George A. Romero am Set von „Land of the Dead“ (2005) © Universal Pictures

Quelle: Variety

George A. Romero, der legendäre Horror-Filmemacher, der mit Die Nacht der lebenden Toten das Genre revolutionierte und die ersten Regeln für ein eigenes Subgenre, den Zombie-Horrorfilm, festlegte, ist tot. Romero verlor gestern den kurzen aber heftigen Kampf gegen Lungenkrebs. Er starb umgeben von seiner Familie und laut der Mitteilung seiner Witwe Suzanne Desrocher Romero, hörte er vor seinem Tod noch die Musik von John Fords Der Sieger (OT: The Quiet Man), einem von Romeros Lieblingsfilmen. Ein Filmliebhaber bis zu seiner letzten Minute.

Romero war nur 27 Jahre alt, als er seinen Debütfilm Die Nacht der lebenden Toten drehte, der das beeindruckende Fundament für seine künftige Karriere legte. Für nur $114.000 produziert, erschien der schwarzweiße Zombie-Horrorfilm 1968, wurde schnell zu einem Kultklassiker und nahm mehr als $30 Mio ein. Zwar waren Zombies kein brandneues Konzept, doch Romeros Film zeigte die von Instinkten getriebenen, nach Fleisch gierenden Monster, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat und erschuf damit eine Blaupause für das Genre, die bis heute großen Einfluss auf Filmemacher hat. Zombies prägten auch den Rest von Romeros Karriere, weshalb er zu Recht als der Pate des modernen Zombiefilms gilt. Doch es vergingen zehn Jahre nach seinem Filmdebüt, bis er zu den Untoten zurückkehrte. Sein berühmtester Film in der Zwischenzeit war The Crazies von 1973, der 2010 neu verfilmt wurde. Viel weniger bekannt ist Romeros zweiter Film, die romantische Komödie (!) There’s Always Vanilla, die Romero selbst später als seinen mit Abstand schlechtesten Film bezeichnete.

1978 inszenierte Romero mit Zombie, der mittlerweile noch besser unter seinem Originaltitel Dawn of the Dead bekannt ist, den für viele Horrorfans besten Zombiefilm aller Zeiten. Noch deutlicher als im Vorgänger trat der politische und sozialkritische Subtext des Films in den Vordergrund. Gleichzeitig war der Film ungewöhnlich brutal für seine Zeit, was seine Popularität unter Genrefans erhöhte.

Romero drehte vier weitere Filme der of-the-Dead-Reihe: Zombie 2 bzw. Day of the Dead (1985), Land of the Dead (2005), Diary of the Dead (2007) und Survival of the Dead (2009). Nach 2000 konzentrierte sich seine Karriere ausschließlich auf Zombiefilme und er hat dabei nie die Kritik an den herrschenden sozialen Missständen aus den Augen verloren.

Zu Romeros weiteren bekannten Filmen gehören seine Zusammenarbeiten mit Stephen King: die Romanverfilmung Stark – The Dark Half und der Episodenfilm Creepshow, für den King das Drehbuch schrieb und in dem er auch eine Rolle übernahm. Auch mit dem italienischen Horrormeister Dario Argento hat Romero zusammengearbeitet, beim Episodenfilm Two Evil Eyes, der lose auf Edgar Allan Poes Kurzgeschichten basiert.

Romero war ein echter Autorenfilmer, schrieb fast alle seine Filme selbst und hatte auch das Privileg der finalen Schnittfassung.

Als eingefleischter Filmfan, treffen einen die Tode von Filmschaffenden mehr als Durchschnittsbürger. Natürlich gehen auch dabei manche Tode einem näher als andere. Als Wes Craven, Alan Rickman, Leonard Nimoy und Roger Ebert starben, war ich fassungslos, denn auf unterschiedliche Art und Weise „begleiteten“ und prägten sie meine Entwicklung als Filmfan bzw. Journalist. Ähnlich geht es mir jetzt bei Romero, der neben Craven auch großen Einfluss auf meine Entwicklung als Horrorfan hatte. Sein Schaffen wird unvergessen bleiben.

Umso trauriger finde ich es, dass Romero in den letzten Jahren seines Lebens Schwierigkeiten hatte, Geldgeber für seine neusten Ideen zu finden. Filme wie Resident Evil und Zack Snyders Dawn-of-the-Dead-Remake entfachten vor über zehn Jahren wieder das Interesse an Zombies im Kino und „The Walking Dead“ machten sie populärer denn je. Doch für Romeros langsamere, bedachte Zombiefilme gab es im Mainstream keinen Platz mehr. So hatte Romero eine Idee für einen Zombie-Noir-Film, konnte aber die Finanzierung nicht sicherstellen.

Romeros finales Projekt, über das er noch kurz vor seinem Tod gesprochen hat, war Road of the Dead, zu dem er bereits vor mehreren Jahren die Idee hatte. Der Film wurde von Romero als eine wilde Mischung aus Fast & Furious, Mad Max und Rollerball beschrieben – nur eben mit Zombies. Auch Ben-Hur soll ein direkter Einfluss sein. Matt Birman, der an den letzten drei Romero-Filmen als Second-Unit-Regisseur mitwirkte, soll mit Road of the Dead sein Regiedebüt feiern. Romero schrieb gemeinsam mit ihm das Drehbuch und wollte den Film produzieren, doch auch hier stieß er es das gleiche Problem – keine Geld. Beim Fantasia Festival, das aktuell in Montréal läuft, sollten die Geldgeber für den Film gefunden werden. Ich kann hoffen, dass diese letzte Arbeit vo Romero quasi als sein Nachlass an die Welt ihren Weg in die Kinos finden wird.