Quelle: Boxofficemojo

Nach der Box-Office-Pleite, die Pixar letztes Jahr mit Arlo & Spot hinnehmen musste, meldete sich das Studio am Freitag mit voller Wucht zurück und ließ abermals keine Zweifel daran, welche Animationsschmiede in Hollywood die erfolgreichste ist. Das lange erwartete Sequel Findet Dorie verbuchte einen gigantischen Starttag in Höhe von knapp $55 Mio von 4305 Kinos (breitester Start seit über zwei Jahren und der zweitbreiteste überhaupt für einen Animationsfilm, hinter Für immer Shrek). Es war der mit Abstand umsatzstärkste Starttag aller Zeiten für einen Animationsfilm. Damit brach Findet Dorie den Rekord, den Minions erst letztes Jahr mit $46 Mio aufgestellt hatte, um 19%, und den eigenen Pixar-Rekord von Toy Story 3 um unglaubliche 34%! Es war außerdem der drittbeste Starttag des Jahres bislang, hinter Batman v Superman: Dawn of Justice und The First Avenger – Civil War. Von dem Einspiel entfielen $9,2 Mio auf die Previews am Vortag, ebenfalls ein neuer Rekord für einen Animationsfilm. Minions spielte letztes Jahr $6,2 Mio in den Previews ein.

Der Riesenstart ist ein Ergebnis vieler Faktoren, allen voran aber der unglaublichen Beliebtheit des Originalfilms. Als Findet Nemo vor 13 Jahren in die Kinos kam, wurde er mit $340 Mio zum erfolgreichsten Film des Sommers 2003 und überholte nach neun Jahren den Rekord von Der König der Löwen als erfolgreichster Animationsfilm aller Zeiten in Nordamerika. Dieser Rekord gehört übrigens seit nunmehr 12 Jahren (!) Shrek 2 mit $441,2 Mio und Findet Dorie könnte den DreamWorks-Film endlich entthronen, nachdem Toy Story 3 vor sechs Jahren daran scheiterte. Im Heimkino wurde Findet Nemo zu einem noch viel größeren Publikumsliebling und ist bis heute der meistverkaufte Film aller Zeiten auf DVD in den USA, mit weit über 20 Millionen verkauften Exemplaren. Es war dieser Film, der das wirkliche Potenzial von Pixar als Box-Office-Übermacht zeigte und gewann dem Studio seinen ersten Animationsoscar (viele sollten folgen). Inflationsbereinigt beläuft sich das Original-Einspiel von Findet Nemo in Nordamerika (exklusive der 3D-Wiederaufführung) auf mehr als $480 Mio! Da ist es kein Wunder, dass Findet Dorie gleich mit Monsterzahlen an den Start ging.

Doch es gab auch weitere Umstände, die den Start begünstigt haben. Zum einen waren es sehr positive Kritiken, zwar nicht ganz auf dem Niveau des Vorgängers, aber dennoch deutlich über denen zu Arlo & Spot oder dem Pixar-Sequel Die Monster Uni. Zum anderen hungerte der Markt schon lange nach einem großen Animationsfilm. Seit Zoomania war der einzige halbwegs nennenswerte Animationsfilm, der in US-Kinos veröffentlicht wurde, Angry Birds, und auch er schrieb nur mäßige Box-Office-Zahlen. Findet Dorie hatte also den Familienmarkt mehr oder weniger ganz für sich.

Am Wochenende wird der Film sehr vom Vatertag am Sonntag profitieren, traditionell ein Tag in den USA, an dem Animationsfilme sich besonders gut halten. Auch Toy Story 3 startete vor sechs Jahren am Vatertag-Wochenende ebenso wie Pixars Alles steht Kopf letztes Jahr. Wenn Findet Dorie deren exaktem Verlauf folgt, wird der Film am Wochenende etwa $147 Mio einspielen. Doch der relativ hohe Anteil der Previews am Starttag deutet auch auf gewisse Frontlastigkeit hin, sodass der Film sich vermutlich etwas schlechter halten und „nur“ $138-145 Mio erreichen wird. Das wäre aber schon mehr als genug, um nach neun Jahren endlich den Animations-Startrekord von Shrek der Dritte ($121,6 Mio) zu brechen.

Die Mundpropaganda zum Film ist sehr positiv. Die Zuschauer vergaben am Starttag im Schnitt einen „A“-CinemaScore (äquivalent einer „1“), wobei der Film die Höchstwertung nur knapp verpasste. Mit The BFG, Pets und Ice Age – Kollision voraus! kommt im Juli natürlich viel Konkurrenz auf ihn zu, doch Findet Dorie scheint das Must-See-Filmevent des Sommers zu sein und die anderen Filme werden ihm nicht viel anhaben können. Wenn er sich so gut hält wie Toy Story 3, könnte er bis zu $540 Mio in Nordamerika erreichen; wenn der Multiplikator eher so ausfällt wie bei Die Monster Uni, werden es etwa $450-460 Mio. Auf jeden Fall ist es jetzt schon sicher, dass Findet Dorie zumindest vorerst der umsatzstärkste Film des Jahres werden wird sowie der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten in den USA und in Kanada. Ein Gesamteinspiel in der Nähe von $500 Mio halte ich für machbar.

