Power Rangers, USA 2017 • 124 Min • Regie: Dean Israelite • Mit: Dacre Montgomery, RJ Cyler, Naomi Scott, Ludi Lin, Becky G, Elizabeth Banks, Bryan Cranston • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 23.03.2017 • Deutsche Website

Handlung

Sportskanone Jason (Dacre Montgomery), Cheerleaderin Kimberly (Naomi Scott), autistischer Außenseiter Billy (RJ Cyler), Draufgänger Zack (Ludi Lin) und das neue Mädchen Trini (Becky G) gehen auf die gleiche Highschool im verschlafenen Nest Angel Grove, könnten aber augenscheinlich kaum unterschiedlicher sein. Sie verbindet jedoch eine gewisse Unangepasstheit an die Außenwelt und ihre Mitmenschen. Zufall (und Billys unbändige Neugier) bringt alle fünf eines Tages in einer alten Mine zusammen, in der sie etwas entdecken, das ihre Leben für immer verändern wird. Nach dem Fund von fünf seltsamen, in unterschiedlichen Farben glühenden Münzen wacht das Quintett am nächsten Tag plötzlich mit ungeahnten Superkräften auf. Auf der Suche nach einer Erklärung kehren sie zur Mine zurück, und was sie dort finden, übersteigt ihre Vorstellungskraft. In einem uralten Raumschiff klärt sie der Außerirdische Zordon (Bryan Cranston), dessen Geist innerhalb der Systeme des Raumschiffs existiert, darüber auf, dass sie fortan die Power Rangers sind, auserwählte Krieger, die die Welt vor bösen Mächten beschützen sollen. Zordon selbst war einst der Rote Ranger und Anführer eines Power-Rangers-Teams, der sein Leben opferte, um die machtbesessene Weltraumhexe Rita Repulsa (Elizabeth Banks) aufzuhalten. Nun ist aber auch sie zum neuen Leben erwacht und strebt nur ein Ziel an: Herrschaft über alles Leben. In kürzester Zeit müssen die frischgebackenen Power Rangers lernen, als Team zusammenzuarbeiten, denn nur dann können sie in ihre Kampfanzüge morphen und damit ihr ganzes Potenzial freisetzen.

Kritik

Power Rangers (2017) Filmbild 1Man nehme Kampsszenen aus einer japanischen Serie, in der fünf kostümierte, etwas lächerlich aussehende Superhelden gegen Gummimonster kämpfen und inszeniere als Rahmenhandlung eine Highschool-Geschichte mit fünf Protagonisten, die die Multikulturalität der US-amerikanischen Gesellschaft widerspiegeln und die, wenn sie nicht gerade als Auserwählte einer außerirdischen Macht die Welt retten, sich mit typischen Teenager-Problemen herumschlagen. Das war das Rezept von „Power Rangers“, einer TV-Serie, die 1993 an den Start ging und den meisten Endzwanzigern und Anfang-Dreißigern von heute noch als Kindheitserinnerung präsent sein sollte. Weniger bekannt ist vielleicht, dass die Produktion von diversen „Power Rangers“-Serien seitdem nie aufgehört hat und bis heute andauert, doch den Höhepunkt ihrer Popularität erreichten die bunten Weltraum-Ninjas zweifelsohne Mitte der Neunziger. Da Hollywood aktuell auf einer Nostalgie-Erfolgswelle surft und bereits die Ninja Turtles in die Kinos zurückholte, war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis auch die Power Rangers in neuer Aufmachung die Leinwände erobern würden. Dass die Originalserie rückblickend schon recht trashig und albern war, sollte natürlich kein Hindernis sein. Schließlich kommt dieses Jahr auch „Baywatch“, die Adaption der kultigen Trashserie schlechthin, in die Kinos. Doch während man sich bei der Verfilmung von „Baywatch“ wie zuvor schon bei 21 Jump Street in weiser Voraussicht für einen selbstironischen Ansatz entschieden hat, der sich zumindest beim letzteren bereits bewährte, wählten die Macher des Power-Rangers-Kinofilms eine andere Herangehensweise an die Vorlage: nüchtern, hip und bierernst. Das Ergebnis ist ein Film, der trotz oder gerade wegen seiner guten Vorsätze in einer schweren Identitätskrise steckt.

