Quelle: Deadline

Vergangenen Freitag hat Nicolas Winding Refns Horrorprojekt The Neon Demon seine Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes gefeiert und erwartungsgemäß das Publikum gespalten. Bei mir ist das stylische Werk nicht sonderlich gut angekommen: zu platt und offensichtlich ist die Schönheitswahn-Satire, zu zahm und bestenfalls grotesk die erst spät ausbrechenden Genreanteile. Vielleicht ein zukünftiges Guilty Pleasure, doch keinesfalls das Kunstwerk, das sich hier einige aus dem Farbrausch zusammenbasteln möchten.

Bei nicht wenigen Kritikern hat die morbide Provokation mit Nekrophilie und einem frischen Blutbad Wirkung gezeigt – an der Croisette wurden Buh-Rufe laut und auch bei den hiesigen Pressevorführungen haben manche Kollegen (oder Kolleginnen) angewidert den Saal verlassen. Natürlich gibt es auch glühende Verehrer des prätentiösen Laufsteg-Schreckens, die augenblicklich auf die vermeintlich brillante „Schlüsselszene“ in der Mitte des Films verweisen (kurz: Narziss blickt in den Spiegel) oder einem sämtliche cineastische Einflüsse auf den Streifen um die Ohren hauen, so als ob mit diesen Zitaten schon alles über die Qualität gesagt sei. Am Ende bleibt das selbstverständlich alles Geschmackssache und noch habe ich den Schöpfer von Bronson, Drive oder der Pusher-Trilogie nicht abgeschrieben – auch wenn mir dessen Rachequark Only God Forgives und nun The Neon Demon eher ernüchternde Kinostunden beschert haben.

Nicolas Winding Refn Horror Remake NewsAuch in Zukunft möchte der Däne übrigens dem Horror treu bleiben – wenn auch nur in der Produzentenrolle unter seinem Space Rocket-Banner. Als Projekt ist neben den Remakes zu William Lustigs Maniac Cop und dem Vincent Price-Schocker Der Hexenjäger auch eine Neuinterpretation von Massimo Dallamanos Giallo What Have You Done To Solange? (in Deutschland in der Edgar-Wallace-Reihe unter dem Titel Das Geheimnis der grünen Stecknadel veröffentlicht) angedacht. Als einen der „großen, großen Horrorfilme seiner Periode“ sieht Winding Refn die Geschichte eines Lehrers an einer Mädchenschule, der zum Hauptverdächtigen einer grausamen Mordserie unter den Schülerinnen wird. Damals hat noch Joachim Fuchsberger gegen den Serienkiller ermittelt, während Oscar-Preisträger Ennio Morricone (The Hateful 8) den Streifen mit einem stimmungsvollen Soundtrack veredelt hat. Wer die Neuauflage kreativ betreuen wird und welche Schauspieler zum Einsatz kommen, ist aktuell noch nicht bekannt. Das Budget ist zwischen fünf und zehn Millionen US-Dollar veranschlagt und der Drehort soll L.A. werden.

Nicht bloß als flottes Cash-In mit einigen alten B-Titeln versteht NWR sein Vorhaben: „I’ve really cherry-picked films that I think have a strong potential to be reinvented and also something that is artistically out there.“ Hier erneut: Geschmackssache. Während Der Hexenjäger in meinen Augen ein wirklich intensiver Genrefilm ist, taugt Maniac Cop lediglich als durchschnittliches Videofutter – und in der riesigen Masse an 70er-Gialli gibt es definitiv interessantere Vertreter als Dallamanos Arbeit (u. a. dessen Der Tod trägt schwarzes Leder).

Aber warten wir doch einfach ab, was der künstlerische Querkopf so mit den Stoffen anstellt. Hoffentlich etwas, das konkreter auf den Punkt kommt als The Neon Demon


Titelbild © Koch Media