Im letzten Teil unserer Retrospektive ging es mit Findet Nemo auf eine Reise durch den Ozean und mit Ratatouille auf kulinarische Entdeckungstour in Paris. Diesmal geht es im großen Toy-Story-Finale vom Kinderzimmer in den Kindergarten und in Oben weit über die Wolken hinaus. Das ein oder andere Tränchen bleibt dabei nicht aus.

Toy Story 3
2010Pixar Theory Toy Story 3 Foto

Drei Jahre später haben Spielzeuge schon eine Menge durchgemacht.

Toy Story 3 ist ganz anders und doch gleich. Vom Charme und der Leichtigkeit seiner Vorgänger hat er nichts verloren. Es ist immer noch ein Riesenspaß der Spielzeug-Gang zuzuschauen und doch ist der Film längst nicht mehr so bunt wie seine Vorgänger. Toy Story 3 ist ernster, düsterer, erwachsener. Man kann im Grunde sagen, dass die Reihe mit Andy gewachsen ist. Dieser ist nun kurz, davor aufs College zu gehen, das Schicksal der Spielzeuge dadurch ungewiss. Durch ein Missverständnis landen sie im Kindergarten „Sunnyside“, der unter der Kontrolle des Teddybären Lotso und seiner gemeinen Truppe steht. Als Antagonist hängt er Stinky Pete (Toy Story 2) zwar meilenweit ab, an dessen Gruselfaktor reicht er trotzdem nicht heran. Dafür kriegt der nach Erdbeeren duftende Bär ordentlich Hintergrund spendiert, der in einer unglaublich starken Szene abgehandelt wird. Seine Motivationen sind dadurch nachvollziehbar und machen ihn unberechenbar. Vor allem seine Präsenz lässt den Kindergarten noch mehr wie ein Gefängnis wirken.

Regisseur Lee Unkrich, der das Franchise mit dem dritten Teil übernommen hat, ist natürlich immer darauf bedacht, den kindlichen Kern nicht zu vernachlässigen. Man hat also immer noch komplett überdrehte, bunte Szenen und viele Einfälle, an denen sich vor allem die Kleinen erfreuen können. Doch obwohl ich mein Herz immer noch mehr dem Vorgänger schenke, muss ich eingestehen, dass im zweiten Sequel viel mehr steckt. Wer hätte gedacht, dass ein Drama um die Verlust- und Existenzängste von Spielzeugen so herzzerreißend sein kann. Und zwar so sehr, dass einem auch mal die Tränen kommen können, wenn Andy sich von seinen alten Wegbegleitern verabschieden muss.

Oben
2011-2016Pixar Theory Toy Story 3 Oben Foto

Carl muss sein Haus wegen einer Firma aufgeben, die die Stadt expandieren lassen wollen. Diese ist dafür mitverantwortlich, dass die Umweltverschmutzung zunimmt, wodurch das Leben in naher Zukunft ausgelöscht wird. Außerdem findet Carl heraus, dass Tiere mit Menschen kommunizieren können.

Die Hälfte ist nun rum und wir sind nach Legenden, Superhelden, Kreativbomben, sprechenden Tieren und Spielzeug-Dramen nun beim (ironischerweise) bodenständigsten aller bisher erschienen Pixar-Filme angelangt. Das heißt natürlich nichts, denn auch dieser Film hat verrückte Ideen und sträubt sich gegen einige physikalische Gesetzte, aber hauptsächlich ist Oben ein gefühlvolles Drama. In dessen Mittelpunkt steht Carl Fredricksen, dessen herzzerreißende Liebesgeschichte im Prolog des Films in einer wunderschönen Montage zusammengefasst und vom melancholischen Score untermalt wird. Seine Frau stirbt und Carl verwandelt sich ungewollt in einen grummeligen alten Mann. Als er sich auf den Weg macht, dem Traum seiner geliebten Ellie nachzugehen, nimmt er durch ein Versehen den kleinen Russell mit auf die Reise in dem fliegenden Haus. Eine Reise, die schöner nicht eingefangen hätte werden können.

Oben ist der wahrscheinlich bestaussehendste Pixar-Film und auch der feinfühligste. Der Charakterentwicklung Carls wird sich sehr liebevoll gewidmet. Das Loslassen im Guten von alten Zeiten und das Annehmen neuer Abenteuer entwickelt sich zum zentralen Thema des Films. „That might sound boring, but I think the boring stuff is the stuff I remember the most“, sagt Russell an einer Stelle des Films und fasst damit zusammen, was Carl realisieren muss, um nach vorne blicken zu können. Somit ist Oben eine Ode an die kleinen Momente im Leben, die die großen Lebensgeschichten ausmachen. Ein bisschen Pixar-Spaß noch Oben drauf: sprechende Hunde und ein riesiger Vogel namens Kevin sorgen neben Russell für einen Heidenspaß.

Jahre später beginnt der Aufstand von Tieren. Wer hat diesen Krieg wohl gewonnen?

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Das erfahrt Ihr natürlich im nächsten Teil. Schwer zu erraten ist es aber nicht, wenn wir Euch sagen, dass es das nächste Mal um die beiden Cars-Filme gehen wird.

Bisherige Ausgaben:

Pixar Theory #1: Merida & Die Unglaublichen
Pixar Theory #2: Toy Story & Toy Story 2
Pixar Theory #2: Findet Nemo & Ratatouille