T2 Trainspotting (2017) Kritik

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T2 Trainspotting (2017) Filmkritik

T2: Trainspotting, GB 2017 • 117 Min • Regie: Danny Boyle • Drehbuch: John Hodge • Mit: Ewan McGregor, Ewen Bremner, Jonny Lee Miller, Robert Carlyle, Kelly Macdonald, Shirley Henderson, Anjela Nedyalkova • Kinostart: 16.02.2017 • FSK: ab 16 Jahren  Deutsche Website

T2 Trainspotting (2017) Filmbild 120 Jahre nachdem Renton (Ewan McGregor) seine Heroin-Gang zu "Born Slippy" um 16.000 Pfund erleichterte und mit der Hoffnung auf ein besseres Leben ins Ende des Films wanderte, kehrt er zurück. Nach einem Zusammenbruch auf dem Laufband im Fitnessstudio und damit einhergehenden harten Aufschlag bricht zwar nicht seine Schädeldecke aber vorerst der Film in mehrere Einzelteile. Bevor sich die Wege von Renton, Spud (Ewen Bremner), Sick Boy (Jonny Lee Miller) und Begbie (Robert Carlyle) wieder kreuzen, postet Danny Boyle (Slumdog Millionär) erst einmal einzelne Status-Updates in den Film #whathaveyoubeenuptofor20years. Die Welt um die Charaktere herum ist mittlerweile noch zerfallener als in Trainspotting. Sick Boy, im fortgeschrittenen Alter nun unter seinem richtigen Namen Simon unterwegs, unterhält einen spärlich besuchten Pub inmitten von abgerissenen Häusern und versucht sich nebenbei als Erpresser, Begbie sitzt mit 20 Jahre lang angestauter Wut seit den damaligen Ereignissen im Knast und Spud hat sich in einem verwahrlosten Hochhaus mit Müllberg-Skyline eingerichtet, wo er sich gerade mit einer Plastiktüte über dem Kopf die Luft und von der Welt abschneiden will, als Deus ex Machina Renton die Wiedervereinigung einleitet.

T2 Trainspotting (2017) Filmbild 2T2 Trainspotting ist nicht nur für Fans des 1996er-Kultfilms ein nostalgischer Trip, Danny Boyles Sequel trieft in seiner melancholischen Midlife-Crisis nur so vor dem Blick zurück. In seinem alten Zimmer blättert Renton wehmütig durch seine Platten, Spud erscheint die 20 Jahre jüngere Version seines Freundes auf der Straße, über die dieser in der Eröffnungsszene von T1 vor der Polizei floh und beide trauern unerfüllten Träumen nach. In Momenten wie Rentons bedrückender Heimkehr, einer allen Schmerz ausdrückenden Umarmung mit seinem Vater, ist T2 Trainspotting genau die tragische Ergänzung über Vergänglichkeit und Reue, die seinem großartigen Vorgänger würdevoll neue Facetten hinzufügt. Um die Aufarbeitung seiner Charakter-Beziehungen konstruiert Drehbuchautor John Hodge (Trance – Gefährlicher Erinnerung) nur leider eine den Großteil des Films einnehmende, entzaubernde Weitererzählung, die Begbie seine ehemaligen Mitstreiter durch den Plot jagen lässt. Dass für diese Wandlung zum Antagonisten nicht einfach ein dreistelliger Pfund-Betrag der Grund ist, sondern sich wie auch anfänglich bei Sick Boy vor allem Frust über vernachlässigte Loyalität gegenüber einem Freund äußert – also nicht Geld sondern Freundschaft der Knackpunkt ist – wirkt nicht nur sehr eingeschoben, mehr als dies durch nostalgische Aufnahmen aus Kindheitszeiten zu untermauern, fällt dem Film dazu auch nicht ein.

T2 Trainspotting (2017) Filmbild 3Die drei zuletzt genannten Charaktere bleiben bis auf wenige Szenen, bei denen sich schonungslos auf Ereignisse aus Teil 1 bezogen wird, sowieso recht blass. Im Gegensatz dazu kann sich Ewen Bremners (Snowpiercer) Spud über eine interessante Entwicklung freuen und die Erzählung zumindest für einige Momente an sich reißen. Dieser fängt im Laufe des Films an, all seine alten Erlebnisse schriftlich festzuhalten, um am Ende gewissermaßen zum Autor dieser neuen zu werden. Am Ende wäre es Spuds Stimme, die die Geschichte erzählt, nur ohne Voice-Over, sagte Danny Boyle bei der Berlinale-Pressekonferenz.

Fazit

Zumindest Danny Boyles dauerstimulierende Power-Inszenierung wird auch in T2 Trainspotting wieder in elektrisierenden Werbebildern und Montagen entladen und wirft einen tollen neuen "Choose life"-Monolog ab, ist aber aufgrund des Drehbuchs wie so oft bei Danny Boyle in den Zwischenräumen wieder verhältnismäßig wenig mitreißend. Dies bis auf die Perfektion zu verdichten, schafft man vielleicht nur mit einem Sorkin-Skript.

Trailer

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