Screen Actors Guild Nominierungen 2014

Quelle: Screen Actors Guild

Seit 1994 verleiht die US-amerikanische Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild (SAG) jährlich die Screen Actors Guild Awards – Preise für die besten schauspielerischen Leistungen des vergangenen Jahres. Dabei handelt es sich um Industriepreise, die im Gegensatz zu den Kritikerpreisen eine deutlich höhere Signifikanz in Bezug auf die Oscars besitzen. Da die Schauspieler etwa 22% der Mitgliederzahl der Oscar-Wähler ausmachen, ist es kein Wunder, dass die SAG Awards als die maßgeblichen Filmpreise auf dem Weg zu den Oscars betrachtet werden. Die Vorhersagekraft ist groß. Bei den letzten 20 Verleihungen wurden 80% der SAG-Nominees im selben Jahr auch bei den Oscars nominiert. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass ein Schauspieler oder eine Schauspielerin den Oscar gewinnen kann, ohne vorher von der SAG nominiert zu werden. Solche Fälle kann man in den letzten 20 Jahren an einer Hand abzählen.

Dennoch besteht nicht stets eine 100%-ige Übereinstimmung der nominierten Schauspieler und man kann davon ausgehen, dass jedes Jahr etwa fünf der SAG-Nominees, bei der Verkündung der Oscarnominierungen nicht auftauchen werden. Letztes Jahr waren es sogar sechs von 20 SAG-nominierten Schauspielern. Bei den Siegern gab es hingegen eine 4/4-Übereinstimmung mit den Oscars.

Die Screen Actors Guild hat ihre Nominierungen für die diesjährigen Preise veröffentlicht und diese bieten nur wenige Überraschungen:

Bester Hauptdarsteller

Steve Carell (Foxcatcher)
Benedict Cumberbatch (The Imitation Game)
Jake Gyllenhaal (Nightcrawler)
Michael Keaton (Birdman)
Eddie Redmayne (Die Entdeckung der Unendlichkeit)

Beste Hauptdarstellerin

Jennifer Aniston (Cake)
Felicity Jones (Die Entdeckung der Unendlichkeit)
Julianne Moore (Still Alice)
Reese Witherspoon (Wild – Der große Trip)
Rosamund Pike (Gone Girl)

Bester Nebendarsteller

Robert Duvall (Der Richter – Recht oder Ehre)
Ethan Hawke (Boyhood)
Edward Norton (Birdman)
Mark Ruffalo (Foxcatcher)
J.K. Simmons (Whiplash)

Beste Nebendarstellerin

Patricia Arquette (Boyhood)
Keira Knightley (The Imitation Game)
Emma Stone (Birdman)
Meryl Streep (Into the Woods)
Naomi Watts (St. Vincent)

Bestes Ensemble

Birdman
Boyhood
Grand Budapest Hotel
The Imitation Game
Die Entdeckung der Unendlichkeit
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Auf den ersten Blick, verwundert es vielleicht, dass der große Oscarkandidat Selma über Martin Luther King nirgends zu finden ist. Allerdings wurde der Film, ebenso wie Angelina Jolies Unbroken und Clint Eastwoods Der Scharfschütze von den SAG-Wählern zu spät gesehen. Aus ähnlichem Grund fehlte letztes Jahr The Wolf of Wall Street gänzlich auf der Liste der Nominees, obwohl es bei den Oscars zwei Schauspiel-Nominierungen für den Film später gab. Ein weiteres Beispiel ist Django Unchained, der ebenfalls nicht rechtzeitig von der SAG gesichtet wurde.

Schauen wir uns doch die Kategorien im Einzelnen an:

Bester Hauptdarsteller: In dieser Kategorie herrschte zwischen den Oscars und der SAG bislang eine Übereinstimmung von 83%. Das bedeutet, dass mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einer der fünf Nominees bei den Oscars nicht auftauchen wird. Letztes Jahr waren es gar zwei (Tom Hanks für Captain Phillips und Forest Whitaker für Der Butler). Cumberbatch, Keaton und Redmayne dürften sicher sein, aber Gyllenhaal und Carrell bilden die Schwachstellen und könnten von Timothy Spall (Mr. Turner – Meister des Lichts) und/oder David Oyelowo (Selma) ersetzt werden.

Beste Hauptdarstellerin: Hier gibt es mit 85% über die letzten 20 Jahre die größte Übereinstimmung. Eine Nominierung sticht dieses Jahr besonders ins Auge – Jennifer Aniston für Cake, einen Film, von dem ich bis heute nichts gehört habe. Aniston betriebt aktuell wohl sehr viel Werbung für die eigene Performance in dem Film und strebt eine Oscarnominierung an, doch ich glaube, dass sie bei den Oscars durch Amy Adams für Big Eyes ersetzt werden könnte oder durch Marion Cotillard. Auf jeden Fall bleibt der fünfte Platz in dieser Kategorie sehr offen, während die anderen vier relativ sicher sein dürften. Julianne Moore sollte hier gewinnen, nachdem sie bereits neunmal erfolglos bei den Filmpreisen der SAG nominiert wurde.

Bester Nebendarsteller: Die Übereinstimmung mit den Oscars beträgt 75% und als Schwachstelle sehe ich hier Robert Duvall (Der Richter – Recht oder Ehre). Die SAG hat häufig eine Affinität für Schauspielveteranen und nominierte Duvall bereits als "Besten Hauptdarsteller" für Am Ende des Weges. Er ist nun der älteste Schauspieler, der je als "Hauptdarsteller" oder als "Nebendarsteller" von der SAG nominiert wurde. Wie schon damals, glaube ich jedoch nicht, dass diese Nominierung zu einer Oscar-Nennung führen wird. Ruffalo, Hawke, Simmons und Norton sind recht sicher.

Beste Nebendarstellerin: Mit 73% herrschte hier über die letzten 20 Jahre die geringste Übereinstimmung und ich bin sicher, dass auch dieses Jahr mindestens eine Nominierung anders ausfallen wird. Naomi Watts' Nennung für St. Vincent ist nicht unverdient, doch sie wird bei den Oscars kaum wiederholt werden.

Bestes Ensemble: Diese Kategorie ist ein guter Prädiktor für die Kategorie "Bester Film" bei den Oscars. Nur ein einziges Mal kam es bislang vor, dass ein Film bei den Oscars den Hauptpreis gewann, ohne dass sein Ensemble von der SAG zuvor nominiert worden war (Braveheart). Insgesamt wurden 65% der SAG-Ensemble-nominierten Filme auch als "Bester Film" bei den Oscars nominiert. Dies dürfte dieses Jahr vermutlich auf alle fünf Kandidaten zutreffen.

Die Screen Actors Guild Awards werden am 25.01.2015 verliehen werden. Auf wen tippt Ihr?