Power Rangers (2017) Filmbild 2Einerseits versucht der Film mit dem Best-Of aus der Originalserie alle Zuschauer zu beschwichtigen, die mit ihr aufgewachsen sind. Das Grundmuster der Serie wird eingehalten (grundverschiedene Jugendliche wachsen als Team zusammen und kämpfen unter der Anleitung ihres weisen Mentors gegen böse Monster) und es gibt zahlreiche Verweise und Referenzen zur Vorlage. So wird beispielsweise der große Showdown im Film – in einem Fall von eklatantem Fanservice – mit dem Einspielen von „Go Go Power Rangers“ eingeleitet. Doch genau so abrupt wie er erklingt, verstummt auch der Titelsong der Serie, als ob den Machern die plötzliche Rückbesinnung auf ihre ultrakitschigen Wurzeln peinlich wäre. Diese Power Rangers sollen ja eigentlich seriöser und bodenständiger sein, Identifikationsfiguren für heutige Jugendliche, die seit Jahren bereits mit Superheldenfilmen und -serien der Marken Marvel und DC sozialisiert werden. Da ist eigentlich kein Platz mehr für quietschbunte Ninja-Helden in albernen Gummianzügen, die gegen absurd aussehende Bösewichte kämpfen. Daher sind die neuen Power-Rangers-Kampfanzüge auch schnittiger, deren Farben etwas matter, das Design Iron Mans Montur nicht unähnlich und der Morphing-Effekt erinnert an Mystiques Verwandlungen aus den X-Men-Filmen. Die Handlanger von Rita Repulsa sehen ein wenig aus wie die Steinriesen aus Darren Aronofskys Noah und ihr Elitekrieger Goldar wurde zu einem gigantischen Monster aus geschmolzenem Gold überarbeitet. Doch der Film stößt in seinen Bemühungen um Ernsthaftigkeit an seine Grenzen, wenn weiterhin Ausrufe wie „It’s Morphin Time!“ fallen, von Megazords und Zeo-Kristallen die Rede ist oder Elizabeth Banks als Rita Repulsa in einem Juweliergeschäft genüsslich Goldkettchen verspeist. Mit ihrem zügellos aufgedrehten, verrückt-verführerischem Auftritt scheint Banks in einem anderen Film mitzuwirken und deutlich mehr Spaß zu haben als der Rest der Besetzung. Sie weiß trifft perfekt den Ton der albernen Vorlage und erinnert einen daran, wie sträflich unterfordert sie in Hollywood häufig ist, sodass sie ausgerechnet in der Schurkenrolle in einem Power-Rangers-Film endlich wieder glänzen darf.

Power Rangers (2017) Filmbild 3Die Verwirrung des Films hinsichtlich seines eigenen Tons und seines Zielpublikums beginnt bereits in einer der ersten Szenen, in der ein Jugendlicher erzählt, dass er versehentlich einem Stier einen runtergeholt hat. Es bleibt leider auch nicht der einzige Masturbationswitz des Films, in dem aber später auch das Versenden von Nacktbildern als Racheakt ausführlich thematisiert wird. Was nach der Nebenhandlung einer The-CW-Teenie-Serie klingt, soll die Figur von Kimberly (alias der Pinke Ranger) interessanter und komplexer gestalten, fällt jedoch, wie auch im Falle der anderen vier Rangers, flach. Wie vieles Andere in diesem Film, scheinen die fünf Helden von einem Komitee nach einer Checkliste zusammengestellt worden zu sein, um möglichst vielfältig, modern, multikulturell und ansprechend zu wirken. Nicht falsch verstehen, es ist wichtig und gut, wenn möglichst viele Kulturen in Filmen repräsentiert werden, doch hier hat dies den Beigeschmack eines berechnenden Kalküls, insbesondere da Zordons Roboter-Assistent Alpha 5 in einer Szene sogar explizit auf die „verschiedenfarbenen Kids“ hinweist, falls dies den Zuschauern entgangen sein sollte. Die Vielfalt wird endgültig dadurch unterminiert, dass die Führung des Teams, zu dem ein Asiate, ein Afroamerikaner und zwei Frauen gehören, natürlich der blonde, blauäugige, beliebte Football-Star der Truppe übernimmt. Halbe Sachen macht der Film auch bei der Figur von Trini, dem Gelben Ranger, hier von der Sängerin Becky G als eine mexikanischstämmige Amerikanerin verkörpert. Sie ist möglicherweise lesbisch, was durchaus fortschrittlich wäre, wenn der Film diesen Aspekt nicht so vage und schnell abgehandelt hätte. Genug, um sich damit zu rühmen, aber nicht deutlich genug, um konservative Kinogänger zu verärgern.