Doch Findet Dorie war nicht der einzige Neustart am Freitag, der sein Studio glücklich gemacht hat. Die Actionkomödie Central Intelligence mit Dwayne „The Rock“ Johnson und Kevin Hart spielte $13 Mio am ersten Tag ein und steuert dank Vatertag auf ein $35-37-Mio-Wochenende zu. Der Starttag ist nahezu identisch zu dem von Der Knastcoach mit Kevin Hart aus dem letzten Jahr. Jedoch sollte Central Intelligence vom Vatertag profitieren und generell deutlich bessere Mundpropaganda haben. Die Kinogänger bewerteten den Streifen im Schnitt mit einem guten „A-„-CinemaScore (äquivalent einer „1-„). Sollte Central Intelligence $35 Mio am Wochenende erreichen, wird es das größte Startwochenende sein, das ein Film am gleichen Wochenende geschafft hat, an dem ein anderer Film mit mehr als $100 Mio eröffnete. Dieser Rekord gehört bislang Blind Side mit $34,1 Mio. Sowohl Hart als auch Johnson sind klare Box-Office-Magnete und gerade die Paarung der beiden funktionierte im Marketing genau so gut wie von Hart und Ice Cube in den erfolgreichen Ride-Along-Filmen. Außerdem zeigt sich hier erneut ein gutes Gespür des Regisseurs Rawson Marshall Thurber, der mit Wir sind die Millers ($150,4 Mio) und Voll auf die Nüsse ($114,3 Mio) bereits zwei große Comedy-Hits vorzuweisen hat. Central Intelligence sollte in den USA mehr als $115 Mio einspielen – bei einem Produktionsbudget von nur $50 Mio!

Weit abgeschlagen auf Platz 3 landete der Sieger der Vorwoche Conjuring 2 mit $5,4 Mio. Nach acht Tagen steht das Horror-Sequel bei $61,6 Mio. Conjuring 2 startete nur 3% unter seinem Vorgänger, liegt jedoch jetzt schon 11% hinter ihm zurück im selben Zeitraum. Verglichen zur Vorwoche verlor der Horrorfilm knappe 67% und wird wohl keine lange Laufzeit in den Kinos haben. Am Wochenende wird Conjuring 2 etwa $15-16 Mio einspielen. Insgesamt wird der Film zwar vermutlich ganz knapp an $100 Mio vorbeikriechen, viel mehr ist aber auch nicht drin. Für eine $40-Mio-Produktion mit einem R-Rating ist natürlich auch das ein hervorragendes Ergebnis.

Ähnlich stark fiel auf Platz 4 Die Unfassbaren 2 mit $2,8 Mio und einem Gesamteinspiel von $34,5 Mio nach acht Tagen. Der Film wird jedoch mehr vom Vatertag profitieren und sollte auf mindestens $9 Mio am Gesamtwochenende kommen.

Ganz übel traf es die Videospielverfilmung Warcraft: The Beginning, die 82% gegenüber dem Starttag vor einer Woche abbaute und lediglich $1,9 Mio an ihrem zweiten Freitag einspielte. Bis dato hat Warcraft nur $33,1 Mio in Nordamerika eingenommen und wird vermutlich letzten Endes nicht einmal $50 Mio erreichen – eine erbärmliche Performance für die $160-Mio-Produktion, die inflationsbereinigt nicht einmal die Umsätze von Resident Evil und Silent Hill in Nordamerika erreichen wird. Universal kann von Glück reden, dass der Film in China so gut läuft.

Die Romanze Ein ganzes halbes Jahr nahm $1,5 Mio am Freitag ein und rutsche auf Rang 6 der Charts ab. Nach 15 Tagen steht der Film bei ordentlichen $43,7 Mio in Nordamerika und sollte etwa $4,5 Mio am 3-Tages-Wochenende einspielen. Insgesamt winken hier etwa $55-60 Mio.

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows hat den Doppelschlag von Findet Dorie und Central Intelligence nicht gut verkraftet und stürzte um 63% gegenüber dem vorherigen Freitag auf nur noch $1,5 Mio. Mittlerweile hat der Film etwa $68,2 Mio eingespielt (nur knapp mehr als der erste Film alleine am Startwochenende). Er wird in Nordamerika vermutlich sogar die $90-Mio-Marke verfehlen und damit mehr als 50% unter seinem Vorgänger landen.