Quelle: Producers Guild of America

Als einer der größten Indikatoren für den „Bester Film“-Oscar gelten die Auszeichnungen der Producers Guild of America (PGA), der US-Gewerkschaft von Film- und Serien-Produzenten, deren knapp 7000 Mitglieder seit 1989 über die besten Produzentenleistungen aus dem abgelaufenen Jahr abstimmen. Diese Auszeichnung kommt essentiell dem Preis für den „Besten Film“ gleich.

Während die PGA früher (meistens) nur fünf Filme pro Jahr nominierte, zog die Gewerkschaft 2009 mit der Umstellung der Academy auf zehn Nominees mit und nennt seitdem jährlich zehn Kandidaten in der Hauptkategorie. Dies wurde auch beibehalten, als die Academy wiederum ein neues System vorstellte, nach dem die Anzahl der Nominierungen zwischen 5 und 10 liegen kann.

Der PGA Award ist kein unfehlbarer Indikator für die Oscars, hat sich jedoch über die Jahre neben den Preisen der Screen Actors Guild, der Writers Guild of America und der Directors Guild of America als einer der vier großen Industrie-Vorläuferpreise bewährt, die das Stimmungsbild der Oscar-Saison in Hollywood größtenteils akkurat wiedergeben. Im Gegensatz zu Kritikerpreisen, zu denen auch die Golden Globes gehören, werden diese Auszeichnungen von Industrieleuten verliehen, die zum Teil auch zu den Mitgliedern der Academy gehören und später auch über die Oscars abstimmen. Daher ist die Relevanz dieser Preise nicht zu unterschätzen. In den letzten sechs Jahren, seit die PGA und die Oscars die Anzahl der Nominees erhöhten, haben lediglich sieben Filme eine Oscarnominierung als „Bester Film“ ohne eine entsprechende vorherige Nominierung von der Produzentengewerkschaft erhalten. Jedoch gab es in diesem Zeitraum auch kein Jahr, in dem die PGA jeden einzelnen der Oscar-Nominees auch nominierte. Letztes Jahr war es das Bürgerrechtsdrama Selma, das von der PGA ignoriert wurde, bei den Oscars aber eine Nominierung erhielt. Dafür wurden Gone Girl, Nightcrawler und Foxcatcher von der PGA nominiert, aber nicht von den Oscars. Im Jahr davor war es das britische Drama Philomena, das von den Oscars, aber nicht von der PGA nominiert wurde, während die Academy die PGA-Nominees Blue Jasmine und Saving Mr. Banks links liegen ließ.

Unten findet Ihr die zehn diesjährigen Nominees der Produzentengewerkschaft für den „Besten Film“ sowie die Nominierungen für den „Besten Animationsfilm“ und den „Besten Dokumentarfilm“. Diese sollten ein gutes Bild darüber abgeben, was uns bei den Oscars erwarten könnte:

Bester Film

The Big Short
Bridge of Spies – Der Unterhändler
Brooklyn
Ex Machina
Mad Max: Fury Road
Der Marsianer
The Revenant – Der Rückkehrer
Sicario
Spotlight
Straight Outta Compton

Bester Animationsfilm

Alles steht Kopf
Arlo & Spot
Anomalisa
Minions
Die Peanuts – Der Film

Bester Dokumentarfilm

Amy
The Hunting Ground
The Look of Silence
Meru
Something Better to Come
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Die größte Überraschung ist die Abwesenheit von Carol, Alles steht Kopf und Star Wars: Das Erwachen der Macht auf der Liste der besten Filme. Aufgrund der Zusammensetzung ihrer Mitglieder (Produzenten!) ist die PGA dafür bekannt, viel eher erfolgreiche Blockbuster zu nominieren als die Oscars. In Vergangenheit wurden von der PGA Box-Office-Erfolge wie Skyfall, Star Trek und sogar der erste Harry Potter nominiert (letzterer als es nur fünf Slots gab!), sodass alle eigentlich fest damit gerechnet haben, das Star Wars als erfolgreichster Film aller Zeiten in den USA, der auch noch blendende Kritiken einheimsen konnte, ein sicheres Ding für eine Nominierung wäre. Doch man hat sich offenbar geirrt und es reichte der PGA aus, Der Marsianer und Mad Max aus der Blockbuster-Sparte zu nominieren. Die fehlende Unterstützung der PGA ist ein schwerer Schlag für die Oscarchancen von Das Erwachen der Macht, denn das waren die Preise, bei denen der Film wirklich hätte punkten sollen. Eine Oscarnomnierung als „Bester Film“ rückt jetzt in die Ferne.

Im Falle von Alles steht Kopf könnte das Argument angeführt werden, dass der Film als Animationsfilm nominiert wurde, doch das hinderte Pixars Oben und Toy Story 3 auch nicht daran, zusätzlich als beste Filme in ihren Jahren nominiert zu werden. Noch vor zwei Monaten galt auch Alles steht Kopf als ein sehr wahrscheinlicher Oscarkandidat, doch der Film scheint im Oscar-Rennen keinen großen Eindruck zu hinterlassen und gerät immer mehr in Vergessenheit.

