© Lionsgate

Quelle: Variety

Autsch! Das muss weh tun. Was für Lionsgate mit der Hoffnung auf ein neues Die Tribute von Panem begonnen hat, endet mit einem Fernsehfilm. Einem Fernsehfilm!

Die Bestimmung – Ascendant, der Abschlussfilm der Divergent-Reihe nach der Roman-Triloigie von Veronica Roth, soll erst gar nicht in die Kinos kommen, sondern von vorneherein als TV-Film produziert werden, gefolgt von einer Spin-Off-Serie (warum?!), die in der gleichen postapokalyptischen Welt spielen soll. Ursprünglich sollten die Dreharbeiten diesen Sommer in Atlanta beginnen und der deutsche Kinostart war für den 15.06.2017 angesetzt. Der Film wird wohl länger auf sich warten lassen, denn noch muss Lionsgate einen Sender finden, der daran interessiert wäre. Ob die namhaften Stars der Originalfilme, zu denen neben Hauptdarstellerin Shailene Woodley auch Miles Teller, Ansel Elgort, Theo James, Jeff Daniels und Naomi Watts zählen, in dem TV-Film ihre Rollen wieder aufnehmen werden, ist noch unbekannt (und auch fraglich). Das Szenario könnte ich mir nur vorstellen, wenn die Besetzung vertraglich an den letzten Film gebunden ist, unabhängig davon, ob dieser in die Kinos kommt oder nicht. Ansonsten kann ich mir kaum vorstellen, dass Woodley, Daniels, Watts und Co darauf brennen, in dem Fernsehfilm als Abschluss eines grandios gescheiterten Franchises mitzumachen.

Wir rekapitulieren kurz, wie es zu diesem Fiasko überhaupt gekommen ist. Der erste Film, der noch auf der Young-Adult-Erfolgswelle von Panem geritten ist, spielte bei einem Budget von $85 Mio weltweit sehr ordentliche $289 Mio ein. Er war kein Überflieger, doch es war genug, um Lionsgate Hoffnung auf ein Franchise mit Potenzial nach oben zu geben. Das Sequel, Insurgent, verbesserte sich auf $297 Mio, hat die Steigerung jedoch hauptsächlich dem 3D-Aufschlag zu verdanken, den der erste Film nicht hatte.

Dann fingen die Probleme aber an. Dem Vorbild von Harry Potter, Twilight und Panem folgend, teilte Lionsgate den finalen Roman in zwei Filme auf. Nachdem das Studio jedoch merkte, dass dieser Ansatz bei Panem zu rückläufigen Einnahmen führte, weil die Zuschauer sich verarscht vorkamen, wurde der finale Film von Allegiant Teil 2 kurzerhand in Ascendant umbenannt, um die Tatsache zu überdecken, dass es sich um den zweiten Teil des gleichen Films handelt. Noch bevor Allegiant in die Kinos kam, stieg Regisseur Robert Schwentke, der Insurgent und Allegiant inszenierte, plötzlich als Regisseur des finalen Films aus. Burn-Out wurde als Grund angegeben und mit Lee Toland Krieger (Für immer Adaline) wurde schnell Ersatz gefunden. Dann kam die Katastrophe: Allegiant enttäuschte nicht nur an den Kinokassen, er floppte bitterböse. Ohne 3D-Bonus, mit schwacher Mundpropaganda für den Vorgänger im Rücken und generell schnell sinkendem Interesse an Jugendbuchverfilmungen, generierte Allegiant weltweit lediglich $179 Mio. Nur ein Teil davon ging tatsächlich auch an das Studio, das (ohne Marketingkosten) $110 Mio für den Film ausgegeben hat. Ein klarer Fall: Allegiant ist einer der größten Flops dieses Jahres.

Nun steckte Lionsgate in der Klemme. Einerseits ist das Studio mit dem Franchise schon so weit gekommen, dass man den verbliebenen Fans den Abschluss irgendwie schuldig war. Jetzt noch den letzten Film abzusagen, wäre eine Niederlage. Andererseits ahnte man beim Studio auch, dass die Einnahmen des neuen Films vermutlich noch weiter sinken würden, da sich Allegiant nicht gerade positiver Resonanz erfreute. Sogar mit angedachten Budgetkürzungen würde Lionsgate einen sicheren kommerziellen Flop produzieren.

Jetzt hat Lionsgate offenbar einen Ausweg aus diesem Dilemma gefunden und dieser besteht in einem Fernsehfilm und einer TV-Serie. Dass das direkte Sequel zu einer $110-Mio-Produktion ein Fernsehfilm wird, wirkt auf mich allerdings noch peinlicher, als wenn Lionsgate den Film komplett aus Eis gelegt hätte. Nehmt es mir nicht übel, wenn ich über diese Entwicklung im Stillen lache, denn endlich wird die Reihe für ihre uninspirierten Filme abgestraft, die lediglich das immense Talent der daran beteiligten Schauspieler verschwendeten. Shailene Woodley sah bereits im letzten Film so aus, als könnte sie es kaum abwarten, den Vertragsfesseln zu entkommen. Vielleicht wird ihr dieser Wunsch jetzt gewährt. Wer weiß, vielleicht findet Die Bestimmung ja auch neuen Erfolg im Fernsehen. Schließlich schaffte das auch „Chroniken der Unterwelt“ mit „Shadowhunters“, nachdem der erste Kinofilm gefloppt war und dem Film-Franchise ein frühes Ende setzte. Und, hey, es hätte schlimmer kommen können, wie z. B. eine YouTube-Serie.