Quelle: The Daily Beast

Das Beste, das ich über das misslungene Fantastic-Four-Reboot aus dem letzten Jahr sagen kann, ist, dass er mich tatsächlich den Fantastic-Four-Film von 2005 rückblickend mehr schätzen ließ. Ja, es geht offenbar auch schlechter, viel schlechter sogar. Auch nach drei Anläufen hat 20th Century Fox es nicht geschafft, Marvels Superhelden-Quartett einen angemessenen Film zu spendieren. Im Gegenteil, der neue Fantastic Four war einer der absoluten Tiefpunkte in der aktuellen Welle von Comicbuchverfilmungen.

Doch wer trägt daran eigentlich die Schuld? Bereits im Vorfeld generierte der Film Kontroverse durch die Besetzung von Michael B. Jordan als Johnny Storm alias Die menschliche Fackel. Als der Film dann herauskam, stellte sich schnell heraus, dass Jordan definitiv zu den geringsten Problemen des Films gehörte, dessen zähes Tempo, inkohärente Geschichte und ein gehetzter Showdown ihm nicht umsonst drei Goldene Himbeere bescherten sowie für den Untergang des Films an den Kinokassen sorgten. Gerade das Finale fühlte sich so an, als sei es in letzter Sekunde zusammengebastelt und angehängt worden. Nach über einer Stunde Exposition, folgte der unspektakuläre große Kampf und dann war es auch schon vorbei. Diese seltsame Struktur haben wir höchstwahrscheinlich den Nachdrehs zu verdanken, die Fox über den Kopf des Regisseurs Josh Trank hinweg anordnete. Einen Tag vor dem US-Release des Films schrieb der Filmemacher über Twitter, dass er ein Jahr zuvor eine fantastische Version des Films hatte, die großartige Kritiken bekommen hätte und die die Kinogänger nie zu Gesicht bekommen würden. Zwar löschte Trank den Tweet ziemlich schnell, doch zu diesem Zeitpunkt hat sich seine Anti-Werbung für den eigenen Film wie ein Lauffeuer im Internet verbreitet.

Der britische Schauspieler Toby Kebbell, der in Fantastic Four den Bösewicht Doctor Doom spielte (der diesmal tatsächlich noch misslungener war als Julian McMahons Doom in den beiden Filmen davor), hat Tranks Aussage kürzlich erneut bestätigt: (aus dem Englischen)

Ich sage euch, die Wahrheit ist, Josh Trank hat einen großartigen Film gemacht, den ihr nie zu sehen bekommen werdet. Das ist eine Schande. Eine viel düsterere Version und ihr werdet sie nie sehen.

Interessant ist, dass gerade eine der größten Beschwerden, die viele hatten, war, dass der Film den leichtfüßigen, lockeren und humorvollen Ton der Fantastic-Four-Comics nicht traf und unter seiner eigenen Ernsthaftigkeit und Tristheit erdrückt wurde. Ob eine noch düsterere Fassung die Fans und die Kritiker tatsächlich hätte den Film mit völlig anderen Augen sehen lassen? Da bin ich mir nicht ganz sicher, auch wenn ich lügen würde, wenn ich sagen würde, dass mich die Aussicht auf so eine Fassung nicht zumindest ein klein wenig neugierig machte. Immerhin wäre der Ton des Films dann vermutlich durchgehender und konsequenter. Doch ich bezweifle, dass irgendeine Schnittfassung aus Fantastic Four hätte einen großartigen Film machen können.

Kebbell äußerte außerdem seinen Frust darüber, dass die meisten seiner Szenen als Doctor Doom es gar nicht in den Film geschafft haben:

Ich spiele Doom in genau drei Szenen. Wenn ich einen Korridor entlanggehe, wenn ich den Arzt töte und in die Zeitmaschine steige und wenn ich auf der Bank liege. Das sind die einzigen Szenen, in denen ich unter Dooms Maske stecke. Alles andere war irgendein anderer Kerl, an einem anderen Tag, der irgendwas anderes gemacht hat. Ich war wütend, dass er so humpeln durfte! Ich habe die Pressetour zu Planet der Affen verpasst, weil ich unter Trümmern lag und langsam aus der Asche emporstieg als Doctor Doom. Natürlich ist die Szene nicht in dem Film!

Glaubt Ihr, dass Fantastic Four zumindest das Potenzial für einen großartigen Film hatte, der durch die Einmischung des Studios ruiniert wurde oder war der Film so oder so ein hoffnungsloser Fall?