Quelle: Entertainment Weekly

Seit ihrem Langfilmdebüt mit Toy Story vor über 20 Jahren, gilt die Animationsschmiede Pixar (mit einigen wenigen Ausnahmen) als Garant für hochwertige animierte Unterhaltung, die gleichermaßen Kinder und Erwachsene begeistert. Mit Filmen wie Die Monster AG, Findet Nemo, Die Unglaublichen, Ratatouille, WALL-E und Oben erarbeitete sich Pixar einen beinahe unantastbaren Status in puncto Animation. Gerade der Fokus auf Originalfilme – mit der Ausnahme der Toy-Story-Reihe – hat Pixar von den meisten anderen Studios unterschieden, die nur zu heiß darauf waren, aus jedem großen Hit ein Franchise zu machen.

Doch auch Pixar konnte nicht ewig dem Druck widerstehen, weitere Hitfilme fortzusetzen. Fühlte sich Toy Story 3 noch wie eine natürliche und sehr willkommene Weiterentwicklung der Reihe an, markierte Cars 2, der 2011 in die Kinos kam, das allererste Mal, dass man das Gefühl hatte, Pixar habe einen Film rein aus finanzieller Motivation heraus produziert. Schließlich gehörte der erste Cars unter Cineasten nicht gerade zu den beliebtesten Pixar-Filmen, doch alleine das Merchandise dazu brachte Disney, die Pixar 2006 aufgekauft haben, Milliarden ein. Also wurde mit Cars 2 eine Fortsetzung produziert, um die man eigentlich nicht gebeten hat und das Ergebnis war der erste (und zum Glück bislang einzige) Pixar-Film, der von der Kritik weitgehend verrissen wurde.

Die Sequel-Welle von Pixar ging mit Die Monster Uni (okay, ein Prequel) und Findet Dorie weiter. Die Bilanz ist deutlich: unter den ersten zehn Filmen von Pixar befand sich lediglich ein einziges Sequel (Toy Story 2), unter den nächsten sieben sind es vier (Toy Story 3, Cars 2, Die Monster Uni, Findet Dorie) und in den nächsten Jahren folgen noch mehr. Im September 2017 erwartet uns mit Cars 3 ein Sequel, über dessen Existenz man nur den Kopf schütteln kann, im September 2018 geht mit Toy Story 4 die Geschichte weiter, die wir mit Toy Story 3 eigentlich für abgeschlossen hielten, und 2019 kommt dann endlich das Pixar-Sequel, auf das wir tatsächlich schon lange sehnsüchtig warten: Die Unglaublichen 2 von Brad Bird. Dazwischen: nur ein Originalfilm, Coco, vom Toy-Story-3-Regisseur Lee Unkrich, der im November 2017 in unsere Kinos kommen soll. Das bringt die Bilanz also auf sieben Sequels/Prequels von insgesamt 11 Filmen seit 2010. Natürlich können diese Sequels auch großartig sein, siehe Toy Story 2 oder auch Findet Dorie, doch insgesamt lässt es bei einem Studio, das für seine Innovationen bekannt ist, ein wenig die Originalität vermissen.

Doch dieser Umstand ist Pixar offenbar sehr bewusst und soll sich demnächst ändern. In einem Interview mit Entertainment Weekly hat Pixar-Präsident Jim Morris bekräftigt, dass das Studio nach Die Unglaublichen 2 keine Pläne für weitere Sequels habe. Wer also auf Oben 2, Alles steht Kopf 2 oder Ratatouille 2 gehofft hat, wird wohl erst einmal enttäuscht werden. Aktuell sind zwei unbetitelte Pixar-Filme für März und Juni 2020 geplant und beide sollen laut Morris Originalfilme sein. Außerdem, so der Pixar-Chef, seien zwei weitere Originalfilme in einem frühen Planungsstadium und würden wahrscheinlich den beiden von 2020 folgen.

Morris erklärte, dass die Filme on Pixar von den jeweiligen Visionen der Regisseure abhängen und wenn sie eine wirklich gute Idee für eine Fortsetzung haben, dann, und nur dann, wird diese auch in Angriff genommen. Zu den potenziellen Sequels von WALL-E und Alles steht Kopf fügte er hinzu: (aus dem Englischen)

(Alles-steht-Kopf-Regisseur) Pete Docter hat eine originelle Idee für seinen nächsten Film. Brad Bird, der Regisseur von Ratatouille, arbeitet aktuell an der Fortsetzung zu Die Unglaublichen und wir haben nie wirklich über ein Sequel zu Ratatouille gesprochen. Und WALL-E liegt mir sehr am Herzen, weil ich den Film produziert habe. Es wäre schön, zurückzugehen, diese Welt wieder zu besuchen und alle wissen zu lassen, dass die Menschen ihre Rückkehr auf die zerstörte Erde überlebt haben. Aber es war eigentlich eine Liebesgeschichte und sie hatte einen Anfang, eine Mitte und ein Ende und aktuell planen wir auch keine weiteren Geschichten aus dieser Welt.

Unser Plan bestand immer darin, einen Originalfilm jedes Jahr und jedes zweite Jahr eine Fortsetzung zu produzieren, wenn wir die Idee zu einer haben. Wenn man die kommenden Filme zu den jetzigen hinzuaddiert, kommt genau das dabei heraus: von den 21 Filmen, die wir, seit wir von Disney aufgekauft worden sind, produziert haben bzw. produzieren, sind sieben Sequels. Im Prinzip ist das Verhältnis also genau so, wie wir uns das vorgestellt haben, nur nicht in der Reihenfolge, wie wir hofften und das hat damit zu tun, wann Andrew (Stanton) eine Sequel-Idee hat oder Brad (Bird)…manchmal passiert das einfach so.

Mit anderen Worten: Die Häufung von Sequels bei Pixar in letzter Zeit ist mehr ein Zufall als eine bewusste, Kommerz-orientierte Entscheidung. Wenn man die unglaublichen Einspielergebnisse von Findet Dorie in den USA anschaut, wo er auf dem besten Wege ist, schon bald zum umsatzstärksten Animationsfilm aller Zeiten zu werden (ein Rekord, den Shrek 2 zwölf Jahre lang gehalten hat!), kann man durchaus den Reiz verstehen, mit einer solchen Fortsetzung leichten Profit zu machen. Sequels zu Oben oder Alles steht Kopf wären garantierte, risikofreie Hits – und womöglich auch tolle Filme. Doch so sehr ich einige Fortsetzungen von Pixar auch schätze, so freut es mich dennoch, künftig wieder mehr Originalfilme vom Studio zu sehen, denn gerade die neuen Ideen des Animationsstudios sind es, die mich immer wieder aufs Neue erstaunen. Mit Alles steht Kopf hat Pixar erst letztes Jahr bewiesen, dass sie immer noch in der Lage sind, sich selbst wieder zu übertreffen. Davon gerne mehr!

Wie seht Ihr das? Würdet Ihr gerne Fortsetzungen zu WALL-E, Ratatouille oder Alles steht Kopf sehen oder begrüßt Ihr auch mehr Originalfilme von Pixar?