The ABCs Of Death (2012)

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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

The ABCs Of Death, USA/NZ 2012 • 123 Min • Regie & Drehbuch: Nacho Vigalondo, Ti West, Srdjan Spasojevic, Hélène Cattet & Bruno Forzani u.a. • Mit: Ingrid Bolsø Berdal, Iván González, Kyra Zagorsky, Erik Aude, Darenzia • Kamera: Harris Charalambous, Manuel Dacosse, Karim Hussain, Laurie Rose, Ernesto Herrera u.a. • Musik: Phillip Blackford, Simon Boswell, Nobuhiko Morino u.a. • SPIO/JK: strafrechtlich unbedenklich • Verleih: Capelight Pictures • Website

 

abcs3Zu viele Köche verderben den Brei – oder verwandeln einen vermeintlich schmackhaften Eintopf in eine fade Buchstabensuppe. Man muss sich dieses über zwei Stunden lange, leider als Gesamtwerk reichlich gescheiterte Projekt zunächst mal auf der Zunge zergehen lassen: Da versammeln sich 27 internationale Genre-Hotshots – unter ihnen Ben Wheatley („Sightseers“), Xavier Gens („Frontier(s)“), Ti West („The House Of The Devil“), Nacho Vigalondo („Timecrimes“), Jorge Michel Grau („Wir sind was wir sind“), Hélène Cattet und Bruno Forzani („Amer“) – , um sich gemeinsam der Shorty-Anthology „The ABCs Of Death“ anzunehmen, die eben durch die 26 Buchstaben unseres Alphabetes inspiriert ist. In ganz kurz: Wir beginnen mit A is for Apocalypse und enden mit Z is for Zetsumetsu. Das hätte interessant werden können, hätte man bei all der kreativen Vielfalt und Hemmungslosigkeit nicht vergessen, dass sich der Begriff „Kurzgeschichte“ aus den Bestandteilen „kurz“ und „Geschichte“ zusammensetzt. Letzterer wurde hier ärgerlicherweise weitgehend ignoriert. Was bleibt, sind zusammenhangslose Ausdrücke von geistigem Irrsinn wie auch purem Durchfall. Im unerträglichen Verbund eines episches Spielfilms.

abcs2Hier nun zunächst, was die Zuschauer im einzelnen erwartet: A) Eine Frau tötet ihren bettlägrigen Ehemann auf grausame Weise. B) Einem kleinen Mädchen wird ein unheimliches Märchen von einem mexikanischen Schneemenschen aufgetischt. C) Ein Mann sucht seine Frau in einem Loch in einer Hecke und stößt dort auf ein Geheimnis. D) Der blutige Zweikampf zwischen Mensch und Hund wird thematisiert. E) Krabbelviecher werden für einen seltsamen Zeitgenossen zur außerordentlichen Belastung. F) Gefurzt wird auch in Japan. G) Wer weniger surf, lebt aus unbekannten Gründen länger. H) Eine britische Bulldogge mit Fliegerhaube kämpft in einem Stripclub mit der Nazikatze Frau Scheisse. I) Ein Mann verabreicht einer Frau eine fatale Injektion. J) Harakiri ist keine schöne Angelegenheit. K) Auch Damen müssen mal groß. L) In einer mysteriösen Einrichtung wird die männliche Libido aufs Härteste getestet. M) Das Klo ist verstopft. N) Papageien reißen den Schnabel manchmal zu weit auf. O) Körper werden sinnlich erforscht. P) Einer Prostituierten ist jeder Job recht, um an Geld für ihre Familie zu gelangen. Q) Regisseur Adam Wingard möchte unbedingt die herausragendste Episode des Films abliefern und geht dabei zu weit. R) Ein schwerverletzter Kriegsverbrecher wagt mit Hilfe seines eigenen Fleisches und Blutes die Flucht aus dem Krankenhaus. S) In einer postapokalyptischen Wüstenlandschaft liefert sich eine toughe Rockerlady eine wilde Verfolgungsjagd mit einem mächtigen Fiesling. T) Toiletten sind gefährlich. U) Wir erleben den Überlebenskampf eines Blutsaugers aus dessen Blickwinkel mit. V) Menschen üben in der Zukunft den Aufstand gegen finstere Autoritäten. W) Die Möglichkeiten des Buchstaben W in Bezug auf eine Geschichte werden diskutiert. X) Wer dem gängigen Schönheitsideal entsprechen will, muss leiden. Y) Ein Highschoolschüler nimmt Rache an seinem Peiniger. Z) Im zukünftigen Japan kämpfen Mutanten mit bewährten Waffen sowie Obst und Gemüse.

