Runner Runner (2013)

0
Runner Runner (2013) Filmkritik
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Runner Runner, USA 2013 • 91 Min • Regie: Brad Furman • Mit: Justin Timberlake, Ben Affleck, Gemma Arterton, Anthony Mackie, Oliver Cooper, John Heard • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 17.10.2013 • Deutsche Website

Krankt die Welt an den Übeln oder profitiert sie von den Errungenschaften neuer Technologien? Web 2.0, Sozialnetzwerke, 24/7 online, höher, schneller, weiter, sofort, immer und in Echtzeit – wozu also auf das große Geld warten? Schließlich geht Zocken nicht nur im Casino locker von der Hand bzw. aus der Brieftasche, denn mittlerweile räumen auch online Pokerstars ganz ordentlich ab. In dem Film „Runner Runner“ nimmt sich Regisseur Brad Furman („Der Mandant“) der gaunerhaften Seite des Online-Pokers an. Zurückgreifen kann er dabei auf ein vorhersehbares Drehbuch, einen weit hinter seinen Möglichkeiten aufspielenden Justin Timberlake und einen semi-coolen Ben Affleck (er kann auch mehr). Die restlichen Charaktere sind dabei nur Dünger, um weitere Stereotypen zu kultivieren.

Runner Runner (2013) Filmbild 1Richie (Justin Timberlake – „The Social Network“) steht mit einem Bein im Business der Spielervermittlung für Pokerwebsites und mit dem anderen in der renommierten Princeton Universität. Da er einen Berg an Studiengebühren zahlen muss, entscheidet er sich kurzerhand, sein Erspartes selbst beim Pokern im Internet zu setzen. Er verliert und glaubt abgezockt worden zu sein. Nach einer kurzen Recherche mit ein paar IT-Kommilitonen erhärtet sich sein Verdacht und Richie findet in Ivan Block (Ben Affleck – „Argo“), seines Zeichens Tycoon des Online-Glücksspiels, einen Schuldigen. Der betrogene Richie entscheidet sich für die Offensive und fliegt nach Costa Rica, um den dort lebenden Ivan mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Glücklicherweise zeigt sich Ivan kulant und bietet Richie sogar einen Top-Job in seiner Firma auf Costa Rica an. Blöd nur, dass das FBI mittlerweile Lunte riecht und versucht, Richie zuzusetzen, um gegen Ivan auszusagen. Fortan gilt für Richie, beide Seiten gegeneinander auszuspielen.

Runner Runner (2013) Filmbild 2Das Geldvolumen von Online-Glücksspiel beträgt weltweit ca. $33 Milliarden. Im Jahr 2012 gaben Amerikaner 2,6 Milliarden Dollar für illegale Web-Casinos aus. Entgegen aller Bemühungen der US-Regierung dem einen Riegel vorzuschieben, operieren Glücksspielseiten weiterhin im Dunkeln – meist off-shore im Ausland. Es hat den Anschein, als hätten Gesetz und Ordnung in den Online-Grauzonen keine Relevanz und jedermann wird mit dem schnellen Geld gelockt. So ist es nicht verwunderlich, dass Menschen sich bis auf die Knochen abzocken lassen und schließlich mit nichts mehr dastehen. Auch Justin Timberlakes Richie hat, obgleich er bereits um das Risiko weiß, eine nicht zu unterschätzende Fallhöhe mit seinem Status als angehender Doktorand in Princeton. Eigentlich lesen sich die vorangegangenen Zeilen wie eine gute Würzmischung für einen spannenden Thriller mit einer gehörigen Ladung Kritik am webbasierten amerikanischen Traum 2.0. Stattdessen kommt das ambitionierte Vorhaben nicht weit über die schöne Hochglanzoptik und die bunten Cocktails Costa Ricas hinaus. Richie läuft unverbesserlich in alle Schwierigkeiten hinein, die sich ihm bieten. Obwohl er ein smarter Typ mit viel Grips ist, bändelt er beispielsweise mit Ivans Bunny Rebecca (Gemma Arterton) an; stellt Richie doch im off-Kommentar selber fest, dass man einen Typen wie Ivan besser nicht hinters Licht führt. Dies alles erscheint widersprüchlich und charakterfremd. Generell lässt die Erzählung aus dem Off keine vorteilhaften Lobeshymnen erklingen, da die ständigen Zocker-, Spieler-, Kartentrick-Metaphern mehr als abgedroschen bis nervig anzuhören sind.

Mit Bunny-Deko ist Gemma Artertons („Hänsel & Gretel: Hexenjäger“) Rolle auch weitestgehend genau beschrieben. Sie setzt nur Akzente, indem sie dem paradiesischem Costa Rica zusätzlichen Sex Appeal gibt und Richies Blick für die Realität trübt. Agent Shavers (Anthony Mackie zuletzt in „Pain and Gain“) gibt den abgebrühten Klischee-FBI-Agenten, der mit Panama Hut, Leinenhose und schlechter Laune versucht, Spitzel zu „rekrutieren“ und in Ivans Firma unterzubringen. Als weiteren stereotypischen Ballast bekommt die Rolle von Richie in Form von Harry Furst (John Heard – „Assault on Wall Street“) eine gescheiterte, verschuldete, unbehelligt-weiterzockende und trinkende Vaterrolle zugewiesen.

Schaut man sich als laienhafter Pokerspieler eine einschlägige Pokerschlagwortsammlung A-Z an, so findet man bei „R“ den Eintrag „Runner Runner“. Ein wohl ziemlich seltenes Blatt; so selten, dass im Film „Runner Runner“ der Zusammenhang zwischen Pokerbegriff und Filmtitel beiläufig in einem Nebensatz von Justin Timberlake via off-Kommentar aus der Luft gegriffen wird. Die erzählerische Struktur des Films ist keineswegs aus der Luft gegriffen, sondern wurde bereits zig Mal widergekäut und/oder besser umgesetzt. Dadurch mag letztendlich auch nicht wirklich Spannung aufkommen.Schade eigentlich, denn das brisante Thema birgt explosives Material und die Besetzung der Rollen liest sich auch vielversprechend.

Trailer