The Boss, USA 2016 • 99 Min • Regie: Ben Falcone • Drehbuch: Melissa McCarthy, Ben Falcone, Steve Mallory • Mit: Melissa McCarthy, Kristen Bell, Peter Dinklage, Ella Anderson, Kathy Bates, Tyler Labine •  FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 21.04.2016 • Website

The Boss (2016) Filmbild 1Melissa McCarthy (Taffe Mädels) ist momentan eine der gefragtesten, aber auch meistdiskutierten Comedy-Darstellerinnen und produziert Komödien wie am Fließband. Nachdem Paul Feigs (Brautalarm) Spy – Susan Cooper Undercover für viele ein schwungvoller Lichtblick in den McCarthy-Filmen war, ist The Boss wieder eine dieser Fließbandarbeiten. Mit Regisseur und Ehemann Ben Falcone verbrach sie 2014 schon Tammy – Voll abgefahren, der noch ein Stückchen unerträglicher war als das neue Werk, was The Boss jedoch kein bisschen besser macht. Es ist nicht einmal unbedingt an erster Stelle der Humor, der diesen Film so blöd und belanglos macht. Es ist diese Art tausendmal wiedergekäuter, generischer Klischee-Storys mit ätzend schmierigem „Wir haben uns doch alle lieb“-Happy-End und der „Familie ist das Wichtigste“-Botschaft. So lust- und einfallslos heruntererzählt, mit all den typischen Bausteinen und Stationen eines solchen Films, die noch nie gut waren. Das macht The Boss aus erzählerischer Sicht schon mal unglaublich belanglos und vorhersehbar. Wer einmal in seinem Leben eine Komödie gesehen hat, weiß ab der ersten Minute, wie sich das Ganze über die verbleibenden 98 quälend langen Minuten entwickeln wird.

The Boss (2016) Filmbild 2Der Humor ist natürlich auch wieder oberpeinlich, vulgär und oft nach dem immergleichen Gag-Schema aufgebaut, birgt in Momenten der maßlosen Übertreibung, in dem Sinne, wie es Vacation – Wir sind die Griswolds im letzten Jahr so konsequent durchzog, dann aber doch den einen oder anderen Lacher. Melissa McCarthy macht wieder eine auf quirlige Assi-Frau, dieses Mal als geldgeile Unternehmerin, die nie eine Familie hatte und nach einem Knastaufenthalt zu ihrer Ex-Assistentin (Kristen Bell) und ihrer Tochter (Ella Anderson) zieht. McCarthy ist nicht ungewohnt in diesem Setting, aber man fragt sich schon, warum Oscar-Preisträgerin Kathy Bates (Midnight in Paris) sich schon wieder ihre Filmografie mit einem Ben Falcone/Melissa McCarthy-Film vollsaut und der tolle Charakterdarsteller Peter Dinklage („Game of Thrones“) nach Pixels anscheinend auf der Schiene weiterfährt.

The Boss (2016) Filmbild 3Vielleicht kann man auch froh sein, denn Dinklage ist wenigstens noch ein wirklich sehr ertragbarer Teil dieses Films. Ein kleiner aber positiver Aspekt ist im Gegensatz zu allem anderen die in manchen Momenten äußerst feministische Agenda in The Boss. Und das nicht nur, weil die Hauptfiguren ausschließlich mit Frauen besetzt wurden. Dies findet zumindest so viel mitschwingende Präsenz, dass es einem auch nach dem hundertsten Schwanz-Witzchen noch nicht ganz kaputt gemacht wurde. Wenigstens besteht der „Humor“ nicht mehr aus dem Körpergewicht von Melissa McCarthy, auch wenn sich dafür trotzdem oft nur plump über oberflächliche Merkmale von Personen lustig gemacht wird. Kreatives Gagschreiben scheint für McCarthy, Falcone und Steve Mallory, als dritten Drehbuchschreiber im Bunde, wohl nur der allerletzte Ausweg zu sein.

Fazit

The Boss ist kein Antifilm, sondern einfach nur richtig, richtig schlecht. Auch wenn sich den Ganzen hin und wieder ein leicht ungläubiger Lacher abringen lässt, so ist Ben Falcones zweite Komödie wieder nicht lustig. Vielleicht sollte er sich ein anderes Genre suchen. Aber dann würde wohlmöglich nur noch generischer Feel-Good-Müll unambitioniert heruntererzählt werden. Die Frage ist, ob das nicht sogar erträglicher anzusehen sein würde als ein weiterer Tammy – Voll abgefahren oder The Boss.

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