Rio 2, USA 2016 • 101 Min • Regie: Carlos Saldanha • Mit den Originalstimmen von: Jesse Eisenberg, Anne Hathaway, Jemaine Clement, Andy Garcia, Jamie Foxx, Leslie Mann • FSK: ab 0 Jahren • Kinostart: 3.04.2014Deutsche Website

Handlung

Blu (Jesse Eisenberg), der Ara mit dem blauen Federkleid, hat in Jewel (Anne Hathaway) die Liebe seines Lebens gefunden. Gemeinsam leben sie in Rio de Janeiro mit ihren drei Kindern und versuchen sich in Erziehungsfragen zu einigen. Denn Blu kann und will seine menschlichen Eigenschaften nicht verbergen, während Jewel den Kindern beibringen möchte, wie man auch ohne technische Hilfsmittel überleben kann. Als die Familie dann im Fernsehen sieht, wie Blus altes Frauchen (Leslie Mann) über weitere Artgenossen berichtet, macht sich die Familienbande auf den Weg zum Amazonas. Dort angekommen treffen sie tatsächlich auf weitere Blau-Aras, die ausgerechnet von Jewels Vater Eduardo (Andy Garcia) angeführt werden. So muss sich Blu nicht nur mit seinem störrischen Schwiegervater auseinandersetzen, sondern auch noch gegen die anrückenden Menschen zur Wehr setzen, die den gesamten Wald abholzen wollen.

Kritik

Bei dem großen Erfolg von Rio war es mehr als klar, dass eine Fortsetzung nicht lange auf sich warten lassen wird. Wie so oft haben sich die Macher von Rio 2 – Dschungelfieber bei dem Sequel leider auf eine simple Formel verlassen: Mehr. Alles ist größer, bunter und lauter als im ersten Teil. Dadurch leidet die Qualität der Fortsetzung ungemein.

Rio 2 - Dschungelfieber (2014) Filmbild 1Ein Fehler der Autoren ist ganz klar, dass zu viele Handlungsstränge in die Laufzeit des Films gepresst wurden. Blu und Jewel ziehen ihre Kinder groß, während sie ihren ersten gemeinsamen Familienurlaub in Angriff nehmen. Blus Erzfeind Nigel mit verliebtem Giftfrosch am Hals und Ameisenbär als universal einsetzbares Reittier trachtet nach seinem Leben. Blus Freunde suchen im Amazonas nach neuen Popstars und die Papageienfamilie trifft auf Jewels Vater Eduardo und seinen naturverbundenen Schwarm Blau-Aras, in dem auch der eingebildete Schönling Roberto lebt, der Jewel für sich gewinnen will. Dann gibt es da noch den Schwarm der roten Papageien, die sozusagen „nebenan“ im Wald wohnen und derzeit nur einen nach klaren Richtlinien definierten Nicht-Angriffspakt mit Eduardos Vögeln einhalten. Hinzu kommt noch, dass Blus ehemaliges Frauchen Linda mitsamt ihrem Gatten in die Hände skrupelloser Ökö-Verbrecher gerät, die zufälligerweise genau den Wald abholzen wollen, in dem sich Blu gerade gegenüber seinem Schwiegervater beweisen möchte.

Allein diese kurze Zusammenfassung der Handlungsstränge wirkt schon einigermaßen verwirrend. Ein Zustand, der sich in der visuellen Umsetzung des Ganzen leider nicht ändert. Gerade für Kinder wird es schwierig werden, den gesamten Umfang der Geschichte zu erfassen und verstehen. Denn hier und da wird natürlich auch der moralische Flügel geschwungen, zum Beispiel bei der Kritik an der heutigen Sucht nach technischen Hilfsmitteln oder dem bewussten Umgang mit der Natur. Eine detailliertere Ausarbeitung dieser Themen hätte dem Film wesentlich besser getan als die enorme Flut an bunten Bildern, die viel zeigen ohne viel zu sagen.

Rio 2 - Dschungelfieber (2014) Filmbild 2Animationstechnisch kann man dem Film keinerlei Vorwürfe machen, alles ist zeitgerecht und sieht verdammt gut aus. Nur leider passiert eben in den meisten Szenen zu viel, um sich auf schöne Details zu konzentrieren. Eine im positiven Sinne herausstechende Szene ist der große Kampf zwischen blauen und roten Papageien, der sich nach anfänglichen Vermutungen als eine Art Fußballspiel in der Luft herausstellt. Auch dieses ist zwar hektisch, aber trotzdem ist die Idee gut umgesetzt worden. Ebenso toll, weil sehr witzig, stellt sich die Amazonas-Castingshow von Pedro und Nico heraus. Hier werden in kurzen Szenen viele Dschungelbewohner gezeigt, die ihr musikalisches Talent zum Besten geben, mit den Capoeira-Schildkröten als besonders lustiges Highlight.

Wo wir gerade bei Lachern sind: trotz der hohen Gagdichte des Films, verpuffen viele dieser Witze im Nichts, da sie einfach nicht aufgehen wollen. Nichtsdestotrotz hat man hier und da etwas zu lachen, so dass Rio 2 keineswegs zu einem Trauerspiel verkommt.

Die Charaktere sind allesamt klischeebeladen und sorgen auf keiner Ebene für Überraschungen. Gleichermaßen verhält es sich mit der Geschichte, die im Großen und Ganzen vorhersehbar vor sich hin dümpelt. Selbst die Musik kann den Film nicht sonderlich nach oben heben. Die entsprechenden musikalischen Szenen wirken nicht wie aus einem Guss, sondern eher wie einzeln erarbeitet und dann einfach zusammengeschmissen. Hier und da gibt es eine Ausnahme, aber von den ganzen Liedern bleibt eigentlich keines so richtig im Ohr.

Fazit

Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen. Rio 2 wirkt in fast allen Belangen überladen und büßt daher viele Punkte in Sachen Story und Charakterzeichnung ein. Kinder werden zwar ihren Spaß an den bunten, toll animierten Bildern und lustigen Charakteren haben, doch im Gedächtnis werden davon nur die wenigsten bleiben.

Trailer