Watchmen Serie

© Warner Bros. Pictures

Quelle: Variety

Alan Moores und Dave Gibbons' bahnbrechende Graphic Novel "Watchmen" feierte letztes Jahr ihr 30. Jubiläum und hat seit ihrer Veröffentlichung nichts von ihrem Reiz und ihrer Wirkung verloren. Es ist ein Werk wie kein anderes in der Comicwelt von Superhelden und war lange Zeit auch die beste Graphic Novel, die ich je das Vergnügen hatte zu lesen (bis ich endlich Art Spiegelmans Pulitzer-prämiertes Meisterwerk "Maus" las). Die erzählerische Komplexität, Tiefe, das Worldbuilding und die moralischen Dilemmata von "Watchmen" suchen ihresgleichen und machen jegliche Adaptionen der Graphic Novel in einem anderen Medium außerordentlich schwierig. Diverse Filmemacher scheiterten an der Verfilmung, darunter Terry Gilliam, der "Watchmen" für unverfilmbar deklarierte, und Darren Arnonofsky. Nach etwa 20 Jahren in Entwicklung, in denen das Projekt die Hände von diversen Studios, Drehbuchautoren und Regisseuren wechselte, brachten Zack Snyder und Warner Bros. Watchmen 2008 in die Kinos. Die Reaktion der Fans war erwartungsgemäß gespalten. Die einen liebten Snyders Treue an die kompromisslose, düstere Vision der Vorlage und seinen hochstilisierten, comichaften Look mit einem Einsatz an Zeitlupe, der sogar Michael Bay neidisch werden lässt, für die anderen schoss die Adaption an Alan Moores eigentlicher Intention vorbei und glorifizierte Gewalt und Selbstjustiz. Auf jeden Fal kann man sagen, dass Watchmen ein Comicfilm war, wie man ihn selten sieht und für mich ist er bis heute die beste Regiearbeit von Snyder.

"Watchmen" war von Moore und Gibbons schon immer als ein abgeschlossenes und für sich alleine stehendes Werk konzipiert, sodass insbesondere Moore jegliche Adaptionen oder Erweiterungen der Geschichte aufs Schärfste verurteilte. Das hielt DC Comics nicht davon ab, 2012 die Prequelreihe "Before Watchmen" mit insgesamt 37 Ausgaben zu publizieren. Und ja, sie waren genau so unnötig, wie man meinen würde.

Jetzt soll "Watchmen" ein weiteres Medium erobern. Variety berichtet, dass HBO mit der Entwicklung einer Fernsehserie, basierend auf der Graphic Novel begonnen hat und dass Damon Lindelof, dessen gefeierte Mysteryserie "The Leftovers" kürzlich bei HBO zu Ende ging und der außerdem als Co-Schöpfer von "Lost" bekannt ist, die Vorlage adaptieren soll. Falls sich bei jemandem ein kleines Déjà-Vu-Erlebnis einstellt – vor drei Jahren schon plante HBO eine "Watchmen"-TV-Serie, damals produziert von Zack Snyder. Der neuste Anlauf soll mit dem ersten Versuch nichts zu tun haben und Lindelof fängt wieder bei Null an.

Ich bin bei dieser Ankündigng sehr zwiegespalten. Einerseits denke ich, dass die serielle Form der Komplexität von "Watchmen" eher gerecht werden kann als ein Film. Außerdem hat HBO mit "Game of Thrones" und "Westworld" ein sehr gutes Händchen für ambitionierte, visuell eindrucksvolle und komplexe Serien bewiesen. Doch andererseits ist die Graphic Novel perfekt so wie sie ist und ich würde mir kein anderes Ende für jegliche Adaption wünschen. Eine Serie aus mehreren Staffeln wird zwangsläufig das Originalwerk ergänzen. Entweder werden die Geschichten aus "Before Watchmen" adaptiert oder der Plot wird über das Ende der Vorlage hinaus reichen. Beide Varianten finde ich nicht sonderlich ansprechend. Insofern würde sich  "Watchmen" vermutlich am besten als eine Miniserie aus sechs oder acht Episoden anbieten.