Oscars 2016

Quelle: Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Eine weitere Oscar-Saison ist vorüber und sie endete so, wie man es bereits seit Wochen vorausahnen konnte: mit La La Land als größtem Sieger der Nacht….bis – in dem peinlichsten Moment, den ich in den 18 Jahren, in denen ich die Oscars bereits live schaue, miterlebt habe – der finale Oscar in der Kategorie "Bester Film" falsch angekündigt wurde. Nachdem die Produzenten und die Crew von La La Land bereits die Bühne betraten und die Dankesreden begonnen haben, entdeckten sie selbst den Fehler: Moonlight hat den Hauptpreis eigentlich gewonnen und Warren Beatty und Faye Dunaway, die die Auszeichnung präsentierten, erhielten zuvor den falschen Umschlag. Während ich diese bizarre Entwicklung noch verdaue, hier ein Blick auf alle Nominierungen und Sieger (in grün):

Bester Film

Arrival
Fences
Hacksaw Ridge
Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen
Hell or High Water
La La Land
Lion
Manchester by the Sea
Moonlight

Beste Regie

Denis Villeneuve (Arrival)
Damien Chazelle (La La Land)
Mel Gibson (Hacksaw Ridge)
Kenneth Lonergan (Manchester by the Sea)
Barry Jenkins (Moonlight)

Bester Hauptdarsteller

Andrew Garfield (Hacksaw Ridge)
Viggo Mortensen (Captain Fantastic)
Denzel Washington (Fences)
Casey Affleck (Manchester by the Sea)
Ryan Gosling (La La Land)

Beste Hauptdarstellerin

Isabelle Huppert (Elle)
Emma Stone (La La Land)
Natalie Portman (Jackie)
Meryl Streep (Florence Foster Jenkins)
Ruth Negga (Loving)

Bester Nebendarsteller

Mahershala Ali (Moonlight)
Jeff Bridges (Hell or High Water)
Michael Shannon (Nocturnal Animals)
Dev Patel (Lion)
Lucas Hedges (Manchester by the Sea)

Beste Nebendarstellerin

Naomie Harris (Moonlight)
Octavia Spencer (Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen)
Viola Davis (Fences)
Michelle Williams (Manchester by the Sea)
Nicole Kidman (Lion)

Bestes Originaldrehbuch

Taylor Sheridan (Hell or High Water)
Damien Chazelle (La La Land)
Yorgos Lanthimos und Efthimis Filippou (The Lobster)
Kenneth Lonergan (Manchster by the Sea)
Mike Mills (20th Century Women)

Bestes adaptiertes Drehbuch

Eric Heisserer (Arrival)
August Wilson (Fences)
Allison Schroeder und Theodore Melfi (Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen)
Barry Jenkins und Tarell Alvin McCraney (Moonlight)
Luke Davies (Lion)

Bester fremdsprachiger Film

Toni Erdmann
Tanna
Ein Mann namens Ove
Unter dem Sand
The Salesman

Bester Animationsfilm

Zoomania
Kubo – Der tapfere Samurai
Mein Leben als Zucchini
Die rote Schildkröte
Vaiana

Beste Kamera

Bradford Young (Arrival)
James Laxton (Moonlight)
Linus Sandgren (La La Land)
Rodrigo Prieto (Silence)
Greig Fraser (Lion)

Bester Schnitt

Hacksaw Ridge
La La Land
Arrival
Hell or High Water
Moonlight

Beste Kostüme

Jackie
Allied – Vertraute Fremde
Florence Foster Jenkins
La La Land
Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Bester Dokumentarfilm

I’m Not Your Negro
O.J.: Made in America
13th
Seefeuer
Life, Animated

Bester Dokumentar-Kurzfilm

Die Weißhelme
Joe’s Violin
Extremis
Watani: My Homeland
4.1 Miles

Bestes Makeup & Hairstyling

Suicide Squad
Ein Mann namens Ove
Star Trek Beyond

Beste Filmmusik

Justin Hurwitz (La La Land)
Dustin O’Halloran und Hauschka (Lion)
Mica Levi (Jackie)
Thomas Newman (Passengers)
Nicholas Britell (Moonlight)

Bestes Filmlied

"City of Stars" (La La Land)
"Audition ("The Fools Who Dream") (La La Land)
"How Far I’ll Go" (Vaiana)
"The Empy Chair" (Jim: The James Foley Story)
"Can’t Stop This Feeling" (Trolls)

Bestes Szenenbild

La La Land
Passengers
Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
Arrival
Hail, Caesar!

