecke bleiben dabei solche Zuschauer, die zumindest etwas mehr als diese sadistische Schlachtfabrik beansprucht haben, und der solide Vorgänger.


Trailer