Chihiros Reise ins Zauberland (2011) © Studio Ghibli

Quelle: Anime News Network

Japanische Animes haben schon längst auch jenseits ihres Herkunftslandes eine große Fangemeinde erreicht und der Anstieg ihrer Popularität ist nicht zuletzt einem Mann zu verdanken: Hayao Miyazaki. Der Mitbegründer von Studio Ghibli, das unter Fans der Animationskunst in einem Atemzug mit Pixar oder Disney Animation genannt werden darf, produzierte insgesamt elf spielfilmlange Animes in seiner Karriere und hat sich spätestens mit dem Duo Prinzessin Mononoke (1997) und Chihiros Reise ins Zauberland (2001) einen Platz unter den größten und gefeiertsten Animationskünstlern aller Zeiten verdient. Gerade Chihiros Reise ins Zauberland wurde für Miyazaki zu einem überwältigenden (und sehr verdienten) weltweiten Erfolg. Nicht ist er bis heute ungeschlagen als der umsatzstärkste Film aller Zeiten in Japan, er gewann 2002 als erster (und bislang einziger) Animationsfilm überhaupt den Goldenen Bären bei der Berlinale, und ein Jahr später den Oscar als „Bester Animationsfilm“. Auch Miyazakis Das wandelnde Schloss und sein letzter Film, Wie der Wind sich hebt, wurden jeweils für einen Oscar nominiert.

Miyazaki hat in Vergangenheit mehrfach angekündigt, in den Ruhestand gehen zu wollen, doch 2013 machte er schließlich ernst und gab bekannt, dass Wie der Wind sich hebt sein finaler Film werden würde. Es entpuppte sich als eine folgenschwere Entscheidung, die nicht nur alle Miyazaki-Fans weltweit in tiefe Trauer stürzte, sondern auch dazu führte, dass Studio Ghibli nur ein Jahr später, im Sommer 2014, bekanntgab, vorerst die Produktion von Animationsfilmen auf unbestimmte Zeit einzustellen. Miyzakis Rücktritt hat das Studio in eine Krise gestürzt, nach der es sich erst einmal restrukturieren muss. Es war also gleich ein doppelter Verlust für alle Anime-Fans, denn auch ohne Miyazaki hat Ghibli die Welt mit wunderbaren, fantasievollen Filmen bereichert, was die Oscarnominierungen für die vorerst letzten beiden Filme des Studios bezeugen (Die Legende von Prinzessin Kaguya und Erinnerungen an Marnie).

Ob und wann Studio Ghibli die Produktion von Animationsfilmen wieder aufnehmen wird, ist noch unklar, doch es gibt jetzt einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Der 75-jährige Miyazaki soll tatsächlich erwägen, aus dem Ruhestand zurückzukehren. Letztes Jahr wurde angekündigt, dass Miyazaki für das offizielle Museum von Studio Ghibli den computeranimierten Kurzfilm Boro the Caterpillar über eine winzige Raupe produzieren würde. Jetzt nimmt diese Geschichte eine interessante Wendung, denn scheinbar ist Miyazaki mit dem Kurzformat des Films so unzufrieden, dass er stattdessen eine Langfilmversion plant. Diese habe zwar noch nicht offiziell grünes Licht, doch Miyazaki arbeitet bereits an dem Film, der 2019 in die Kinos kommen könnte – 40 Jahre nach Miyazakis Debütfilm Das Schloss des Caligostro.

Sollte diese Meldung sich bewahrheiten, ist sie ein früher Anwärter für die beste News des Monats. Miyazaki ist ein Künstler wie kein anderer, sein Chihiros Reise ins Zauberland gehört für mich zu den besten Animationsfilmen aller Zeiten und Erinnerungen an Marnie hat mir zuletzt klargemacht, wie sehr ich die Filme von Studio Ghibli vermissen werde. Ich hoffe, dass dieser neue Film vielleicht den Anstoß für das gesamte Studio gibt, wieder neue Projekte zu entwickeln. Aber auch wenn nicht, wäre ich schon für einen 12. Miyazaki-Film äußerst dankbar, so wie vermutlich jeder andere Liebhaber der Animationskunst weltweit.