"Star Wars Identities": Unsere Eindrücke von der galaktischen Ausstellung

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Star Wars Identities Köln

Foto © & TM 2015 Lucasfilm Ltd. All rights reserved.

Ihr liebt Star Wars? Dann seid Ihr in guter Gesellschaft. Kaum ein Titel, egal ob unter Filmen oder in der Literatur, hat eine so große und loyale Fangemeinde wie die von George Lucas begründete Saga über Sternenkrieger, die bislang sechs Kinofilme (bald sieben), Spin-Offs, Animationsserien, zahllose Romane und das berüchtigte Weihnachtsspecial hervorgebracht hat. Die Veröffentlichung von Krieg der Sterne 1977 hat die Filmwelt nachhaltig verändert und eins der kommerziell erfolgreichsten, wenn auch nach den Prequels im allgemeinen Ansehen leicht gefallenen Franchises begründet. Durch dick und dünn, wahre Star-Wars-Fans sind Fans fürs Leben und wenn Ihr schon lange den Wunsch hegt, zumindest einen Teil der Welt von Star Wars hautnah zu erleben, müsst Ihr dafür auch nicht in eine weit, weit entfernte Galaxie reisen, sondern lediglich nach Köln. Das dortige Erlebnismuseum Odysseum, das kürzlich bereits die immens erfolgreiche und wirklich gelungene "Harry Potter: The Exhibition" (unser Ausstellungsbericht) beherbergte, wartet ab dem 22. Mai mit einem neuen Coup auf: "Star Wars Identities".

Die Ausstellung, die bis April noch im französischen Lyon gastierte, enthält über 200 Original-Exponate aus allen sechs Kinofilmen sowie aus der Animationsserie "The Clone Wars", von denen Dutzende zuvor noch nie der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Angesichts des noch dieses Jahr bevorstehenden Starts von Star Wars: Das Erwachen der Macht bietet die Ausstellung außerdem die Möglichkeit, sich den Status Quo des Universums anzuschauen, bevor dieses mit drei weiteren Episoden und mindestens ebenso vielen Spin-Offs über die nächsten Jahre erweitert werden wird. Doch es ist nicht lediglich eine Ansammlung von Ausstellungsstücken. "Star Wars Identities" nähert sich der legendären Reihe aus einem einzigartigen Blickwinkel an. Wie der Name schon besagt, geht es um Identität und die Einflüsse, die eben diese formen. Betrachtet werden dabei der Ursprung der Figuren, die Einflüsse, die auf sie eingewirkt haben, und die Entscheidungen, die sie getroffen haben. Der Besucher soll neue Aspekte der Identitäten ihrer Lieblingscharaktere entdecken und dabei vielleicht auch ein kleines Stück über sich selbst erfahren. Ein ehrgeiziger Ansatz und ob dieser aufgeht und der Besuch für die Fans sich (trotz nicht gerade spottbilliger Eintrittspreise) lohnt, davon konnte ich mich heute schon vor Ort selbst überzeugen und erzähle Euch gerne von meiner Erfahrung.

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Los ging es mit einer kurzen Pressekonferenz mit dem Museumsleiter Andreas Waschk sowie den Vertreterinnen von Lucasfilm-Archiven, aus denen die Exponate stammen, und von X3 Productions, die das besondere Konzept dieser Ausstellung ausgearbeitet haben, moderiert von Hennes Bender. Auch Darth Vader, begleitet von zwei Storm Troopers, durfte nicht fehlen. So wurde erzählt, dass um dem Wissenschaftsanspruch der Identitäts-Thematik gerecht zu werden, die Macher mit einigen führenden Psychologen zusammengearbeitet haben; damit passt die Ausstellung auch gut zum Austragungsort, denn das Odysseum steht auch für Wissensvermittlung (ein Aspekt, der bei der Harry-Potter-Ausstellung noch ein wenig in den Hintergrund rückte). Die ersten Gespräche, um die Ausstellung nach Köln zu bringen, begannen bereits vor zweieinhalb Jahren und natürlich ist es auch sehr passend, dass ausgerechnet im Jahr des neuen Star-Wars-Films auch die allererste Star-Wars-Ausstellung überhaupt in Deutschland bewundert werden kann. Die Mühen lohnten sich: laut Waschk wurde in Köln bereits der Vorverkaufsrekord anderer Austragungsorte gebrochen. Genaue Zahlen wurden nicht genannt, doch Besucher der ersten Wochen können sich auf jeden Fall auf großen Andrang gefasst machen. Kein Wunder, denn Star Wars hat generationsübergreifende Fans. Bis Ende November soll die Ausstellung in Köln bleiben.

