Martin Scorsese The Irishman

Links: Robert De Niro in Malavita – The Family (2013) © EuroCorp
Mitte: Martin Scorsese am Set von Hugo Cabret (2011) © Paramount Pictures
Rechts: Al Pacino in Danny Collins (2015) © Bleecker Street

Quelle: Deadline

Robert De Niro und Al Pacino in einem Mafiafilm von Martin Scorsese.

Wenn einem Filmfan bei diesen Worten nicht der Atem stockt, dann weiß ich auch nicht weiter. Nachdem Scorsese schon seit Jahren über eine Adaption der Biografie "I Heard You Paint Houses" über den berüchtigten Auftragsmörder der Mafia, Frank "The Irishman" Sheeran, spricht, rückt der Film in (halbwegs) greifbare Nähe. Endlich steht die Finanzierung durch Fábrica de Cine in Zusammenarbeit mit Paramount Pictures, die den Film in Nordamerika auch vertreiben werden. Der große Durchbruch kam allerdings im Rahmen des Europäischen Filmmarkts in Cannes, bei dem die internationalen Vertriebsrechte an dem Film für rekordverdächtige $50 Mio überraschend an das junge Studio STX Entertainment (u. a. verantwortlich für Filme wie The Gift und The Boy) gingen. STX stach dabei einige große Studios aus, die ebenfalls an Scorseses Film interessiert waren.

Es hat alles den Anschein, als könnte The Irishman tatsächlich Scorseses nächster Film werden. Dieses Jahr startet endlich sein Herzensprojekt und möglicherweise Oscarkandidat Silence über Jesuiten-Missionare in Japan des 17. Jahrhunderts (mit Liam Neeson und Andrew Garfield). So interessant Silence auch klingt, insbesondere da Scorsese seit 2007 um die Adaption des zugrundeliegenden Romans von Shūsaku Endō kämpfte, die meisten Filmfans werden mir zustimmen, dass The Irishman Scorseses aufregendstes Projekt der letzten zehn Jahre werden könnte – und das sagt angesichts seiner jüngsten Perlen wie The Wolf of Wall Street oder Hugo Cabret schon einiges aus.

The Irishman stellt in vielerlei Hinsicht eine Rückbesinnung Scorseses auf die Anfänge seiner Karriere dar. Mehr als zehn Jahre nach seinem Oscartriumph für Departed – Unter Feinden kehrt er mit dem Film zu dem Genre zurück, mit dem sein Name dank Klassikern wie Goodfellas und Casino synonym geworden ist – dem Gangsterfilm. Abgesehen von einem Werbekurzfilm, den Scorsese für ein Macauer Casino letztes Jahr drehte, wird The Irishman auch seine erste Zusammenarbeit mit Robert De Niro seit Casino vor über 20 Jahren sein und der neunte Film, den die beiden gemeinsam drehen werden. De Niro, der seine Karriere ebenfalls mit Mafia- und Gangsterfilmen aufgebaut hat und mit diesen Rollen so sehr assoziiert wurde, dass er sie in Reine Nervensache parodierte, soll den titelgebenden Killer spielen, der auf dem Sterbebett einem Journalisten seine Sünden beichtete. So soll auch der Mord an dem verschwundenen Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa auf Frank Sheerans Konto gehen. Für De Niro, dessen Karriere dank seiner Zusammenarbeit mit David O. Russell (Silver Linings, American Hustle, Joy) in den letzten Jahren wieder auf dem qualitativen Aufschwung ist, könnte es die große Paraderolle im hohen Alter sein.

The Irishman bringt Scorsese aber auch mit zwei weiteren seiner Lieblingsschauspieler wieder zusammen. Harvey Keitel und der heutzutage nur noch selten aktive Joe Pesci sollen ebenfalls Rollen in dem Film übernehmen. Keitel gab sein Schauspieldebüt in Martin Scorseses allererstem Film Wer klopft denn da an meine Tür? von 1967 und spielte in insgesamt fünf seiner Filme mit (zuletzt in Die letzte Versuchung Christi). Joe Pesci trat in drei von Scorseses Filmen auf, hinterließ einen sehr bleibenden Eindruck dank seiner Oscarrolle in Goodfellas, aber auch mit seinen Auftritten in Wie ein wilder Stier und Casino. The Irishman wird der erste Film des 73-Jährigen seit 2010 werden.

Allein schon die Vorstellung, De Niro, Pesci und Keitel gemeinsam in einem Scorsese-Film zu sehen ist aufregend genug, um als Fan Freudensprünge zu machen, doch die vielleicht größte Attraktion des Projekts ist die Tatsache, dass Scorsese in The Irishman erstmals mit Filmlegende Al Pacino zusammenarbeiten wird, der nach Heat und Kurzer Prozess zum dritten Mal gemeinsam mit De Niro vor der Kamera zu sehen sein wird (die beiden spielte zwar auch in Der Pate II mit, teilten aber keine Szenen). Es ist ein Zusammentreffen der Legenden vor und hinter der Kamera und auch das Drehbuch kommt nicht von schlechten Eltern. Dieses schrieb Oscarpreisträger Steve Zaillian, u. a. verantwortlich für Spielbergs Schindlers Liste und Scorseses Gangs of New York.

Mit einem veranschlagten Budget von $100 Mio soll The Irishman ganz großes Kino werden vom Altmeister seines Fachs und es muss schon sehr viel schiefgehen, damit The Irishman nicht zu einem der ganz großen filmischen Highlights des nächsten Jahre wird. Meine Vorfreude kennt keine Grenzen und so sehr ich mir auch gut gemachte Blockbuster anschaue, so gibt es vermutlich keinen Film, auf den ich mich in nächster Zeit so sehr freue wie auf diesen. Ehrlich gesagt habe ich schon die Hoffnung aufgegeben, dass wir diesen Film jemals zu sehen bekommen werden (so wie auch Scorseses Sinatra-Biopic mit Leonardo DiCaprio), doch in diesem Fall liege ich gerne im Unrecht. Das einzige, was dieses Projekt noch interessanter machen könnte, ist, wenn Scorsese auch DiCaprio für eine Rolle verpflichten kann und damit erstmals (abgesehen von zuvor genannten Werbefilm) gemeinsam mit seinen beiden Musen dreht.