Überbezahlte Schauspieler 2015 Johnny Depp

Links: Johnny Depp in Mortdecai – Der Teilzeitgauner (2015) © Studiocanal
Rechts: Liam Neeson in Run All Night (2015) © Warner Bros. Pictures

Quelle: Forbes

Johnny Depp hat über die letzten 25 Jahre eine interessante Image-Wandlung in Hollywood hinter sich gebracht: vom Kultschauspieler zu einem der größten und zugkräftigsten Stars der Traumfabrik und nun zum regelrechten Kassengift. Das US-Finanzmagazin Forbes, das jährlich auch die Listen der Bestverdiener unter den Schauspielern und Schauspielerinnen zusammenstellt, hat in der neuen Ausgabe der Liste von Hollywoods überbezahltesten Schauspielern Johnny Depp als neue und konkurrenzlose Nummer 1 gewählt. Damit löst Depp nach zweijähriger Herrschaft Adam Sandler ab. Dieser taucht auf der Liste gar nicht mehr auf, was aber nicht daran liegt, dass er plötzlich weniger verdient und mehr Hits hatte, sondern lediglich daran, dass er nicht berücksichtigt wurde, weil er seit der letzten Liste im Erhebungszeitraum keinen neuen Film in die Kinos gebracht hat (Pixels startete erst kurze Zeit später).

Johnny Depp war letztes Jahr schon der zweitplatzierte Schauspieler auf der Liste, doch nun hat sich sein Standing noch deutlich verschlechtert. Gemessen wird das Ausmaß dessen, wie überbezahlt die Schauspieler sind, indem die  groben Profite von deren Filmen durch ihre Gehälter dividiert werden (eine fragwürdige Methode, aber mehr dazu später). Die Liste soll zeigen, wie viel der jeweilige Schauspieler für jeden Dollar einbringt, den er bezahlt wurde – und im Falle von Depp sind es lediglich $1,20. Sogar Sandler brachte für jeden Dollar, der für ihn ausgegeben wurde, mehr als drei Dollar ein, als er die Liste angeführt hat, doch Depp hatte in letzter Zeit einen Flop nach dem anderen gehabt.

Wer Depps Karriere in den letzten Jahren verfolgt hat, den wird die Platzierung vermutlich wenig überraschen. Er gehört weiterhin zu den bestbezahlten Mimen Hollywoods, doch abgesehen von der Pirates-Reihe ist er als Zugpferd längst keine sichere Nummer mehr. Überraschender ist dafür der zweitplatzierte Schauspieler, Denzel Washington, der seit Jahren als einer der zuverlässigsten Kassenmagnete Hollywoods gilt und einer der weniger Schauspieler ist, der für die Kinogänger tatsächlich häufig der Hauptgrund ist, seine Filme zu sehen. An seinem Beispiel merkt man die Probleme der Liste.

Weitere Plätze gingen u. a. an Liam Neeson, dessen neue Karriere als Actionstar recht kurzlebig war, den Comedian Will Ferrell, der außerhalb der USA immer noch keine wirkliche Fangemeinde aufbauen konnte und den einstigen König Hollywoods, Will Smith. Nicht mehr dabei sind dafür u. a. Sandra Bullock und Ben Stiller, die vergangenes Jahr noch auf der Liste vertreten waren. Genau genommen besteht die Top 10 mittlerweile ausschließlich aus Männern, was vermutlich vor allem auf die Ungleichheit der Gehälter von Schauspielerinnen und Schauspielern hindeutet.