Fragen gab es nach der Einführung und Vorstellung des Konzepts keine – nicht, weil es uninteressant war, sondern weil alle Anwesenden es kaum erwarten konnten, die Ausstellung endlich zu betreten. Fangeist war auch unter Journalisten in der Luft zu spüren, zahlreiche erschienen in Star-Wars-Shirts und das eine oder andere Lichtschwert habe ich auch gesehen. Bevor es auch für mich in die Ausstellung ging, konnte ich mir ein Foto mit Lord Vader und Kohorten nicht entgehen lassen.

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Star Wars Identities Review 3Vor der Ausstellung erhält jeder Besucher einen kompakten Audioguide und einen Gummi-Armband mit Sensor. Letzterer macht nämlich den interaktiven Part der Ausstellung aus. An insgesamt 10 Stationen kann man mittels des Armbands seinen eigenen Star-Wars-Charakter formen, indem man sich für bestimmte, auf einen zutreffende (oder gewünschte) Aspekte seiner Selbst wählt. Es beginnt erst einmal mit der Wahl der Spezies, die man im Star-Wars-Universum sein möchte, später wählt man die eigene Kultur, die Freizeitbeschäftigung, entscheidet sich für eigene Werte und lässt mittels eines kurzen psychologischen Tests fünf Hauptaspekte der Persönlichkeit einschätzen (Extraversion, Neurotizismus, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit). Auf dem Bild rechts könnt Ihr ein typisches Panel sehen, auf dem man die Entscheidungen treffen kann. Nur wenn man an allen zehn Stationen mit dem Armband auch seine Wahl trifft (siehe Foto unten), wird einem am Ende der Ausstellung der eigene Star-Wars-Charakter enthüllt. Wer dabei aber eine ganz große Enthüllung oder Analyse erwartet, wird enttäuscht sein. Es ist letztlich ein Gimmick, das zwar gut bei Laune hält und einen interessanten Pfad durch die Ausstellung bildet, doch es bleibt dennoch ein Gimmick.

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Der zweite technische Aspekt ist der Audioguide. Die Idee dahinter ist, dass wenn man in die Nähe von bestimmten Audio-Stationen kommt, der Guide automatisch mit der Erzählung anfängt. Bei den Stationen gibt es zweierlei – einerseits Bildschirme, die die wissenschaftlichen Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung beleuchten, unterlegt mit beispielhaften Szenen aus der Star-Wars-Reihe, andererseits aber auch reine Audiostationen, in denen auf bestimmte Figuren und deren Entwicklung in der Vorproduktion der Filme eingegangen wird.

Für jemanden, der wie ich Psychologie studiert hat, werden die Erklärungen von den Bildschirmen sehr vertraut vorkommen, beinhalten sie doch all das, was man in der Regel im ersten Semester lernt. Doch das soll keineswegs abwertend klingen, denn die die Informationen sind korrekt und werden für Laien sehr verständlich vermittelt. Dabei geht es u. a. um genetische Anlagen, den Einfluss der Umwelt, Erziehungsstile der Eltern und Entscheidungen, die einen prägen. Damit es aber nie zu trocken bleibt, werden die kurzen Erklärungen stets mit Beispielen aus den Filmen unterlegt.

Die per Sensor aktivierten Guides haben ihre Vor- und Nachteile. Es entfällt das nervige Herumschalten und Nummern eingeben, denn man empfängt den Ton (wie beim Radio) automatisch, wenn man an der entsprechenden Station ist. Der Nachteil ist aber, dass die Audioaufnahmen in Dauerschleife laufen. So kann es sein, dass man bei einer Station ankommt, während der Text sich gerade in der Mitte befindet. Man muss erst warten, bis es wieder von vorne losgeht. Der zweite Nachteil der Dauerschleife ist, dass wenn man sich länger in der Nähe der Station aufhält, um die Ausstellungsstücke zu betrachten, der Text immer wieder ins Ohr gesprochen wird und man den Sensor erst verdecken muss, damit es aufhört.

