Quelle: Writers Guild of America

Wir nähern uns der 88. Oscarverleihung, die kommenden Sonntag in Los Angeles stattfinden wird und im Gegensatz zu dem letzten Jahren, in denen Filme wie Birdman, 12 Years a Slave, Argo, The Artist oder The King’s Speech das Oscar-Rennen dominiert haben und noch vor der eigentlichen Verleihung als alleinige Favoriten galten, ist das Gesamtbild dieses Jahr sehr uneinheitlich. Bestimmt wird dieses Bild im Vorfeld von den Auszeichnungen der vier großen Industriegewerkschaften (Writers Guild of America, Producers Guild of America, Screen Actors Guild und Directors Guild of America), den Golden Globes und den BAFTA Awards (britisches Pendant zu den Oscars).  Grob gesagt: je mehr Preise ein Film von diesen sechs Organisationen gewinnt, desto besser sind seine Chancen bei den Oscars. Insbesondere die Kombination aus den Preisen der Regiegewerkschaft DGA, der Produzentengewerkschaft PGA und der Schauspielergewerkschaft SAG gilt eigentlich als unschlagbar, wenn es um den „Bester Film“-Oscar geht. Birdman, The King’s Speech und Argo triumphierten in allen diesen drei Instanzen und gewannen später problemlos den Hauptpreis bei den Oscars.

Dieses Jahr gibt es jedoch keine Einigkeit im Oscar-Rennen. Während die Produzentengewerkschaft überraschend The Big Short auszeichnete, ging der Ensemble-Preis der Schauspielergewerkschaft an Spotlight. The Revenant gewann dafür bei der Regiegewerkschaft, den BAFTAs und den Golden Globes und sollte allein nominell als Favorit gelten. Was allerdings gegen die Oscarchancen des Films spricht, ist die Tatsache, dass er keine Ensemble-Nominierung von der Schauspielergewerkschaft erhielt und ohne diese hat kein Film seit 1996 bei den Oscars gewonnen. Außerdem wurde The Revenant weder von den Oscars noch von der Autorengewerkschaft für sein Drehbuch nominiert, was auch ein Hindernis sein könnte.

Die Autorengewerkschaft WGA verlieh derweil ihre jährlichen Auszeichnungen an die beiden Favoriten im Rennen um die Drehbuch-Oscars, Spotlight und The Big Short. Mit diesen Auszeichnungen bin ich persönlich überaus zufrieden, denn tatsächlich gehören die Drehbücher zu diesen beiden Filmen in ihren jeweiligen Kategorien zu den besten des vergangenen Jahres. Beide Filme haben jetzt jeweils einen weiteren wichtigen Sieg im Rennen gegen The Revenant vorzuweisen. Es bleibt also beim Dreier-Rennen um den „Bester Film“-Oscar. Auf jeden Fall sollten Spotlight und The Big Short ihre Drehbuch-Triumphe auch bei den Oscars wiederholen.

Unten findet Ihr alle Nominees (und Gewinner in grün) in den drei verschiedenen Drehbuch-Kategorien der US-Autorengewerkschaft. Dazu sollte man jedoch wissen, dass im Gegensatz zu den anderen drei großen Industrie-Gewerkschaften (SAG, DGA, PGA) die Writers Guild of America ein eigenwilliges System hat, das viele Drehbücher von vorneherein für unzulässig erklärt, sodass sie gar keine Chance auf eine Nominierung haben. Begründet wird das in der Regel dadurch, dass die Autoren keine Mitglieder der Gewerkschaft sind. Betroffen waren dieses Jahr u. a. die Drehbücher zu Pixars Alles steht Kopf, Alex Garlands Ex Machina, Nick Hornbys Brooklyn und Emma Donoghues Raum, die bei den Oscars allesamt für ihre Drehbücher nominiert wurden.

Bestes Originaldrehbuch

Matt Charman und Joel & Ethan Coen (Bridge of Spies – Der Unterhändler)
Taylor Sheridan (Sicario)
Josh Singer & Tom McCarthy (Spotlight)
Jonathan Herman & Andrea Berloff (Straight Outta Compton)
Amy Schumer (Dating Queen)

Bestes adaptiertes Drehbuch

Charles Randolph & Adam McKay (The Big Short)
Phyllis Nagy (Carol)
Drew Goddard (Der Marsianer)
Aaron Sorkin (Steve Jobs)
John McNamara (Trumbo)

Bestes Drehbuch bei einem Dokumentarfilm

Robert Cohen (Being Canadian)
Alex Gibney (Going Clear: Scientology and the Prison of Belief)
Brett Morgen (Kurt Cobain: Montage of Heck)
Prophet’s Prey (Amy J. Berg)
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Auch im TV-Bereich vergab die WGA ihre Auszeichnungen. „Mad Men“ wurde als „Bestgeschrieben Dramaserie“ nun zum vierten Mal von der Autorengewerkschaft prämiert, mehr als jede andere Serie in der Geschichte dieser Preise. Bei den Comedyserien gewann „Veep“ (zum zweiten Mal). Unter neuen Serien ging die verdiente Auszeichnung an „Mr. Robot“. Unten findet Ihr alle Nominees und Gewinner (in grün) unter Serien:

Bestgeschriebene Dramaserie

„Mr. Robot“
„Mad Men“
„Better Call Saul“
„The Americans“
„Game of Thrones“

Bestgeschriebene Comedyserie

„Broad City“
„Silicon Valley“
„Transparent“
„Unbreakable Kimmy Schmidt“
„Veep“

Bestgeschriebene neue Serie

„Better Call Saul“
„Bloodline“
„Mr. Robot“
„Unbreakable Kimmy Schmidt“
„The Last Man on Earth“

Bestes Originaldrehbuch zu einer Miniserie oder zu einem TV-Film

„American Horror Story“
„Flesh and Bone“
„Sons of Liberty“
„Saints & Strangers“

Bestes adaptiertes Drehbuch zu einer Miniserie oder einem TV-Film

„Fargo“
„The Red Tent“
„Show Me a Hero“
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