Quelle: Screen Actors Guild

Letzte Nacht hat die Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild (SAG) die besten schauspielerischen Leistungen des vergangenen Jahres im Film und Fernsehen prämiert und damit ein weiteres Zeichen im aktuellen Oscar-Rennen gesetzt. Im Kino-Bereich wurden dabei zwei haushohe Favoriten in ihren jeweiligen Kategorien wieder einmal bestätigt, während die Situation unter den Nebendarstellern auch langsam eindeutiger wurde. Dafür geht das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen The Big Short und Spotlight weiter. Nachdem The Big Short vergangenes Wochenende den Preis der Produzentengewerkschaft PGA gewinnen konnte und damit im Oscar-Rennen in Führung ging, ging die Finanz-Satire bei der SAG leer aus, während ihr stärkster Konkurrent Spotlight den wichtigen Preis für das „Beste Ensemble“ abräumte. Häufig korreliert dieser mit dem Preis für den „Besten Film“ bei den Oscars, ist allerdings nicht so zuverlässig wie der PGA Awards. Zwar wurden spätere Oscargewinner wie Argo, Birdman oder The King’s Speech bei der SAG auch für ihr Ensemble ausgezeichnet, doch auch Filme wie American Hustle, Little Miss Sunshine und Inglourious Basterds, die bei den Oscars trotzdem den Kürzeren zogen. Der Sieg von Spotlight bedeutet nicht, dass er jetzt wieder der Favorit ist, sondern lediglich, dass das Rennen noch nicht ganz gelaufen ist. Hätte The Big Short hier gewonnen, wäre er ein sicherer Oscarsieger gewesen.

Was jedoch wirklich interessant war an dem Abend, war Idris Elbas Doppel-Sieg. Er gewann einerseits den Preis für seine Performance in der neuen Staffel von „Luther“, andererseits aber sehr überraschend auch in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“ für Beasts of No Nation. Damit setzte die SAG ein Zeichen und zeigte quasi den Mittelfinger in Richtung der von der #OscarsSoWhite-Kontroverse geplagten Academy, die Elba nicht einmal nominierte. Es war das erste Mal überhaupt, dass ein Schauspieler von der SAG ausgezeichnet wurde, ohne von der Academy nominiert gewesen zu sein. Dass hier die genannte Kontroverse, die noch während der Abstimmung der SAG-Wähler entbrannte, eine Rolle gespielt hat, liegt irgendwie nahe. Auf jeden Fall hat Elbas Sieg indirekt Sylvester Stallone (Creed) als aktuellen Oscarfavoriten bestätigt. Er war hier zwar nicht einmal nominiert, doch da auch keiner seiner späteren Oscar-Konkurrenten (Mark Rylance oder Christian Bale) gewonnen hat, bleibt er weiterhin in Führung.

Unten findet Ihr alle Gewinner im Bereich Kino auf einen Blick (hier sind die Nominierungen nachzulesen):

Bester Hauptdarsteller

Leonardo DiCaprio (The Revenant – Der Rückkehrer)

Beste Hauptdarstellerin

Brie Larson (Raum)

Bester Nebendarsteller

Idris Elba (Beasts of No Nation)

Beste Nebendarstellerin

Alicia Vikander (The Danish Girl)

Bestes Ensemble

Spotlight

Bestes Stunt-Team

Mad Max: Fury Road
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Für DiCaprio und Larson ist der Sieg jetzt zum Greifen nahe. In den vergangenen 21 Jahren der SAG Awards hat der Gewinner in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ auch 18 Mal bei den Oscars gewonnen und da Leonardo DiCaprio außerdem den BFCA- und den Golden-Globe-Sieg im Rücken hat, ist seine Position sehr gut. Ähnlich sieht es auch bei Brie Larson aus. In den letzten 21 Jahren wurden 15 der 21 SAG-Gewinnerinnen auch bei den Oscars ausgezeichnet. Ganz so sicher ist Alicia Vikander nicht, doch auch sie ist jetzt in die Favoriten-Position gerückt, nachdem sowohl die BFCA als auch die SAG sie ausgezeichnet haben. Bei den Golden Globes war sie (richterweise) als Hauptdarstellerin nominiert und konnte daher in dieser Kategorie gar nicht erst gewinnen, weshalb Kate Winslet sich durchsetzte. Bei Vikander spielt auch ihre grandiose Performance in Ex Machina letztes Jahr sicherlich eine Rolle, sodass die Preisverleihungen sie in gewisser Hinsicht für beide Rollen auszeichnen.

Auch im Bereich Fernsehen verlieh die SAG Preise und zeigte hier wieder einmal einen Hang zu Wiederholungstätern. Schließlich ist es die Organisation, die Alec Baldwin für „30 Rock“ sieben Jahre in Folge auszeichnete und Tina Fey („30 Rock“) und Megan Mullally („Will & Grace“) jeweils drei Jahre in Folge. Deshalb überraschte es wenig, dass wir etliche der diesjährigen TV-Sieger (Kevin Spacey, Viola Davis, Uzo Aduba) schon letztes Jahr auf der Bühne gesehen haben. „Downton Abbey“ gewann zum insgesamt dritten Mal den Preis für das „Beste Ensemble einer Dramaserie“, während Jon Hamm („Mad Men“) mit seiner sechsten erfolglosen einen Negativrekord aufstellte, als er leer ausging. Das Ensemble von „Game of Thrones“ konnte sich leider wieder einmal nicht durchsetzen, doch es gab den mittlerweile fünften Preis für das Stunt-Team der Serie.

Hier findet Ihr alle Sieger (und hier die Nominierungen):

Bester Darsteller einer Dramaserie

Kevin Spacey („House of Cards“)

Beste Darstellerin einer Dramaserie

Viola Davis („How to Get Away with Murder“)

Bestes Ensemble einer Dramaserie

„Downton Abbey“

Bester Darsteller einer Comedyserie

Jeffrey Tambor („Transparent“)

Beste Darstellerin einer Comedyserie

Uzo Aduba („Orange is the New Black“)

Bestes Ensemble einer Comedyserie

„Orange is the New Black“

Bester Darsteller in einer Miniserie oder einem TV-Film

Idris Elba („Luther“)

Beste Darstellerin in einer Miniserie oder einem TV-Film

Queen Latifah („Bessie“)

Bestes Stunt-Team

„Game of Thrones“
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Die noch ausstehenden Preise der Autoren- und Regiegewerkschaft werden bald mehr Klarheit in das Rennen um den „Besten Film“ bei den Oscars bringen. Auf jeden Fall haben wir aktuell vermutlich das knappste Rennen um den Hauptpreis seit etwa zehn Jahren.