Star Wars Identities Review 5Doch letztlich sind es nicht die psychologischen Erklärungen und auch nicht der interaktive Teil der Ausstellung, der die meisten Besucher anlocken und der den Fans im Gedächtnis bleiben wird. Ja, ich komme endlich zu dem wirklich wichtigen Teil – den eigentlichen Ausstellungsstücken und diese lassen sich eigentlich kurz zusammenfassen: hier gibt es, was das Fan-Herz begehrt. In Anbetracht der Größe und des Detailreichtums des Star-Wars-Universums war es sicherlich nicht leicht, die essentiellen Exponate für eine Ausstellung wie diese auszuwählen. Mit etwa 200 Stück sind es auch verhältnismäßig wenige an der Zahl und doch hat man eigentlich nie das Gefühl, es würde etwas Essentielles fehlen, vielleicht mit der Ausnahme der überraschenderweise abwesenden Lichtschwerter (insbesondere wenn ich an die Harry-Potter-Ausstellung denke, wo von fast jeder Figur der Zauberstab ausgestellt war). Doch davon abgesehen lässt die Ausstellung Raum für Raum die Fanherzen höher schlagen. Sehr Ihr das Bild rechts? Ganz genau, es ist das Original-Modell des in Karbonit eingefrorenen Han Solo aus Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Direkt daneben steht ein weiteres Ausstellungsstück, das Tausende männliche Ausstellungsbesucher sich direkt wieder an ihre Pubertät zurückdenken lassen wird:

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Star Wars Identities Review 7Es ist tatsächlich das von Carrie Fisher getragene Original-Sklavenbikini aus Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Ihr wollt noch mehr? Wie wäre es dann mit Original-Modellen von den meisten bei den Dreharbeiten eingesetzten Raumschiffen? TIE-Jäger? Dabei. X-Flügler? Natürlich! Doch das Prunkstück bildet ein Modell des imperialen Sternenzerstörers, mit dem der erste Star Wars eröffnet (wobei in der Ausstellung die leicht modifizierte Version aus Episode V zu sehen ist). Auch Anakins Podracer in Originalgröße (Bild links) sorgt für dicke Grinsen auf den Gesichtern der Fans. Die Kostüme von Anthony Daniels' C3PO und Kenny Bakers R2Ds sind ebenso zu sehen, wie Chewbacca, dessen dichtes Fell seinerzeit Haar für Haar zusammengenäht wurde: nix mit CGI! Neben den meisten Figuren stellen Konzeptzeichnungen und einige Modelle auch dar, wie die Figuren hätten auch aussehen können. Könnt Ihr Euch Yoda als Mischung aus Gartenzwerg und Weihnachtself mit entsprechender Mütze und ursprünglich unter dem Namen "Buffy" bekannt vorstellen? Ich bis heute auch nicht.

Star Wars Identities Review 8Diese und viele andere Kleinigkeiten erfährt man während der Ausstellung. Unerwartet fand ich, dass eine der ersten Audiostationen und Vitrinen sich ausgerechnet dem nervtötenden Gungan Jar-Jar Binks, seiner Entwicklung und seiner Notwendigkeit in Episode I gewidmet wurde, insbesondere da Figuren wie Darth Maul keine eigene Station erhalten haben. Die Erzählung erklärt, dass aufgrund der kleinen Rolle von R2D2 dem Film sonst ein lustiger Charakter für die Kinder gefehlt hätte und dass George Lucas letztendlich mit Jar-Jar Binks genau das bekam, was er wollte. Macht es leider nicht besser. Aber vielleicht war auch ein Gedanke, mit dem Schwächsten anzufangen und dann langsam zu den beliebtesten Aspekten der Reihe aufzubauen. Für diese Theorie würde auch sprechen, dass das finale Ausstellungsstück für viele auch das Highlight sein wird – das Original-Kostüm von Darth Vader (Bild ganz unten), getragen von David Prowse. Davor gibt es aber auch die Kostüme von Luke, Han Solo, Leia, Padme, Lando und zahlreichen weiteren Figuren der Reihe zu sehen. Auch der Animationsserie "The Clone Wars" wird mit einer Vitrine kurz gehuldigt, im Speziellen Anakins Padawan Ahsoka Tano.

"Ist die Ausstellung den Eintrittspreis wert?" werden viele fragen. Bei Erwachsenen-Preisen von €21,95 (und €23,95 an den Wochenenden) sicherlich keine unberechtigte Frage und doch wie schon bei "Harry Potter: The Exhibition"  lässt sie sich aus der Sicht eines Fans immer schwer beantworten – wie kann man einem Erlebnis wie diesem einen monetären Wert beimessen? Und wie kann ein wahrhaftiger Star-Wars-Fan sich die Gelegenheit entgehen lassen, zumindest 1-2 Stunden lang so nah an seine geliebte weit, weit entfernte Galaxie heranzukommen? Als Fan will ich dieses Erlebnis nicht missen wollen. Verdammt, es ist Star Wars!

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Weitere Informationen zu den Ticketpreisen und den Öffnungszeiten findet Ihr auf der Website des Odysseum.