Painless (2012)

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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Insensibles, E/F/P 2012 • 100 Min • Regie: Juan Carlos Medina • Drehbuch: Juan Carlos Medina & Luiso Berdejo • Mit: Irene Montalà, Derek de Lint, Àlex Brendemühl, Juan Diego, Félix Gómez • Kamera: Alejandro Martínez • Musik: Johan Söderqvist FSK: ab 16 Jahren • Verleih: Senator Film DVD-Start: 10.05.2013

Inhalt

Zur Zeit des spanischen Bürgerkrieges machen die Bewohner Kataloniens eine erschreckende Entdeckung: Eine Gruppe von Kindern weilt unter ihnen, die ohne physisches Schmerzempfinden geboren wurde. Zum Schutz vor sich selbst und vor den Mitmenschen, werden diese Kinder kollektiv in eine spezielle Einrichtung gesperrt. Jahre später läuft für den glücklich verheirateten Neurochirurgen David Martel (Àlex Brendemühl) scheinbar alles gut. Doch als durch einen Autounfall seine Frau stirbt und bei den Folgeuntersuchungen Krebs bei David festgestellt wird, beginnt für ihn eine emotionale Reise. Er benötigt eine Knochenmarkspende, die er nur von seinen Eltern erhalten kann. Diese beichten ihm jedoch, dass sie gar nicht seine biologischen Eltern sind und so als Spender nicht in Frage kommen. Mit wenigen Hinweisen macht sich David nun auf die Suche nach seiner letzten Chance auf eine Heilung: Seine wahren Erzeuger …

Kritik

Painless 2Was Regisseur Juan Carlos Medina hier inszeniert hat, geht sowohl den Protagonisten, als auch dem Zuschauer unter die Haut. Geschickt verbindet er zwei verschiedene Erzählstränge, die erst gegen Ende des Films komplett zueinander finden. Den Hauptteil bildet die Geschichte um die Kinder mit der besagten, außergewöhnlichen Fähigkeit. Zu Beginn wird bereits klar, dass diese gar nicht so genau um ihre Besonderheit wissen. Als eines der Mädchen ein anderes dazu anstiftet, sich doch auch in Brand zu stecken, da das ja überhaupt nicht schmerzhaft sei, bekommt der Zuschauer aus dem Off nur noch die erschütternden Schreie des ungewollten Opfers mit. Bevor die Kinder endgültig verbannt werden, wird noch eine Schattenseite ihrer passiven Fähigkeit diagnostiziert: Sie sind nicht in der Lage, körpereigene Tränenflüssigkeit zu produzieren, was in einigen Fällen zur Blindheit führt. Warum diese Kinder so geboren wurden, wird im Film nicht geklärt. Das mag auf der einen Seite zwar schade sein, auf der anderen Seite ist es aber kein wahres Manko und man kann den Film auch ohne eine detaillierte Aufklärung bestaunen.

Im weiteren Verlauf der Geschichte werden die Kinder vom jüdischen Arzt Dr. Holzmann (Derek de Lint), der aus Deutschland geflohen ist, untersucht und unterrichtet. Sein Ziel ist es, die Kinder wieder in die Gesellschaft zu integrieren, indem er ihnen zeigt, wann und wie normale Menschen Schmerz empfinden und wie man „angemessen“ darauf reagiert. Der Focus bei den Kindern liegt hier bei dem kleinen Benigno (Ilias Stothart), der in seiner Leidensgenossin Ines (Liah O’Prey) eine gute Freundin gefunden hat. Während die beiden während des Unterrichts Spaß daran finden, sich die Fingernägel auszureißen, übertragt sich das dargestellte Greuel direkt auf den Zuschauer, da diese eben ziemlich genau wissen, wie schmerzhaft so etwas sein kann.

Painless 4Die zweite Geschichte, die die emotionale Reise des Arztes David Martel umfasst, versteht nicht gänzlich zu involvieren: Es fällt schwer, Zugang zu dieser Person zu bekommen und richtig mit ihr zu leiden. Erst als seine Eltern ins Spiel gebracht werden, versteht man einigermaßen, warum David kein Mann großer Worte ist – diese Charaktereigenschaft hat er sich wohl von seinem Vater abgeschaut. Die Eltern beichten ihrem Sohn, dass er nicht das leibliche Kind der beiden ist, und setzen damit den Startpunkt für Davids eigentliche Odyssee. Während er einigen mageren Hinweisen folgt, die er von seiner Mutter auf den Weg bekommt, wird dem Zuschauer langsam klar, wie diese beiden Geschichten eigentlich zusammenhängen: Davids Adoptivvater war zur Zeit seiner Geburt in genau der Anstalt tätig, in der damals die Kinder festgehalten wurden. Der Protagonist sucht nun die Puzzleteile, die ihn zur Identität seines wahren Vaters führen, und der Zuschauer erfährt nach und nach, was mit Benigno und den anderen Kindern geschehen ist. Die große Frage, deren Antwort leider relativ schnell auf der Hand liegt, ist: Wer ist eigentlich Davids Vater? Diese Frage ist allerdings auch doppeldeutig zu verstehen, da neben der Identität des leiblichen Vaters auch für David nicht klar ist, was genau sein Adoptivvater in der Anstalt gemacht hat, und warum dieser darüber in keinster Weise reden möchte.

Painless 1Die Vernetzung der beiden Handlungsstränge ist zwar nicht wirklich innovativ ausgefallen, aber sie ist durchaus fesselnd inszeniert und lässt den Zuschauer so mitfiebern. Der Film kommt ohne große Effekthaschereien aus, es ist vielmehr den tollen Darstellerleistungen zu verdanken, dass die Emotionen direkt auf das Publikum überspringen. Besonders die verschiedenen Schauspieler, die Benigno in den drei Stadien seines Lebens verkörpern (Kind: Ilias Stothart, junger Mann: Tómas Lemarquis, Greis: Mot Harris Dunlop Stothart), schaffen es, ihn so darzustellen, dass er im Gesamtbild wie „aus einem Guss“ erscheint. Das Finale, in dem die Hauptfiguren beider Handlungen endlich aufeinander treffen, ist stark umgesetzt: Wortlos kommt es aus, und obwohl viel Feuer im Spiel ist, hat man weise darauf verzichtet, die Aktionen in einem wuchtigen Soundtrack zu ertränken oder durch rasante Schnitte zu zerstückeln. Die Auflösung ist zwar letztlich zufriedenstellend, lässt aber auch viele Fragen in der Geschichte Beningos offen. Wenn man nicht auf jede dieser Fragen verbissen eine Antwort haben möchte, ist der Film ein wahres Highlight und verdient zu Recht die Genre-Einteilung Mystery.

Fazit

„Painless“ war ein Highlight der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights. Eine geschickte Erzählweise, interessante Figuren und eine fesselnde Geschichte bilden hier eine emotionale Achterbahnfahrt für Protagonisten und Zuschauer. Man sollte aber darauf gefasst sein, dass nicht jede Frage bis ins Detail geklärt wird.


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