Quelle: Film Independent Spirit Awards

Die Independent Spirit Awards eröffnen abermals die neue Oscar-Saison. Zum 31. Mal werden nächstes Jahr die Independent Spirit Awards verliehen, allerdings erst am 26. Februar. Obwohl die Nominierungen für die Auszeichnungen direkt zu Beginn der Oscar-Saison verkündet werden, werden die Gewinner erst kurz vor der eigentlichen Oscarverleihung bekanntgegeben.

Wie immer ist die Vorhersagekraft der Auszeichnungen durch die Restriktionen der potenziellen Nominees eingeschränkt. Die Non-Profit Organisation Film Independent (mit ca. 6300 Mitglieder) nominiert jährlich Filme und Filmschaffende im Bereich des Independent-Films. Die Voraussetzungen sind dabei, dass die Filme von den USA zumindest zum großen Teil mitproduziert werden müssen (natürlich außer in der Kategorie „Bester internationaler Film“) – weshalb Streifen wie Ex Machina, Brooklyn und Macbeth dieses Jahr von vorneherein ausgeschlossen waren – und das Budget $20 Mio nicht überschreitet. Es sollen bei diesen Preisen vor allem kleinere Filme abseits des Mainstreams geehrt werden.

Nichtsdestotrotz erwiesen sich die Indie Spirit Awards, wie die Preise manchmal auch genannt werden, als gute Prädiktoren für die Oscars in den letzten beiden Jahren. Nicht nur stimmte der Gewinner in der Kategorie „Bester Film“ mit dem der Oscars überein, auch von den letzten acht Gewinnern der Schauspielpreise (in vier Kategorien) wurden sieben auch bei den Oscars in den gleichen Kategorien ausgezeichnet. Lediglich in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ gewann bei den Oscars Michael Keaton für Birdman nicht, obwohl er hier ausgezeichnet wurde. Das spricht vor allem aber auch dafür, dass die Oscars in den letzten beiden Jahren hauptsächlich kleinere Independent-Filme ausgezeichnet haben.

Dieses Jahr könnte es anders werden, denn größere Favoriten wie Tarantinos The Hateful Eight, Iñárritus The Revenant, David O. Russells Joy und Ridley Scotts Der Marsianer haben sich aufgrund der Budgeteinschränkungen nicht für die Indies qualifiziert. Allerdings wurden auch hier einige Titel nominiert, von denen wir in den nächsten Monaten noch häufiger lesen werden, allen voran Todd Haynes‘ Carol und Tom McCarthys Journalismusdrama Spotlight.

Carol führte die Nominiertenliste gemeinsam mit Netflix‚ Kindersoldatendrama Beasts of No Nation an. Beide erhielten jeweils sechs Nominierungen. Das gelang letztes Jahr nur Birdman. Für Beasts of No Nation ist es ein großer Triumph und möglicherweise ein Schritt auf dem Weg in Richtung der Oscars. Bei Carol war es wiederum seit dem gefeierten Cannes-Debüt klar, dass der Streifen über die verbotene lesbische Beziehung zwischen einer Hausfrau (Cate Blanchett) und einer Verkäuferin (Rooney Mara) in den fünfziger Jahren eine große Rolle bei den Oscars spielen würde. Interessant (und berechtigt!) ist, dass hier sowohl Cate Blanchett als auch Rooney Mara als „Beste Hauptdarstellerin“ nominiert wurden. Ich befürchte aber, dass Mara bei den Oscars in die „Nebendarstellerin“-Kategorie abgeschoben werden wird.

Spotlight schnitt mit vier Nominierungen auch gut ab. Ein wenig enttäuschend muss das Ergebnis für das Drama Raum sein, das beim Toronto International Film Festival dem Publikumspreis gewann und seitdem ebenfalls als einer der großen Oscarkandidaten gilt. Zwar erhielt die Bestsellerverfilmung drei Nominierungen, jedoch keine für den Film oder die Regie.

Mich persönlich freuen ganz besonders die drei Nominierungen für den genialen Horrorstreifen It Follows, der für seine Regie, seinen Schnitt und seine Kameraarbeit nominiert wurde. Zwar hat der Film leider keine großen Chancen auf den Sieg in einer dieser Kategorien, aber ich würde es ihm sehr gönnen. Insgesamt habe ich die starke Vermutung, dass Carol hier abräumen wird und Beasts of No Nation und Spotlight sich die restlichen Preise teilen werden.

Die komplette Liste der Nominierungen:

Bester Film

Anomalisa
Beasts of No Nation
Carol
Spotlight
Tangerine

Beste Regie

Sean Baker (Tangerine)
Cary Joji Fukunaga (Beasts of No Nation)
Todd Haynes (Carol)
Charlie Kaufman und Duke Johnson (Anomalisa)
Tom McCarthy (Spotlight)
David Roger Mitchell (It Follows)

Bestes Drehbuch

Charlie Kaufman (Anomalisa)
S. Craig Zahler (Bone Tomahawk)
Phyllis Nagy (Carol)
Donald Margulies (The End of the Tour)
Tom McCarthy und Josh Singer (Spotlight)

Bester Debütfilm

The Diary of a Teenage Girl
James White
Manos Sucas
Mediterranea
Songs My Brothers Taught Me

Bestes Debüt-Drehbuch

Marielle Heller (The Diary of a Teenage Girl)
Jesse Andrews (Ich und Earl und das Mädchen)
Jonas Carpignano (Mediterranea)
John Magary, Russell Harbaugh, Myna Joseph (The Mend)
Emma Donoghue (Raum)

Bester Hauptdarsteller

Christopher Abbot (James White)
Abraham Attah (Beasts of No Nation)
Ben Mendelsohn (Dirty Trip)
Jason Segel (The End of the Tour)
Koudous Seihon (Mediterranea)

Beste Hauptdarstellerin

Bel Powley (The Diary of a Teenage Girl)
Cate Blanchett (Carol)
Brie Larson (Raum)
Rooney Mara (Carol)
Kitana Kiki Rodriguez (Tangerine)

Bester Nebendarsteller

Kevin Corrigan (Results)
Paul Dano (Love & Mercy)
Idris Elba (Beasts of No Nation)
Richard Jenkins (Bone Tomahawk)
Michael Shannon (99 Homes)

Beste Nebendarstellerin

Robin Bartlet (H.)
Marin Ireland (Glass Chin)
Jennifer Jason Leigh (Anomalisa)
Mya Taylor (Tangerine)
Cynthia Nixon (James White)

Beste Kameraarbeit

Beasts of No Nation
Carol
It Follows
Meadowland
Songs My Brothers Taught Me

Bester Schnitt

Beasts of No Nation
Heaven Knows What
It Follows
Raum
Spotlight

Bester Dokumenarfilm

Best of Enemies
Heart of a Dog
The Look of Silence
Meru
Russian Woodpecker
(T)error

Bester internationaler Film

Embrace of the Serpent
Girlhood
Mustang
Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach
Son of Saul

John Cassavetes Award (Filme mit einem Budget unter $500,000)

Advantageous
Christmas, Again
Heaven Knows What
Krisha
Out of My Hand