Quelle: The Hollywood Reporter

Ist Euch vielleicht aufgefallen, wie viele Blockbuster zumindest zum Teil in China spielen, mit chinesischen Nebendarstellern? Das kommt nicht von ungefähr. Chinas Kinoindustrie wächst rasant und bei einer Bevölkerung von mehr als 1,35 Milliarden ist es kein Wunder, dass die Nachfrage groß ist, insbesondere da diese jahrzehntelang vernachlässigt wurde. Bereits vor drei Jahren wurde China zum zweitgrößten Filmmarkt der Welt und wenn die aktuelle Wachstumsrate beibehalten wird, könnte China die USA in dieser Hinsicht bereits in den nächsten 2-3 Jahren überholen. Aktuell werden im Schnitt 22 neue Leinwände pro Tag in China eröffnet. Immer häufiger kommt es vor, dass Filme in China viel erfolgreicher laufen als in ihrer US-Heimat. Ein ganz markantes Beispiel war zuletzt Warcraft: The Beginning, der in Nordamerika keine $50 Mio einnehmen konnte, in China aber auf stolze $221 Mio kam. Das ist natürlich ein extremes Beispiel, aber auch Filme wie Pacific Rim, Need for Speed, Kung Fu Panda 3 und Fast & Furious 7 machten im Reich der Mitte mehr Kasse als in den USA und in Kanada.

Der chinesische Staat reguliert streng, welche Filme in China veröffentlicht werden dürfen. So wurde Deadpool aufgrund der Gewaltdarstellungen im Film ein Kinostart in China verwehrt, während der letzte Pirates-of-the-Caribbean-Film dort nicht veröffentlicht werden durfte, weil es in dem Film Geister (!) gab (ein ähnliches Schicksal wird wohl auch den neuen Ghostbusters ereilen). Zudem existiert eine Quote an im Ausland produzierten Filmen, die in die chinesischen Kinos kommen dürfen, und diese beträgt aktuell lediglich 34 Titel pro Jahr. Allerdings kann diese Quote auch umgangen werden, indem ein Film als chinesische Co-Produktion eingestuft wird. Dadurch wird der Film in China auch mehr beworben und die Beteiligung chinesischer Filmstars soll das Interesse der lokalen Kinogänger steigern.

Filme wie Iron Man 3 und Transformers: Ära des Untergangs waren in dieser Hinsicht noch die Vorreiter, selten war dies jedoch so offensichtlich wie in Independence Day: Wiederkehr und Die Unfassbaren 2 diesen Sommer, worauf ich auch in meiner Rezension zum letzteren hingewiesen habe. Man kann es Hollywood kaum verübeln, schließlich geht es um viel Geld und China hat schon den einen oder anderen US-Flop davor gerettet, eine totale Box-Office-Blamage zu erleiden, wie Terminator: Genisys oder eben Warcraft.

Wenn immer mehr Hollywood-Produktionen auf chinesisches Geld angewiesen sind, ist der nächste Schritt eigentlich logisch: Filme werden komplett in China produziert. Das scheint eine neue Strategie von Lionsgate Films zu sein. Gemeinsam mit der chinesischen Produktionsfirma Leomus Pictures hat Lionsgate ein chinesisches Spin-Off von Die Unfassbaren angekündigt. Dieses soll eine US-chinesische Co-Produktion werden und in China mit einem hauptsächlich chinesischen Cast gedreht werden. Das Drehbuch soll jedoch laut der Pressemitteilung aus der Feder eines Hollywood-Autors stammen, damit der Film in das etablierte Universum der Filmreihe passt und damit „die Qualität stimmt“ (nicht viel Vertrauen in die chinesischen Drehbuchautoren, was?). Ob Jay Chou aus Die Unfassbaren 2 auch im Spin-Off dabei sein wird, ist unklar.

Als Die Unfassbaren – Now You See Me vor drei Jahren $350 Mio weltweit bei einem Budget von $75 Mio einspielte, witterte Lionsgate ein Franchise. Ein Jahr bevor das Sequel überhaupt in die Kinos kam, kündigte das Studio Pläne für Teil 3 an. Diese wurden vergangenen April bestätigt, als Regisseur Jon. M. Chu für Die Unfassbaren 3 verpflichtet wurde. Damals rechnete Lionsgate aber noch nicht damit, dass der Film an den nordamerikanischen Kinokassen scheitern würde. Bei einem Budget von mehr als $100 Mio spielte Die Unfassbaren 2 in den USA und in Kanada keine $70 Mio ein. Die Rettung kam aber aus China, wo der Streifen innerhalb von nur drei Wochen $95 Mio einnahm und so auch auf schwarze Zahlen kommen sollte. Dieser Erfolg war vermutlich ausschlaggebend für die Entscheidung, ein Spin-Off zu produzieren. Doch was bedeutet das für das eigentlich geplante Sequel? Die Pressemitteilung schweigt dazu, aber ich würde sagen: nichts Gutes. Bestenfalls werden wohl einige Darsteller der Originalreihe Cameos im chinesischen Spin-Off absolvieren.

Doch Die Unfassbaren ist nicht der einzige Film, dessen Nachfolger Lionsgate mit chinesischen Geldern produzieren möchte. Wie The Hollywood Reporter berichtet, denken Lionsgate und Leomus Pictures über Escape Plan 2 nach. Der Gefängnisausbruch-Film, in dem Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger erstmals in Hauptrollen Seite an Seite standen (The-Expendables-Kurzauftritte von Arnie beiseite), spielte 2013 magere $25 Mio in Nordamerika ein, aber mehr als $40 Mio in China. Offensichtlich sieht Lionsgate Potenzial in einem chinesischen Escape Plan 2. Erst letztes Jahr erhielt wurde auch die Finanzierung von The Expendables 4 dank China sichergestellt. Doch werden Arnie und Sly zurückkehren? Da Sylvester Stallone aktuell scheinbar kein brennendes Interesse an seinen Action-Franchises hat, würde ich nicht mit seiner Rückkehr in Escape Plan 2 rechnen.

Auch wenn der Schritt von Lionsgate auf den ersten Blick Sinn macht, stellt sich die Frage, ob die Filme in China wirklich den erwünschen Erfolg erzielen werden. Waren es nicht letztendlich Arnie und Sly, die die chinesischen Zuschauer für Escape Plan in die Kinos gelockt haben? Wird ein Film mit dem gleichen Konzept aber anderen Darstellern genau so viel Zuspruch bekommen? Das wird sich wohl zeigen. Sollte dieses Experiment erfolgreich sein, erwartet uns vielleicht eine Welle von chinesischen Sequels zu Terminator, Warcraft oder Brick Mansions.