Quelle: Variety

„Was Marvel kann, können wir auch!“ Das scheint seit 2012 der vorherrschende Gedanke vieler Studios zu sein, wenn es um Franchise-Planung geht. Das Marvel Cinematic Universe ist bei seiner Einführung in seinen Maßstäben einzigartig gewesen und dank großartiger Vorausplanung auch sehr erfolgreich und von Millionen von Fans heiß geliebt. Weniger positiv sind allerdings die Auswirkungen zu werten, die Marvels Ansatz auf die Denkweise anderer Studios hatten. Hat man früher noch erst einen Film gemacht und dann, bei Erfolg, ein Sequel produziert und dann noch ein Sequel (und so weiter), reicht das heute nicht aus. Man möchte Filmuniversen, in denen diverse miteinander verwobene Sequels, Spin-Offs und Originalfilme ein einheitliches, großes Ganzes bilden. Bei Warner Bros. DC-Comicfilm-Universum macht es natürlich noch Sinn. Bei Transformers vielleicht weniger, doch das hält Paramount nicht davon ab, das zu planen. Nicht jede solche Planung geht zum Glück auf. Paramount wollte auch ein Tom-Clancy-Filmuniversum aufbauen rund um seine Romancharaktere Jack Ryan und John Clark, doch bereits der erste Film, Jack Ryan: Shadow Recruit mit Chris Pine, floppte und setzte diesen ambitionierten Plänen ein jähes Ende.

Noch bescheuerter ist Sonys Idee eines großen Robin-Hood-Filmuniversums, in dem einzelne Charaktere rund um den Robin-Hood-Mythos eigene Filme bekommen würden. Aber wer interessiert die Zuschauer überhaupt abgesehen von Robin Hood? Wollen wir wirklich einen Film über Bruder Tuck?

Auch Universal möchte ins Filmuniversen-Spiel einsteigen. Als Sprungbrett nutzt das Studio dafür, wie auch Paramount, sein erfolgreichstes Franchise – Fast & Furous. Erst dieses Jahr wurde Fast & Furious 7 zum weltweit vierterfolgreichsten Film aller Zeiten. Teil 8 ist bereits in Planung und soll im April 2017 voraussichtlich unter F. Gary Grays (Straight Outta Compton)  Regie in die Kinos kommen. Wir wissen auch schon, dass Fast & Furious 8 der erste einer Trilogie von Filmen sein wird, die das Franchise dann beenden soll. Doch wer glaubt, dass es mit Fast & Furious 10 vorbei sein wird, wird selig. Universal offenbarte nun Pläne für Spin-Offs in diesem Universum. Vin Diesel äußerte sich selbst zuversichtlich dazu: (aus dem Englischen)

Wir haben bereits ausführliche Geschichten für verschiedene Charaktere geschrieben. Wir spielen seit geraumer Zeit damit herum. Es ist ein sehr reichhaltiges Franchise und wir verpflichten uns dazu, es gebührend zu behandeln.

Am meisten macht eigentlich ein Spin-Off über Dwayne Johnsons Charakter Hobbs Sinn und wäre auch die einzige Spin-Off-Option, der ich großen Erfolg zutrauen würde. Allerdings vergisst Universal, dass diese Filme gerade wegen ihres bestehenden Ensembles, ihrer „Familie“, bei vielen Fans so beliebt sind. Einzelne Charaktere herauszupicken und im Alleingang auf neue Action-Abenteuer zu schicken widerspricht dem, was das Franchise seit einigen Filmen darstellt. Es ist kein Zufall, dass die Reihe seit dem fünften Film in neue Erfolgssphären vorgedrungen ist und auch ich habe seit Teil 5 deutlich mehr Spaß an dem Franchise. Aber ein Filmuniversum muss ich neben den geplanten Fortsetzungen nicht haben.