Die fünf Hauptdarsteller sind dabei nicht unsympathisch und hätten bei einem besseren Drehbuch und mehr als schemenhafter Figurenentwicklung, ein gutes Team darstellen können, denn Anflüge von Chemie sind in ihren Interaktionen außerhalb der Trainingssequenzen zu spüren. RJ Cyler, der vorletztes Jahr im Sundance-Gewinner Ich, Earl und das Mädchen überzeugte, holt als schräger und liebenswürdiger Nerd das meiste aus seinem Charakter raus, während Dacre Montgomerys Jason, der Rote Ranger und eigentlicher Hauptcharakter des Films, kurioserweise besonders blass und ohne Ecken und Kanten bleibt.

Power Rangers (2017) Filmbild 4Über weite Strecken des Films scheint dessen klares Vorbild der Found Footage-Superheldenfilm Chronicle zu sein, der bereits den Debütfilm des Regisseurs Dean Israelite, Project Almanac, maßgeblich beeinflusste. Wir folgen lange den jungen Protagonisten, erfahren mehr über ihre (leider eher uninteressanten) privaten Probleme und sehen zu, wie sie ihre Kräfte langsam entdecken und erforschen. In diesen Momenten macht der Film tatsächlich am meisten Spaß. Wer jedoch Chronicles bodenständige, unaufgeregte Art zu schätzen wusste und diese zunächst auch in Power Rangers wiederfindet, wird sich an dem holprigen Übergang zum bombastischen CGI-Spektakel im Finale des Films stören. Es ist als wäre Chronicle plötzlich mit einer großen Actionszene aus The Avengers geendet – beide an und für sich gute Filme, die jedoch einfach nicht zusammengehören. Wer jedoch in Power Rangers hauptsächlich mit der Erwartung reingeht, endlich zu sehen, wie die Actionszenen der Originalserie aussehen, wenn man ihnen ein $100-Mio-Budget spendiert, wird erst nach über eineinhalb Stunden auf seine Kosten kommen. So lange dauert es nämlich, bis die Protagonisten endlich in ihre Anzüge morphen und in die einzige Actionszene des gesamten Films ziehen. Ironischerweise ist gerade das Finale der schwächste Teil des Films. Hektisch gefilmt und schnell geschnitten, erinnert die Action an die überlangen Showdowns aus Michael Bays Transformers-Filmen und wirkt bereits nach fünf Minuten eher ermüdend, denn aufregend. Erst überstrapaziert der Film der Geduld seiner Zuschauer, weil man die Rangers endlich in ihren Anzügen und kampfbereit sehen möchte, wenn es jedoch soweit ist, sehnt man sich schnell nach den ruhigeren Momenten des Films zurück.

Mit seinem extrem langen Aufbau der Helden, die erst im Finale zu solchen werden, erinnert Power Rangers leider an das katastrophale Fantastic-Four-Reboot von 2015, wenn auch deutlich kohärenter und unterhaltsamer. Das Problem ist, dass der Film an seinen Bemühungen scheitert, allen gerecht zu werden, und letztlich wie ein überlanger, seltsam zusammengeschnittener Trailer für ein Franchise wirkt, das langfristig vor allem die Verkäufe von Power-Rangers-Merchandise wieder ankurbeln und Schleichwerbung mit der Subtilität eines Las-Vegas-Casinos unterbringen soll.

Fazit

Wohlwollend kann man sagen, dass sich die Macher von Power Rangers darum bemüht haben, sowohl den Ansprüchen der heutigen Generation von Kinogängern als auch der Nostalgie der Fans der Originalserie gerecht zu werden. Leider finden sie keinen Weg, die beiden Ambitionen nahtlos miteinander zu verknüpfen. Der Film hat immer wieder gute Momente, wirkt jedoch uneinheitlich und wie nach einer Checkliste zusammengestellt. Immerhin bereitet Elizabeth Banks’ schurkische Performance großen Spaß.

Trailer