Quelle: Producers Guild of America

Spotlight und Mad Max: Fury Road dominierten bislang die Oscar-Saison bei den Kritikerpreisen und The Revenant räumte bei den Golden Globes ab, doch jetzt kommen erst die Auszeichnungen, die im Hinblick auf die Oscars wirklich etwas zählen und es zeigt sich möglicherweise ein ganz neuer Blick auf die diesjährigen Favoriten. Die Kritikerpreise, zu denen genau genommen auch die Golden Globes gehören, sind hilfreich dabei, um einen Überblick über das Oscar-Rennen zu erhalten, doch mangels einer Überschneidung zwischen den Wählern dieser Preise und den Mitgliedern der Academy können sie auch sehr irreführend sein im Hinblick auf die späteren Oscargewinner.

Gerade in den letzten Jahren hat sich das immer wieder bewahrheitet. The Social Network und Boyhood waren Filme, die im Dezember und Anfang Januar mit etlichen Kritikerpreisen überschüttet wurden und bei den Golden Globes ebenfalls absahnten, doch Mitte Januar kam dann die Wende, als The King’s Speech und Birdman bei den Industriepreisen als eindeutige Sieger hervorgingen und später als klare Favoriten in die Oscarnacht zogen (und gewannen).

Die Wende läuteten in beiden Jahren die Producers Guild of America Awards ein, die Auszeichnungen der US-Produzentengewerkschaft PGA, die seit 1989 verliehen werden und die besten Filme des vorangegangenen Jahres küren. Darüber hinaus zeichnen die PGA Awards seit geraumer Zeit auch die besten Animationsfilme, Dokumentarfilme und die besten Leistungen der Produzenten im Fernsehen aus. Doch es ist der Hauptpreis für den „Besten Film“, auf den alle Augen immer gerichtet sind, denn dieser verrät häufig früh, welcher Film später auch bei den Oscars gewinnen wird. Die Vorhersagegenauigkeit ist sehr hoch. In 26 Jahren der PGA Awards, gab es nur sieben Jahre, in denen der spätere Oscargewinner zuvor nicht den PGA Award gewonnen hat. Zuletzt war es 2006 der Fall, als die Producers Guild of America Little Miss Sunshine auszeichnete, die Academy aber Departed – Unter Feinden. Das heißt, dass die PGA seit acht Jahren richtig liegt (wobei es vor zwei Jahren erstmals einen Gleichstand gab, zwischen 12 Years a Slave und Gravity und später gewann 12 Years a Slave den Film-Oscar und Gravity den Regie-Oscar). Gegen diese Fakten kann man nur schwer argumentieren und so haben die PGA Awards am Wochenende einen neuen Oscarfavoriten hervorgebracht – The Big Short.

Unten findet Ihr die Gewinner in allen drei Film-Kategorien. Die Nominierungen könnt Ihr hier nachlesen.

Bester Film

The Big Short

Bester Animationsfilm

Alles steht Kopf

Bester Dokumentarfilm

Amy
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Dass Adam McKays gefeierte Satire über die Finanzkrise von 2008 die Pole Position im Oscar-Rennen übernehmen könnte, hat sich in den letzten Wochen allerdings schon immer mehr abgezeichnet, im Gegensatz zu The King’s Speech und Birdman, die völlig überraschend die Führung übernahmen. Zwar hat The Big Short bislang keine großen Preise gewonnen, doch es häuften sich immer mehr Anzeichen, dass der Film in der Industrie sehr gut ankommt.

Erste Stärke zeigte er, als er bei den Golden Globes als Film und für sein Drehbuch nominiert wurde. Ganz deutlich punktete der Film bei der Schauspielergewerkschaft SAG, wo er eine Nominierung für sein Ensemble erhielt, die außer Spotlight allen anderen potenziellen Oscarfavoriten verwehrt blieb. Kein Film hat nach 1995 den Oscar als „Bester Film“ gewonnen, ohne zuvor von der SAG für sein Ensemble nominiert gewesen zu sein. Doch während viele das für einen großen Vorteil von Spotlight annahmen, war es eigentlich der entscheidende Moment für The Big Short, denn später bei den BAFTAs zeigte der Film seine Überlegenheit gegenüber Spotlight, als er für seine Regie nominiert wurde und Tom McCarthy ausgelassen wurde. Bei den ebenfalls sehr wichtigen Nominierungen des Cutter-Verbands ACE wurde Spotlight nicht nominiert, dafür aber The Big Short. The Revenant und Mad Max: Fury Road sind natürlich ebenfalls stark im Oscar-Rennen, doch keiner der beiden hat eine Drehbuch-Nominierung bei den Oscars erhalten oder eine SAG-Ensemble-Nominierung. Und so wurde The Big Short bereits im Vorfeld, quasi per Ausschlussverfahren, zum wahrscheinlichsten Gewinner. Die PGA Awards bestätigten das lediglich.

Natürlich kann sich das Rennen noch wenden, denn die Verleihungen der Schauspielergewerkschaft SAG, der Regiegewerkschaft DGA, der Autorengewerkschaft WGA und der „britischen Oscars“ der BAFTA stehen noch aus und theoretisch könnten The Revenant oder Spotlight mit diesen das Ruder herumreißen, doch momentan muss man davon ausgehen, dass The Big Short bei den Oscars auch den Hauptpreis mitnehmen wird – womit vor zwei Monaten noch sicherlich niemand gerechnet hat.

Bei den Serien war die Stunde von „Game of Thrones“ endlich geschlagen. Nach vier erfolglosen Nominierungen in Folge, wurde HBOs Fantasyserie endlich als „Beste Dramaserie“ von der PGA ausgezeichnet und schlug damit die finale „Mad Men“-Season. Währenddessen ging „House of Cards“ zum dritten Mal in Folge leer aus. Bei den Comedyserien gewann der Newcomer „Transparent“.

Unten findet Ihr alle Serien- Gewinner im Überblick:

Beste Dramaserie

„Game of Thrones“

Beste Comedyserie

„Transparent“

Beste Miniserie oder TV-Film

„Fargo“