Jason Reitman am Set von Young Adult (2011) © Paramount Pictures

Jason Reitman am Set von Young Adult (2011) © Paramount Pictures

Quelle: Hulu

Nach Thank You for Smoking, Juno und Up in the Air galt Jason Reitman, Sohn des Ghostbusters-Regisseurs Ivan Reitman, als einer der heißesten Regisseure Hollywoods. Juno und Up in the Air waren nicht nur riesige kommerzielle Hits, sie ernteten auch insgesamt zehn Oscarnominierungen, darunter vier für Reitman selbst. Dass Regisseure für humorvolle Filme "Beste Regie"-Nominierungen bekommen ist selten, doch Reitman gelang das zweimal in Folge. Alles, was er anfasste, wurde zu Gold. So dachte man jedenfalls, doch bereits Young Adult brachte 2011 eine Ernüchterung. Zwar waren die Kritiken der bitterbösen, zynischen Komödie immer noch solide, doch weder finanziell noch bei den Filmpreisen machte der Film mit Charlize Theron einen Eindruck. Noch schlechter schnitt Labor Day mit Kate Winslet und Josh Brolin ab, der nicht einmal $15 Mio in den USA eingespielt hat. Hoffnung auf einen Rebound gab es mit seinem neusten Film, Men, Women & Children (der in Deutschland als #Zeitgeist – mit Hashtag – den Preis für den beklopptesten deutschen Filmtitel des Jahres gewinnt!), dessen Trailer sich nach L.A. Crash fürs Social-Media-Zeitalter anmutete. Kein schlechter Vergleich, wenn man den Oscarsieg von L.A. Crash bedenkt. Doch das Aufgreifen des aktuellen Themas ging für Reitman nach hinten los. Die Kritiker zerrissen den Film mit Adam Sandler und Jennifer Garner und an den US-Kinokassen wird er nicht einmal $1 Million einspielen. Das ist nicht nur schlecht, das ist blamabel. Hat Reitman sein Potenzial vielleicht früh ausgeschöpft? Wiederholt sich die Geschichte seines Vaters? Auch Ivan Reitman hat sein Pulver ziemlich schnell verschossen und bereits seit langer Zeit keinen sehr guten Film mehr gemacht.

Nach drei Reinfällen in Folge, versucht Jason Reitman jetzt also was Neues – er wechselt ins Serienfach, was heutzutage sowieso alle großen Namen irgendwann tun. Doch er wird keine Serie für einen Fernsehsender produzieren, sondern eine für die Streaming-Plattform Hulu, die bereits die Miniserien-Adaption von Stephen Kings "Der Anschlag" produziert. Das Serienprojekt heißt "Casual" und ist eine Sitcom, die von einer dysfunktionalen Familie handelt. Ein Junggeselle lebt gemeinsam mit seiner frisch geschiedenen Schwester. Gemeinsam unterstützen sie sich gegenseitig in der verrückten Dating-Welt (online wie offline) von heute, während sie wieder unter einem Dach leben und gemeinsam einen Teenager großziehen.

Reitman produziert die von Zander Lehmann geschrieben Serie und wird auch die erste Folge inszenieren. Hulu hat direkt eine Staffel aus zehn Folgen für "Casual" in Auftrag gegeben. Vielleicht wird die Serie ja seinem angeschlagenen Ruf etwas helfen. Er wäre auch nicht der erste Regisseur, der für einen Streaming-Dienst eine Serie produziert. David Fincher machte das mit "House of Cards" bei Netflix vor und auch Judd Aptow produziert für Netflix die Sitcom "Love" mit Gillian Jacobs.

Und noch einmal am Rande – wie bescheuert ist eigentlich der deutsche Titel #Zeitgeist?! Wer kommt auf so eine Idee?