Diane Kruger

Diane Kruger in "Sky" (2015) © Alamode Films

Quelle: The Hollywood Reporter

Robert Zemeckis gehört eigentlich seit den Achtzigern neben Steven Spielberg und James Cameron zu den kommerziell erfolgreichsten Regisseuren Hollywoods. Auf das Konto des Filmemachers gehen vom Kritikern und Zuschauern geliebte Werke wie Forrest Gump, Zurück in die Zukunft, Falsches Spiel mit Roger Rabbit, Cast Away – Verschollen und Schatten der Wahrheit. Zemeckis hat sich nie auf einen bestimmten Stil oder bestimmte Themen festgelegt, doch er hatte immer ein gutes Gespür dafür, was das Publikum sehen möchte.

In jüngster Vergangenheit lief es für Zemeckis jedoch nicht ganz so gut und sein goldenes Händchen für vielversprechende Kinohits hat ihn im Stich gelassen. Sowohl The Walk als auch Allied – Vertraute Fremde floppten an den Kinokassen, obwohl der Erstere mit atemberaubenden 3D-Effekten aufwartete und der Letztere mit kräftiger Starpower von Brad Pitt und Marion Cotillard. Die Zuschauermassen konnte er mit den Filmen jedoch nicht begeistern, sie wurden zu seinen umsatzschwächsten Regiearbeiten seit über 30 Jahren. Aber wer schon so viele Erfolge feierte, kann auch einige Flops vertragen. Ich persönlich war von The Walk begeistert, doch nicht viele hatten Interesse an Joseph Gordon-Levitts Drahtseilakt zwischen den Türmen des World Trade Center.

Zum Glück lässt sich Zemeckis durch die Misserfolge nicht entmutigen und arbeitet bereits fleißig an seinem nächsten Film, der am 10.01.2019 in die deutschen Kinos kommen soll und möglicherweise bei der Oscarverleihung 2019 eine Rolle spielen wird. Dabei handelt es sich um die Verfilmung einer unglaublichen wahren Geschichte, die bereits 2010 in Jeff Malmbergs preisgekrönter Doku Marwencol erzählt wurde. Diese handelt von einer Mann, der von fünf Fremden nach einem Barbesuch verprügelt wird und nur knapp mit dem Leben davonkommt. Wenn er aus dem Koma erwacht, hat er kaum noch Erinnerungen an sein altes Leben und die Versicherung zahlt nach kurzer Zeit auch nicht mehr für seine Therapie. Also therapiert er sich selbst, indem er in seinem Garten ein belgisches Miniaturdorf aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs konstruiert und auf diese Weise sein Trauma verarbeitet. Innerhalb seiner Fantasiewelt kann er seine Angreifer immer wieder aufs Neue bestrafen und hinrichten. Zemeckis, der bei seinen Filmen nie halbe Sachen macht, lässt für den Dreh ein komplettes Dorf aus der entsprechenden Zeitepoche bauen, in das die Hauptfigur in ihrer Fantasie flüchten kann.

Steve Carell steht länger als Besetzung der Hauptrolle fest und hat bereits in Filmen wie Foxcatcher und Dan – Mitten im Leben! sein Können in dramatischen Rollen unter Beweis gestellt. An ihrer Seite hat Zemeckis Deutschlands Schauspielexport Diane Kruger besetzt, die kürzlich für Fatih Akins Aus dem Nichts den Preis als "Beste Hauptdarstellerin" bei den Filmfestspielen von Cannes gewonnen hat und endgültig nicht mehr nur als ein hübsches Gesicht wahrgenommen werden sollte. Kruger spielt in Zemeckis' Film Deja Thoris (offensichtlich benannt nach der gleichnamigen Figur aus Edgar Rice Burroughs’ "Mars"-Romanen), die belgische Hexe von Marwen, die Carells Charakter ins einer Fantasie immer wieder zum neuen Leben erweckt, nachdem die Nazis ihn töten. Janelle Monae (Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen) und Eiza Gonzáles ("From Dusk till Dawn") spielen Bewohnerinnen des Fantasiedorfs und Leslie Mann wird als eine Frau zu sehen sein, die Interesse an der außergewöhnlichen Selbsttherapie von Carells Figur zeigt.

Zemeckis liegt der Film sehr am Herzen und er plant diesen mit Carell in der Hauptrolle bereits seit einigen Jahren. Diesen Sommer werden in Vancouver die Dreharbeiten beginnen. Das Drehbuch, das zwischenzeitlich den Titel The Women of Marwen trug, schrieb Zemeckis gemeinsam mit Caroline Thompson (Corpse Bride, Edward mit den Scherenhänden). Das Projekt weckt nicht nur mein Interesse an dem Film selbst, sondern noch mehr an dem Dokumentarfilm, auf dem es beruht.