Doch obwohl der Film kein Blockbuster ist, ist die mangelnde Nominierung für Carol ebenfalls eine Riesenüberraschung. Mit fünf Golden-Globe-Nominierungen im Rücken startete das Lesbendrama als einer der stärksten Oscaranwärter ins diesjährige Rennen und eigentlich zweifelte niemand die Chancen des Films an, doch die PA-Nominierungen verpassen Todd Haynes‘ Film ebenfalls einen Dämpfer.

Von den potenziellen Oscarkandidaten abwesend sind das Drama Raum und Danny Boyles Steve Jobs.

Doch es gab natürlich auch große positive Überraschungen. Straight Outta Compton gewinnt immer mehr an Stärke im Oscar-Rennen und hat jetzt neben der begehrten Ensemble-Nominierung von der Schauspielergewerkschaft auch eine PGA-Nominierung vorzuweisen. Auch wenn der Film noch nicht auf meiner Liste der wahrscheinlichen „Bester Film“-Nominees steht, wachsen seine Chancen immer weiter und eine Oscarnominierung würde mich nicht mehr überraschen. Der Film traf den Nerv der US-Gesellschaft und das könnte auch für die Mitglieder der Academy gelten. Sehr positiv ist auch die verdiente Nominierung für Sicario, der nach den Nominierungen vom Cutter-Verband und dem Verband der Kameraleute immer mehr Erwähnungen seitens der Industrie findet und es vielleicht doch bei den Oscars schafft. Zu Beginn des Oscar-Rennens sahen die Chancen des Films noch weniger gut aus, doch jetzt wird die Qualität endlich anerkannt.

Die mit Abstand größte Überraschung bei den Nominierungen ist Alex Garlands Sci-Fi-Film Ex Machina. Gerade aufgrund seines frühen Release-Termins im Jahr und der Tatsache, dass es ein verhältnismäßig „kleiner“ Genrefilm ist, ist es wirklich beeindruckend, wie gut er sich durch die Oscar-Saison schlägt. Insbesondere seine Darstellerin Alicia Vikander gewann bereits zahlreiche Preise für ihre Performance, doch auch der Film selbst zeigt Stärke.

Die übrigens sieben Nominees – Der Marsianer, Spotlight, The Big Short, Brooklyn, Bridge of Spies, The Revenant und Mad Max – wurden wieder einmal als eindeutige Kandidaten bestätigt.

Unter den nominierten Animationsfilmen überrascht mich die Abwesenheit von Aardmans Knetanimationsfilm Shaun das Schaf, doch ich bin weiterhin zuversichtlich, was eine Oscarnominierung für den Film betrifft.

Am 23. Januar wird die PGA die Gewinner bekanntgeben und diese werden uns viel über die Position im Oscar-Rennen verraten. In den letzten acht Jahren hat der „Bester Film“-Gewinner bei den Oscars zuvor auch immer den Preis der PGA gewonnen. Insgesamt kam es nur siebenmal in 26 Jahren vor, dass die Oscars einen Film auszeichneten, der bei der PGA nicht gewonnen hat. Zuletzt war es bei Departed – Unter Feinden der Fall, der bei der Produzentengewerkschaft Little Miss Sunshine unterlag.

Seit über 20 Jahren zeichnen die Produzenten aber auch die besten Leistungen im Bereich Fernsehen aus. Die entsprechenden diesjährigen Nominierungen findet Ihr unten:

Beste Dramaserie

„Better Call Saul“
„Game of Thrones“
„Homeland“
„House of Cards“
„Mad Men“

Beste Comedyserie

„Inside Amy Schumer“
„Modern Family“
„Silicon Valley“
„Transparent“
„Veep – Die Vizepräsidentin“

Beste Miniserie oder TV-Film

„American Crime“
„American Horror Story Hotel“
„Fargo“
„True Detective“
„A Very Murray Christmas“
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„Breaking Bad“ hat die letzten beiden Male als „Beste Dramaserie“ gewonnen, nun ist es Zeit für einen neuen Preisträger. „Mad Men“ gewann in Vergangenheit schon dreimal, könnte aber zum Abschluss der Serie wieder punkten. Überfällig wäre allerdings eine Auszeichnung für „Game of Thrones“, die nun zum fünften Mal in Folge nominiert wurde. „House of Cards“ erhielt ebenfalls ihre dritte Nominierung, ohne zuvor gewonnen zu haben.

Bei den Comedyserien wurden lediglich „Modern Family“ und „Veep“ zuvor schon nominiert. Der letztjährige Gewinner „Orange is the New Black“ ist diesmal gar nicht dabei. „Transparent“ dürfte die besten Chancen auf den Sieg hier haben. Bei den Miniserien und TV-Filmen sollte „Fargo“ der klare Favorit sein.