Spider-Man 3 (2007) Filmkritik

Quelle: The Hollywood Reporter

Spider-Man 3 hatte bis vor kurzem eine schwere Bürde zu tragen. Nach zwei Filmen, die nicht nur zu den erfolgreichsten ihres Genres gehörten, sondern ihrerzeit gemeinhin auch zu den besten Comicbuchverfilmungen überhaupt gezählt wurden, hat Sam Raimi mit dem überlangen finalen Teil seiner Trilogie viele treue Fans auf voller Linie enttäuscht. Ob die unverzeihliche Abänderung der Identität von Onkel Bens Mörder, die lieblos abgehandelte Darstellung von Spideys Erzfeind Venom, die halbgare Rache- und Versöhnungsgeschichte mit Harry Osborn oder Peter Parkers Emo-Phase – die Kritikpunkte an dem dritten Film waren zahlreich und haben sich über die Jahre nur noch verstärkt. Eine Szene, Emo-Peter-Parkers Tanz, steht symbolisch für all das, was an dem Film nicht stimmte:

https://youtu.be/ZwiWx6sqlvE

Nichtsdestotrotz erwies sich Spider-Man 3, vor allem dank der Popularität seiner Vorgänger, zum weltweit kommerziell erfolgreichsten (und in dieser Hinsicht bis heute unerreichten) Eintrag im Spider-Man-Franchise und seit dem letzten Jahr hat er dank Marc Webbs ähnlich überfrachtetem (und in meinen Augen auch deutlich schlechterem) The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro auch knallharte Konkurrenz um den Titel des unbeliebtesten Spider-Man-Films. Verpasste Spider-Man 3 dem Franchise einen vorübergehenden Dämpfer, scheinen die negativen Auswirkungen von The Amazing Spider-Man 2 noch größer zu sein, denn nun steht das Studio etwas ratlos da hinsichtlich der Fortführung der Reihe.

Doch obwohl das Internetr die negative Aufmerksamkeit vor allem auf The Amazing Spider-Man 2 richtet, hat Sam Raimi nicht vergessen, wie wenig beliebt sein dritter Film war. Wie kann er auch, in einem Podcast bei Nerdist hat er erzählt, dass ihn Passanten gelegentlich daran erinnern, dass er Mist gebaut habe. Er selbst zeigte jetzt rückblickend Reue über den Film: (aus dem Englischen)

Jeder einzelne dieser Spider-Man-Filme war verdammt herausfordernd. Ich habe viel versaut beim dritten Film und die Leute haben mich jahrelang gehasst – sie hassen mich immer noch dafür. Der Film funktionierte einfach nicht sehr gut.

Raimi fügte außerdem hinzu, dass es sich für ihn falsch angefühlt ha, den finalen Film der Trilogie zu drehen, weil er nicht wirklich an alle Charaktere aus dem Film geglaubt habe. Die Verlagerung des Fokus weg von den Beziehungen zwischen den Figuren sei das größte Problem gewesen, seiner Meinung nach. Aber auch der Erfolgsdruck soll eine große Auswirkung gehabt haben:

Der Wunsch, die ersten beiden Filme zu toppen, beeinflusste das Denken von vielen Leuten, die an Spider-Man 3 gearbeitet haben und das war nicht gut für uns.

Ein großes und durchaus bekanntes Problem war offensichtlich, dass Raimi die Figur von Venom nie besonders mochte oder interessant fand, aber dem Druck der Fangemeinde und des Studios nachgeben musste und den Charakter auf eine wirklich undankbare Weise im dritten Film eingebracht hat. Schade, denn am Ende war niemand darüber glücklich.

Übrigens plante Raimi (trotz seines unguten Gefühlt über Teil 3) trotzdem einen vierten Film, in dem John Malkovich die Rolle des Bösewichts Vulture spielen sollte. Auch Tobey Maguire sollte als Peter Parker zurückkehren, doch das Studio entschied sich nach der mäßigen Rezeption des dritten Film für ein komplettes Reboot. Viel gebracht hat es auf Dauer scheinbar nicht…