Bester animierter Kurzfilm

Piper
Borrowed Time
Pear Cider and Cigarettes
Pearl
Die blinde Vaysha

Bester Kurzfilm

La Femme et le TGV
Sing
Silent Nights
Timecode
Enemies Within

Bester Tonschnitt

Hacksaw Ridge
Sully
Deepwater Horizon
La La Land
Arrival

Bester Ton

Hacksaw Ridge
Arrival
La La Land
13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi
Rogue One: A Star Wars Story

Beste visuelle Effekte

Rogue One: A Star Wars Story
Passengers
The Jungle Book
Kubo – Der tapfere Samurai
Doctor Strange
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Fazit

Es war eine Verleihung, wie man sie eigentlich vorausahnen konnte. Eine souveräne, wenn auch stets auf Nummer sicher spielende Moderation des Late-Night-Meisters Jimmy Kimmel (mit obligatorischem Matt-Damon-Trolling und sogar einer Oscars-Sonderausgabe der Mean Tweets), zahlreiche Seitenhiebe auf US-Präsident Donald Trump, mehrere mal subtilere, mal offenere politische Statements und die Gewinner in den großen Kategorien, die sich seit Wochen abgezeichnet haben.

Und dann kam das Ende der Veranstaltung, das in die Oscargeschichte eingehen wird. Worte werden dem nicht gerecht, was sich da abgespielt hat, hier also noch einmal der unrühmliche Moment, in dem der monumentale Fehler aufgedeckt wird:

https://youtu.be/09rDnd9wFQI

Obwohl manche vielleicht den Patzer bei Warren Beatty sehen werden (à la Steve Harvey bei Miss Universe), ist es recht offensichtlich, dass ihm der falsche Umschlag in die Hände gedrückt wurde, der für die Gewinnerin der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin". Da es aber zufälligerweise Emma Stone für La La Land war und der Filmtitel dann vorgelesen wurde, gingen alle einfach davon aus, dass der haushohe Favorit gewonnen hat. Das Staunen wäre von Anfang an größer gewesen, hätte er den Umschlag für Viola Davis bekommen und Fences als Sieger verkündet. Wie dem auch sei, Moonlight hat den Hauptpreis gewonnen und das kann man dem Film nicht nehmen. Zum zweiten Mal in Folge ist der Gewinner in der "Bester Film"-Kategorie nicht der Film, der die meisten Oscars des Abends gewonnen hat. Diese Ehre ging dieses Jahr an La La Land mit sechs Trophäen, während Moonlight drei gewann. Beide Filme stellten neue Meilensteine auf. Der 32-jährige La-La-Land-Regisseur Damien Chazelle wurde zum jüngsten Filmemacher in der Oscargeschichte, der die Trophäe für "Beste Regie" gewonnen hat. Derweil ist Moonlight mit einem Budget von nur $1,5 Mio der kostengünstigste Film, der je den Oscar als "Bester Film" gewonnen hat.

Die diesjährige Aufteilung der Oscars, insbesondere in der Konstellation, erinnert mich an die Oscarverleihung von 1973. Das Musical Cabaret, der damalige Favorit, gewann acht Oscars, einschließlich "Beste Regie" und "Beste Hauptdarstellerin". In der Königsklasse setzte sich jedoch Der Pate durch, der aber insgesamt nur drei Oscars gewann (wie auch Moonlight ging ein weiterer Preis an den Film für sein adaptiertes Drehbuch).

La La Land ging mit rekordträchtigen 14 Nominierungen, sieben gewonnenen Golden Globes (ebenfalls ein Rekord) und den Auszeichnungen der Produzenten- und der Regiegewerkschaft als klarer Favorit ins Rennen und ich wage zu behaupten, dass er in den meisten anderen Jahren auch gewonnen hätte. Doch wir leben in der Zeit nach Donald Trumps Wahl und die Auszeichnung für Moonlight sendet eine starke Botschaft der Akzeptanz und Toleranz, weshalb der Film immer der größte Konkurrent im Rennen war.

Auch der Triumph des iranischen Films The Salesman gegenüber dem deutschen Favoriten Toni Erdmann kann unter Umständen als eine klar politische Entscheidung interpretiert werden (auch wenn The Salesman in meinen Augen tatsächlich der bessere Film ist).

Ganz besonders gönne ich den Oscar allerdings einem Mann, dessen Namen die meisten von Euch vermutlich nicht kennen werden: Kevin O’Connell. Der Tontechniker hielt vor dieser Verleihung den traurigen Rekord der meisten Oscarnominierungen ohne einen Sieg – 20! Mit Hacksaw Ridge endete endlich diese Pechsträhne.