Sicario Fortsetzung

© Lionsgate

Quelle: Collider

Eine der ungewöhnlicheren und unerwarteten Fortsetzungen, die uns in nächster Zeit erwarten, ist das Sequel zu Denis Villeneuves meisterhaftem Thriller Sicario, in dem Emily Blunt als unerfahrene FBI-Agentin zur CIA-Marionette im Kampf gegen die Drogenkartelle wurde. Nachdem Prisoners dem Kanadier Villeneuve zu seinem Mainstream-Durchbruch verhalf, bestätigte die spannungsgeladene Regie von Sicario ihn als einen der besten neuen Filmemacher der letzten zehn Jahre. Der Film erhielt drei Oscarnominierungen (und hätte noch viele weitere verdient) und gehört zu dem besten filmischen Darstellungen des brutalen und grenzüberschreitenden Kampfes gegen die Drogen, den die USA seit Jahrzehnten (meist vergeblich) führen.

Bereits kurz nach dem Start von Sicario gab es Gespräche über ein Sequel, das sich um Benicio del Toros mysteriösen Killer Alejandro drehen sollte. Zunächst dachte ich, dass diese Diskussionen im Nichts verlaufen würden, wie einst auch bei geplanten Sequels zu Inside Man oder zu Departed. Doch diesmal wurde es schnell ernst und Sicario 2 nahm unter dem Titel Soldado Form an. Letzten November begannen die Dreharbeiten in New Mexico und wurden im Februar abgeschlossen. Sowohl hinter als auch vor der Kamera gab es einige Wechsel, aber auch einige sehr willkommene Rückkehrer. Der größte Pluspunkt des ersten Films, Regisseur Denis Villeneuve, konnte aus terminlichen Gründen das Sequel nicht inszenieren und der Italiener Stefano Sollima nahm seinen Platz ein. Wer Sollimas überwältigendes Crime-Epos Suburra gesehen hat, weiß, dass er der Aufgabe gewachsen sein sollte. Das Drehbuch verfasste wieder Taylor Sheridan, der seit Sicario einen weiteren von der Kritik gefeierten Hit schrieb, Hell or High Water, für den er sogar eine Oscarnominierung erhielt.

Sicario hielt sich in seiner Darstellung von Brutalität und Gewalt und der Überquerung moralischer Grenzen für einen "guten Zweck" nicht zurück und wenn im Film die buchstäbliche Grenze nach Mexiko überquert wird, wird Ciudad Juárez als Hölle auf Erden gezeigt. Wem das schon heftig war, muss sich bei Soldado auf was gefasst machen, denn laut Sheridan lässt sein Sequel den Vorgänger wie eine Komödie aussehen. Wir reden hier von einem Film, in dem eine ganze Familie von einem der angeblich "Guten" erschossen wird. Taylor Sheridan, der aktuell Presserunden zu seiner Regiearbeit Wind River (angeblich auch ein sehr guter Thriller) macht, hat über seine Arbeit am Sequel gesprochen: (aus dem Englischen)

Als ich dem Studio zugesagt habe, die Fortsetzung zu schreiben, baten sie mich um den traditionell verlangten Plot-Entwurf und all das, und ich sagte: "Nein, nein, nein, Leute. Der erste war komplett originell. Ich werde mich einfach zurückziehen, schreiben und dann komme ich mit dem Sequel zurück. Sie haben mir damit vertraut und dann haben sie mein Drehbuch gelesen und gesagt: "Oh scheiße. Wir haben ein großes Problem." Der Film lässt den ersten wie eine Komödie aussehen. Ja. Ich bin nicht der Kerl, den man darum bitten sollte, eine Fortsetzung zu schreiben.

Benicio del Toro, Josh Brolin und Jeffrey Donovan sind die einzigen Darsteller aus dem Originalfilm, die in Soldado wieder dabei sind. Emily Blunt kehrt nicht zurück, weil die Geschichte ihrer Figur laut Sheridan am Ende der ersten Films beendet war und er ihre Rückkehr nicht auf Teufel komm raus erzwingen wollte. Tatsächlich werden die Ereignisse des ersten Films in Soldado überhaupt nicht angesprochen und es ist auch unklar (und irrelevant), ob er vor oder nach Sicario spielt. Es wird einfach ein weiteres Kapitel aus diesem brutalen Krieg erzählt, mit einigen Charakteren aus Teil 1. Wenn es gut läuft, wird es auch einen dritten Film geben. Dieser ist laut Regisseur Stefano Sollima bereits in Planung.

Die neue Frau an Bord von Soldado ist Catherine Keener (Into the Wild). Sie spielt die Chefin des CIA-Agenten Matt Graver (Josh Brolin). Matthew Modine (Full Metal Jacket) und Isabela Moner (Transfomers: The Last Knight) spielen ebenfalls mit. Der Film soll angeblich davon handeln, dass Drogenkartelle ihre Tunnel auch dazu nutzen, Terroristen ins Land zu schmuggeln. So wird aus dem Krieg gegen die Drogen in dem Sequel auch der Krieg gegen den Terrorismus, ein weiteres sehr heikles Thema.

Roger Deakins, dessen Kameraarbeit beim ersten Film ihm eine seiner vielen Oscarnominierungen einbrachte, stand diesmal leider nicht zur Verfügung. An seine Stelle trat Dariusz Wolski, der u. a. als Kameramann bei den letzten fünf Ridley-Scott-Filmen tätig war (darunter Alien: Covenant und Prometheus). Der für den ersten Film oscarnominierte Komponist Jóhann Jóhannsson ist ebenfalls nicht mehr dabei, doch Hildur Guðnadóttir, die seinen Job bei Soldado übernommen hat, hat in Vergangenheit sehr häufig mit ihrem Landesmann Jóhannsson zusammengearbeitet und wurde vermutlich von ihm an die Produktion weiterempfohlen.

Soldado hat immer noch keinen Starttermin, was etwas überraschend ist für einen Film, der bereits vor einem halben Jahr abgedreht wurde und schon ein Studio hat. Vielleicht spart sich Sony ihn für die Oscar-Saison auf. Auf jeden Fall hoffe ich, dass die Fortsetzung zu einem der besten Thriller der letzten Jahre nicht enttäuschen wird.

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