abcs5Ja, diese Angelegenheit ist schwierig. Fast fühlt es sich so an, als würde man im hier bemerkenswert häufig thematisierten Klo nach Perlen tauchen: Während einige Beiträge als kleine audiovisuelle Bonbons voll überzeugen können (D is for Dogfight, O is for Orgasm), sind andere wiederum spürbar lustlos inszeniert (A is for Apocalypse, I is for Ingrown) oder fallen äußerst negativ durch ihren unnötig geschmacklosen, bemüht provokanten Inhalt auf (L is for Libido, M is for Miscarriage). Es gibt zweimal Meta-Quark (Q is for Quack, W is for WTF?), zweimal SciFi-Trash (V is for Vagitus, Z is for Zetsumetsu), Furzhumor (F is for Fart) und einen perversen Minislasher mit Retroflair (Y is for Youngbuck). Überraschend ist, dass „A Serbian Film“-Regisseur Srdjan Spasojevic mit seinem unappetitlichen R is for Removed nicht den vermuteten Tabubrecher der Sammlung raushaut, sondern diese fragwürdige Ehre Timo Tjahjanto und Ti West überlässt. Sympathisch-böse bleibt letztlich Banjong Pisanthanakuns N is for Nuptials in Erinnerung und dekadenten Spaß versprühen außerdem die beiden toilettenbetonten Trickfilmausflüge K is for Klutz und T is for Toilet. Xavier Gens zitiert in seinem bitter-gemeinen Franzosenterror X is for XXL Darren Aronofskys „Requiem For A Dream“ und Ben Wheatley macht mit seinen wenigen Minuten genau das Richtige: Er experimentiert in U is for Unearthed mit einer hanebüchenen Idee herum.

abcs4Brauchen tut das ganze Stück „The ABCs Of Death“ ganz bestimmt niemand. Steht einem der Sinn nach ein paar wilden Genresnacks, so tut man sich mit einer kleinen Vorabauswahl sicher einen Gefallen. Zwei der Episoden (D is for Dogfight, O is for Orgasm) gehen als knappe Clip-Kunstwerke durch, acht (S is for Speed, H is for Hyrdo-Electric Diffusion, T is for Toilet, R is for Removed, Y is for Youngbuck, K is for Klutz, N is for Nuptials, U is for Unearthed) bieten zumindest eigenwilligen, inszenatorisch engagierten Stoff für abgebrühte Horrorfans. Das macht unterm Strich dann 10:16. Und jetzt mal ehrlich: So prall ist diese Ausbeute dann doch nicht! Wenn man bedenkt, dass ein Segment nur etwa fünf Minuten in Anspruch nimmt und letztlich über die Hälfte von diesen wenig taugt, wäre es doch eine deutlich attraktivere Lösung gewesen, die spannenden Einfälle zeitlich zu expandieren und den Rest komplett unter den Tisch fallen zu lassen. Aber Vorschläge helfen ja im Nachhinein bekanntlich wenig …

„The ABCs Of Death“ ist ein zwiespältiges Vergnügen mit zweifelsohne guten Ansätzen, die man sich aber besser mal vom Verband gelöst zu Gemüte führt.


Trailer

https://youtu.be/UFgrFENQ4oQ

  • Arthur A.

    Ähm, also 26 Buchstaben aber 27 Geschichten?

  • Bastian G.

    Nee, 26 Buchstaben, 26 Geschichten und 27 Regisseure 😉 Das "Amer"-Duo arbeitet wieder zusammen.

  • Arthur A.

    Viel Arbeit für zwei Regisseure mit bestimmt etwa 5 Minuten Spielzeit.

  • Bastian G.

    Ist dafür die bestaussehendste Episode 😉