Milos Forman tot

Miloš Forman am Set von Amadeus (1985) © Orion Pictures

Der 1932 in der Tschechoslowakei geborene und seit den Siebzigern hauptsächlich in den USA tätige Filmregisseur Miloš Forman ist im Alter von 86 als Folge einer kurzen Erkrankung gestorben. Er starb bei sich zu Hause in Warren, Connecticut im Kreis seiner Familie.

Cineasten ist Forman hauptsächlich durch zwei seiner Werke bekannt, die als Klassiker in die Filmgeschichte eingegangen sind: Einer flog über das Kuckucksnest und Amadeus. Einer flog über das Kuckucksnest war nach Ich bin durchgebrannt (OT: Taking Off) aus dem Jahre 1971 erst Formans zweiter US-amerikanischer Film, nachdem er aus seiner Heimat in die USA immigriert ist. Die Adaption von Ken Kenseys Gegenkultur-Kultroman gewann fünf Oscars und machte Jack Nicholson zu einem der größten Stars des US-amerikanischen Kinos. Dabei gewann der Film die Oscars in den fünf "Hauptkategorien": Film, Regie, Hauptdarsteller (Nicholson), Hauptdarstellerin (Louise Fletcher) und Drehbuch. Das gelang bis heute nur zwei weiteren Filmen (Es geschah in einer Nacht und Das Schweigen der Lämmer).

Nach Einer flog über das Kuckucksnest inszenierte Forman das Musical Hair. Der Film konnte jedoch, trotz einer Golden-Globe-Nominierung, nicht an den Erfolg von Formans Vorgänger anknüpfen. Formans nächstes Film, Ragtime, wurde für acht Oscars nominiert (jedoch nicht in den Kategorien Film oder Regie). Bemerkenswert an Ragtime ist, dass James Cagney darin nach 20 Jahren Ruhestand ein letztes Mal auf die Leinwand zurückgekehrt ist.

Es war jedoch sein nächster Film, der Forman wieder die größte Anerkennung einbrachte. Für die Dreharbeiten von Amadeus über das Leben des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart kehrte er in seine Heimat zurück. In den Hauptrollen als Mozart und Salieri besetzte er die damals wenig bekannten Tom Hulce und F. Murray Abraham. Amadeus war ein Riesenerfolg für Forman. Der Film wurde für elf Oscars nominiert und gewann acht, darunter als "Bester Film". Auch Forman erhielt seine zweite Trophäe als Regisseur.

Wenig Beachtung erhielt Formans Valmont, die Adaption von "Gefährliche Liebschaften" mit Colin Firth und Annette Bening, was hauptsächlich daran lag, dass nur ein Jahr zuvor eine deutlich erfolgreichere Verfilmung von Stephen Frears in die Kinos kam.

Erst sieben Jahre später drehte Forman seinen nächsten Film. Larry Flynt – Die nackte Wahrheit (OT: The People vs. Larry Flynt) über den Hustler-Herausgeber Larry Flynt. Der Film war kein Erfolg an den Kinokassen, brachte Forman jedoch seine dritte Oscarnominierung als Regisseur ein. Hauptdarsteller Woody Harrelson wurde ebenfalls für einen Oscar nominiert. Bei der 47. Berlinale gewann Larry Flynt den Goldenen Bären.

Drei Jahre später verfilmte Forman mit Der Mondmann das Leben des kontroversen Comedians Andy Kaufman mit Jim Carrey in der Hauptrolle. Carrey wurde für seine Leistung mit einem Golden Globe prämiert und Forman bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären als "Bester Regisseur" ausgezeichnet.

Formans letzter englischsprachiger Film, Goyas Geister, kam 2006 in die Kinos und trotz einer namhaften Besetzung aus Javier Bardem und Natalie Portman erhielt er relativ wenig Aufmerksamkeit. 2009 inszenierte Forman gemeinsam mit seinem Sohn Petr den tschechischsprachigen Film A Walk Worthwhile, das Remake von Formans eigenem, gleichnamigem Film aus dem jahr 1966.

Neben den bereits genannten Auszeichnungen, wurde Forman im Laufe seiner Karriere außerdem u. a. von der BAFTA, den Golden Globes und bei den Filmfestspielen von Cannes prämiert.

Die Karriere des Regisseurs, der seine beiden Eltern während des Zweiten Weltkriegs in den Konzentrationslagern verloren hat, begann Anfang der Sechziger. Sein letzter tschechoslowakischer Film vor der Auswanderung in die USA, Der Feuerwehrball, war eine bissige Satire über Korruption und Bürokratie in seinem Heimatland. Der Film wurde bei den Oscars als "Bester fremdsprachiger Film" nominiert, in der Tschechoslawakei allerdings aufgrund seiner "antikommunistischen" Inhalte verboten.

Neben seinen Arbeiten als Regisseur war Forman gelegentlich auch als Schauspieler tätig (jedoch niemals in seinen eigenen Filmen). So trat er u. a. in Nebenrollen in Glauben ist alles (OT: Keeping the Faith) und Die Liebenden (OT: Les Bien-aimés) auf.