Unten findet Ihr die komplette Liste der zehn überbezahlten Schauspieler laut Forbes, samt Angaben zum Verhältnis der Profite ihrer Filme zu ihren Gehältern:

 

1. Johnny Depp – $1,2 pro $1
2. Denzel Washington – $6,50 pro $1
3. Will Ferrell – $6,80 pro $1
4. Liam Neeson – $7,80 pro $1
5. Will Smith – $8,60 pro $1
6. Christian Bale – $9,20 pro $1
7. Channing Tatum – $10,80 pro $1
8. Brad Pitt – $12,00 pro $1
9. Ben Affleck – $12,30 pro $1
10. Tom Cruise – $13,60 pro $1

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Natürlich drängt sich nun die Frage auf, wie die Liste zustandegekommen ist. Die Methode, die Forbes erklärt, besteht daraus, dass die weltweiten Umsätze der letzten drei Filme der jeweiligen Schauspieler, die vor dem 1. Juli 2015 in die Kinos kamen, addiert werden und dann wird von dieser Summe das zusammengerechnete Budget der drei Filme abgezogen. Die Kriterien sind, dass die drei Filme nicht animiert sein dürfen, in mehr als 2000 Kinos in den USA gelaufen sein müssen und die Schauspieler in ihnen nicht nur eine kleine Nebenrolle gespielt haben müssen. Die verbleibende Summe wird dann durch die drei addierten Gehälter der Schauspieler dividiert und, voilà, da haben wir das Ergebnis.

Ich will nicht behaupten, dass es deutlich bessere Methoden gibt, eine solche Liste zu berechnen, doch diese erscheint recht unpräzise. Zum einen gibt es das Problem, dass die Marketingkosten der Filme, die sehr stark variieren können, nicht in die Berechnung der Budgets mit eingehen, während bei den Schauspielern nicht nur die direkten Gehälter miteinbezogen werden, sondern auch Einnahmen aus prozentueller Beteiligung an den Filmen. Es wird außerdem nicht berücksichtigt, dass die Studios vom US-Einspiel der Filme mehr zu sehen bekommen als vom internationalen Einspiel. Eine Gewichtung wird jedoch nicht vorgenommen.

Es gibt sicherlich kaum Zweifel, dass Johnny Depp tatsächlich an die Spitze der Liste gehört. Seit dem Megaerfolg von Pirates of the Caribbean, wird er regulär $15-20 Mio für seine Filme bezahlt und bei großen Blockbustern wie Lone Ranger oder Alice im Wunderland noch mehr. Seine letzten drei Filme (vor Black Mass) – Lone Ranger, Transcendence und Mortdecai – waren Riesenflops in den Kinos.

Auch bei Liam Neeson zeigt der Blick auf seine letzten drei Werke, dass er nicht mehr die Zugkraft hat, die er noch vor kurzer Zeit mit Non-Stop oder 96 Hours an den Tag legte. Während Taken 3 dieses Jahr noch ein Erfolg war, gingen Ruhet in Frieden und Run All Night an den Kinokassen unter.

Bei Denzel Washington dürften die Studios trotz seiner Platzierung auf der Liste, wenig Gründe haben, sich zu beschweren. The Equalizer, sein letzter Kinofilm, wurde mit mehr als $190 Mio Einspiel zu einem seiner weltweit größten Hits und Teil 2 ist bereits in der Mache. Auch Flight von Robert Zemeckis beeindruckte mit mehr als $160 Mio Einspiel und einem Budget von $31 Mio. Lediglich 2 Guns von seinen letzten drei Filmen enttäuschte angesichts der Besetzung, doch bei einem Budget von $61 Mio und einem weltweiten Einspiel von etwa $132 Mio war auch er kein großer Flop.

Ben Afflecks Platz auf der Liste ist vermutlich einzig und alleine auf den Flop Runner Runner zurückzuführen, der weltweit nur etwas über $60 Mio bei $30 Mio Budget eingenommen hat. Die anderen zwei seiner letzten drei Filme waren nämlich regelrechte Überflieger an den Kinokassen: Gone Girl ($369 Mio) und Argo ($232 Mio) bei Budgets von $61 Mio bzw. $45 Mio. Spätestens nach dem Release von Batman v. Superman: Dawn of Justice wird er die Liste aber (vorerst) verlassen.

Vielleicht kann auch Depp sich bald wieder etwas erholen, schließlich nahen bereits die Fortsetzungen zu Pirates of the Caribbean und Alice im Wunderland