The Kennedys After Camelot

Quelle: The Live Feed

Die historische Polit-Miniserie "Die Kennedys", die die Leben, die politischen Machtkämpfe, die Triumphe und die Tragödien der Kennedy-Familie über 30 Jahre von 1938 bis 1968 dokumentierte, wird fortgesetzt. Der US-Sender Reelz, der die achtteilige Miniserie 2011 ausgestrahlt hat, nachdem der ursprüngliche Sender, History Channel, sie wegen angeblicher geschichtlicher Ungenauigkeiten fallen ließ, erzielte mit "Die Kennedys" die höchsten Einschaltquoten in der eigenen Sendergeschichte. Schon 2012 wurde deshalb eine Fortführung angekündigt, die jetzt aber erst Form annimmt. Die zweite Miniserie, die aus vier Folgen bestehen wird, trägt den Originaltitel "The Kennedys: After Camelot". Natürlich stellt sich jetzt die Frage, worum es darin gehen soll, da "Die Kennedys" nach dem Attentat auf Bobby Kennedy und dem Tod von Joseph Kennedy Sr. endete und damit eigentlich alle Schlüsselmomente der Familiengeschichte gezeigt hat. Nun, in "The Kennedys: After Camelot" liegt der Fokus auf der ehemaligen First Lady Jacqueline Kennedy, auch bekannt als Jackie Kennedy und später Jackie O. Die erste Miniserie endete mit ihrer Heirat mit dem griechischen Millionär Aristoteles Onassis – eine Ehe, die alles andere als glücklich verlaufen war. Ich schätze, dass die neue Serie den Verfall dieser Ehe, die Affäre von Onassis mit Maria Callas und die letzten Jahre von Jackie Kennedy beleuchten wird.

Katie Holmes, die Jacqueline Kennedy in "Die Kennedys" gespielt hat, kehrt in der zweiten Miniserie in der Rolle zurück und wird wahrscheinlich den Großteil der Serie mit Alters-Makeup verbringen (da Holmes nur 35 Jahre alt ist). Immerhin gibt es so ein Bindeglied zur ursprünglichen Miniserie. Holmes wird aber noch mehr in die Miniserie involviert sein, als zuvor. Sie ist auch als Produzentin an Bord dabei und wird bei einer der vier Folgen selbst Regie führen. Die anderen drei inszeniert Jon Cassar ("24"), der auch alle acht Folgen der ersten Miniserie gedreht hat. "After Camelot" beruht auf dem gleichnamigen Bestseller des Biographen J. Randy Taraborrelli.

Ich kann nicht behaupten, dass diese Meldung bei mir Begeisterungsstürme auslöst. Von all den Miniserien oder Serien, die fortgesetzt oder nach der Absetzung zurückgebracht werden könnten, stand "Die Kennedys" nicht gerade weit oben auf meiner Wunschliste. Ganz ehrlich – die Miniserie war einfach nicht besonders gut. Irgendwie hat sie es trotzdem geschafft, für zehn Emmys nominiert zu werden und gewann sogar einen für Barry Pepper als Nebendarsteller, doch in keinem Moment hatte ich das Gefühl, etwas wirklich Interessantes oder Aufregendes über die vielleicht berühmteste US-amerikanische Familie aller Zeiten zu erfahren. Obwohl die Serie in acht Folgen einen Zeitraum von über 30 Jahren abdeckte, hatte sie stellenweise trotzdem ein Schneckentempo. Die Darstellung der Intrigen, der Verwicklungen und der Machtkämpfe der Kennedys hatte Seifenoper-Qualität und bei einem Budget von $30 Millionen und hochkarätigen Schauspielern wie Greg Kinnear (Little Miss Sunshine) und Tom Wilkinson (Best Exotic Marigold Hotel) kann man wirklich Besseres erwarten. Vielleicht lag es ja auch an den konservativen politischen Ansichten der Serienproduzenten Joel Surnow (einer der wenigen bekennenden Republikaner in Hollywood), die dazu führten, dass "Die Kennedys" zu einer drögen Angelegenheit wurde. Die Miniserie war jedoch nicht einmal provokant genug, um Gemüter zu erhitzen. Die Behauptung des History Channels, dass die Serie wegen mangelnder historischer Genauigkeit, die zum Format des Senders nicht passen würde, kaufe ich nicht ab – die Serie "Vikings" auf dem gleichen Sender ist auch nicht gerade eine faktengerechte Geschichtsstunde. Ebenso wenig glaube ich aber auch an den politischen Druck, von dem Surnow sprach. Ich denke, die Miniserie war einfach nicht gut genug, was dazu führte, dass neben dem History Channel auch zahlreiche andere Sender in Folge gepasst haben, bis sie auf Reelz ihre Heimat gefunden hat. Die starken Einschaltquoten zeigten aber, dass der Name "Kennedy" immer noch für große Aufmerksamkeit in den USA sorgt. Mal sehen, ob das auch für eine Miniserie gilt, in der JFK und sein Bruder nicht mehr auftreten.

Die Dreharbeiten zu "The Kennedys: After Camelot" beginnen im Frühjahr 2015 in Kanada, sodass die Miniserie 2016 ausgestrahlt werden kann. Hierzulande lief "Die Kennedys" auf ARTE und man kann annehmen, dass auch die zweite Miniserie dort gezeigt werden wird.