Toni Erdmann Remake Jack Nicholson

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Quellen: The Hollywood Reporter, Variety

Hollywood und die Remakes – eine unendliche Geschichte. Feiert ein nicht-englischsprachiger Film international große Erfolge, riechen die Haie der Hollywood-Studios sofort Blut und stürzen sich auf die Remake-Rechte. Diesem Umstand wird (häufig auch zu Recht) seitens der Filmfans mit dem Vorwurf begegnet, dass die Amerikaner ja auch einfach die Originalfilme schauen könnten. Dazu sollte man jedoch stets im Kopf behalten, dass in den USA nicht-englischsprachige Filme in der Regel nicht synchronisiert werden, sondern lediglich im Originalton mit Untertiteln in den Kinos laufen (ein Traum für mich!). Wären Riesenhits wie Ziemlich beste Freunde oder Willkommen bei den Sch’tis hierzulande ausschließlich in der OmU-Fassung gelaufen, kann man sich dessen gewiss sein, dass ihre Zuschauerzahlen nicht annähernd so beeindruckend gewesen wären. Deshalb versuchen die Studios in den USA, Konzepte zu nutzen, die bereits funktionierten, und diese dem US-amerikanischen (und weltweiten) Publikum näherzubringen. Reinfälle wie New York Taxi, The Tourist oder Tödlicher Anruf bleiben leider nicht aus und wenn ich an die geplante Neuverfilmung von Ziemlich beste Freunde mit Kevin Hart in Omar Sys Rolle denke, stehen mir die Haare zu Berge.

Doch es gibt zum Glück auch positive Beispiele, wie David Finchers Verblendung oder Martin Scorseses Departed – Unter Feinden, die bereits guten Originalen noch einen draufsetzten oder neue Facetten abgewinnen konnten.

Deutsche Filme sind vom Remake-Wahn übrigens im Schnitt eher selten betroffen. Das liegt vermutlich daran, dass diverse international bekannte deutsche Filme sehr für Deutschland typische Themen behandeln (sprich die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts), sodass eine US-Version wenig Sinn ergeben würde.

Anders ist es jedoch beim letztjährigen Cannes-Lieblings und Arthouse-Hit Toni Erdmann. Die 162-minütige Tragikomödie, in der Peter Simonischek als zu Streichen und Späßen aufgelegter Alt-68er Winfried versucht, die Beziehung zu seiner Tochter (Sandra Hüller), einer No-Nonsense-Workaholikerin, aufzubauen, sorgte nicht nur in Cannes für stürmische Begeisterung, sondern gehört auch in Nordamerika zu den bestrezensierten Filmen des vergangenen Jahres. Toni Erdmann wurde kürzlich für den Oscar als "Bester fremdsprachiger Film" und gilt als Favorit für den Sieg. Dieser Film kommt gänzlich ohne Auseinandersetzung mit der Nazi- oder DDR-Zeit aus, was für international erfolgreiche deutsche Filme eine Seltenheit ist und ihn aber deshalb zu einem leichteren Remake-Kandidaten macht. Dieses lässt wirklich nicht lange auf sich warten. Wie die Branchenblätter Variety und The Hollywood Reporter berichten, hat sich Paramount Pictures die Remake-Rechte an Toni Erdmann gesichert.

Jetzt kommt natürlich das große Aufstöhnen, doch man sollte nicht voreilig urteilen. Denn der Name, der hinter diesem Remake steht, gehört zu den ganz Großen der Filmindustrie. Der 79-jährige dreifache Oscarpreisträger Jack Nicholson, der seit über sechs Jahren keinen Film mehr gemacht hat und den viele im endgültigen Ruhestand glaubten, wird die Hauptrolle im Remake übernehmen. Nicht nur das, sondern es war scheinbar auch seine eigene Idee, den Film neu zu verfilmen. Mit dieser trat er als begeisterter Fan des Originalfilms an Paramount heran und wenn Nicholson vorschlägt, aus dem Ruhestand für einen neuen Film zurückzukehren, sagt man nicht nein! Nichts gegen Simonischek, der im Film eine tolle Performance abgeliefert hat, doch Nicholson ist eine Klasse für sich und eine so vielschichtige Rolle wie die von Winfried könnte ihm vielleicht gar seinen vierten Oscar einbringen, womit er mit Katherine Hepburns Rekord gleichziehen würde.

Die Rolle seiner Filmtochter übernimmt Kristen Wiig, die zuletzt im Ghostbusters-Reboot zu sehen war. Maren Ade, Regisseurin und Autorin des Originals, produziert das Remake. Einen Drehbuchautor oder Regisseur hat der film noch nicht, doch Paramount sucht bereits fleißig nach geeigneten Kandidaten.

Auch wenn mir vermutlich viele widersprechen werde, halte ich Toni Erdmann definitiv für einen Film, der von einem Remake profitieren könnte. In dem Film stecken viele gute Ideen und brillante Momente, doch die 160-minütige Laufzeit überstrapaziert die Geduld und der Film verliert gerade im Mittelteil häufig seinen roten Faden. Weniger ist manchmal eben doch mehr. Wenn das Remake es schafft, diese Probleme auszumerzen, dann könnte uns gerade mit Nicholson in der Hauptrolle ein echtes Meisterwerk erwarten.