Angefangen hat unsere kleine Reise durch die Pixar-Filmografie in der letzten Woche (hier) bei dem wirklich ganz schönen Merida und endete damit, dass Spielzeuge Kraft aus Buddys Null-Punkt-Energie in Die Unglaublichen zogen. Das kann natürlich nur eins heißen…

Toy Story
1995

Pixar Theory Toy Story

„Spielzeuge entwerfen ein Regelsystem und lernen, dass die Liebe eines Menschen eine weitere Energiequelle ist, aus der sie Kraft ziehen können.“

Toy Story atmet jede einzelne Sekunde Kinderzimmerluft. Ob man sich dadurch nun nostalgisch an seine eigene Kindheit erinnern mag oder das kunterbunte Spielzeug-Chaos einfach nur genießt – diesem liebevollen Spaß kann sich womöglich keiner entziehen. Denn der allererste Pixar-Film hat das Herz einfach am richtigen Fleck und konnte mich auch bei der zigsten Sichtung noch immer so begeistern wie beim ersten Mal. Es ist vor allem die unschuldige Sicht, die wir durch die subjektive Erzählung wie aus Kinderaugen miterleben, und die Toy Story so magisch macht.

Mit den lebendig gewordenen Spielzeugen als Identifikationsfiguren steckt in Toy Story somit viel mehr als die plumpe Aussage, man solle seine Spielsachen gefälligst pflegen. Im Gegenteil: sie sind da, um benutzt zu werden. Ihre Hauptaufgabe ist es, wie Woody selbst im Film sagt, für Andy da zu sein. In diesem Sinne wird das Kindsein in all seinen Facetten zelebriert. Darüber hinaus sind Woody, Buzz und Co Vertreter für die kindlichen Gefühlslagen. Ängste, Freude, Wut und Eifersucht spiegeln sich in der Palette an umwerfenden Charakteren, die mal wieder die große Stärke von Pixar unterstreichen.

Rasant von Idee zu Idee springend, dabei aber nie im unübersichtlich oder anstrengend werdenden Chaos untergehend, strotzen viele Situationen nur so vor Kindheitsgeist. So werden Pflanzen zum undurchsichtigen Dickicht umfunktioniert, Pizza Planet als nahezu heilig-außerirdischer Ort dargestellt und im Nachbarsjungen Seth scheint sich das wahre Böse zu manifestieren. 20 Jahre ist es nun her, dass sich die Pixar Animation Studios mit Toy Story in die Geschichte der Animationsfilme einschrieben und ein Meisterwerk erschufen, und das nicht nur in seinem Genre. Eine bunte, kreative Spaßbombe.

„Diese Spielzeuge finden heraus, was mit isolierten Spielzeugen passiert.“

Toy Story 2
1999

Pixar Theory Toy Story 2

„Die Spielzeuge finden heraus, dass die Isolation für sie gefährlich ist.“

Ich liebe Pixar und habe einen großen Teil meiner Kindheit vor allem mit Toy Story und Die Monster AG verbracht. Nicht nur deswegen ist dies auch ein ganz persönlicher Rückblick für mich. Es ist bestimmt knapp zehn Jahre her gewesen, dass ich Toy Story 2 das letzte Mal gesehen habe, und für mich war Teil 1 für immer und ewig auf dem goldenen Pixar-Thron festgesetzt. Die Fortsetzung hingegen hatte ich immer nur als durchschnittlich in Erinnerung. So war ich der festen Überzeugung, Pixar habe schon im Jahr 1995 ihr Opus magnum erschaffen. So kann man sich irren. Toy Story 2 ist nämlich noch besser!

Diese drastische Meinungsänderung gegenüber dem zweiten Teil begründet sich jedoch nicht ausschließlich durch mein zugenommenes Alter. Toy Story 2 ist zwar düsterer als der quietschbunte Vorgänger, und deutlich mehr daran interessiert, seinen Charakteren Tiefe zu geben, dem weiterhin charmanten Spielzeugspaß schadet das aber keinesfalls – im Gegenteil sogar. Denn wenn sich unsere Helden in einem Spielzeugladen wiederfinden, darf sich Pixar mal so richtig austoben und auch darüber hinaus glänzt das vor Detailverliebtheit strotzende Fast-Chaos durch spektakuläre Action. Zudem ist Toy Story 2 mit Sicherheit der witzigste Film in dieser Retrospektive und wird sich auch nach den kommenden zehn Filmen höchstwahrscheinlich zur Humor-Elite dazuzählen dürfen.

Wie bereits gesagt, ist John Lasseter diesmal auch um einiges mehr an den Charakteren selbst interessiert. Ängste, Hoffnungen und Träume werden hier in teils albtraumhaften Visionen oder herzergreifenden Flashbacks offen gelegt. Mit seinen ernsteren Tönen können Zuschauer außerhalb der Zielgruppe (wenn es die bei Pixar denn geben sollte) darüber hinaus ein cleveres Spielzeug-Drama um Existenzängste und einen weitergeführten Diskurs über den Nutzen von Spielzeugen genießen und sich an süßen Star-Wars-Referenzen erfreuen.

„Missgunst gegenüber Menschen wird neben Spielzeugen auch von Tieren getragen.“

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In der nächsten Woche geht es dann um die Missgunst von Fischen gegenüber Menschen in Findet Nemo und die von Ratten in Ratatouille.

Bisherige Ausgaben:

Pixar Theory #1: Merida & Die Unglaublichen