Quelle: Collider

Morgen Abend werden in Los Angeles zum 88. Mal die Oscars verliehen, die begehrtesten Auszeichnungen der US-amerikanischen Filmindustrie. Ganz großer Favorit dabei ist der Survival-Western The Revenant – Der Rückkehrer. Während der Film „nur“ hohe Chancen auf den Sieg in der Königsklasse hat, ist sein Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio diesmal ein absolut sicheres Ding und nach Jahren der kalten Schulter seitens der Academy wird Leo seinen Goldjungen endlich erhalten (nach dem bisherigen Verlauf der Oscar-Saison benötigt man für diese Aussage auch keine Kristallkugel).

Für eine noch bessere Performance in einem noch besseren Film wurde er vor neun Jahren leider nicht einmal nominiert, dafür hat aber der Film selbst gewonnen. Die Rede ist von Departed – Unter Feinden, der Martin Scorsese nach zahlreichen Nominierungen den lange überfälligen Oscar einbrachte. In insgesamt vier Kategorien (von den fünf, in denen er nominiert war) hat Departed triumphiert, und das auch völlig zu Recht meiner Ansicht nach. Departed ist ein seltenes Beispiel für ein Remake zu einem großartigen nicht-amerikanischen Film, der es tatsächlich schaffte, das Original in vielen Aspekten sogar zu übertreffen. Einen besseren Oscargewinner gab es in den letzten zehn Jahren für mich nicht. Einen viel beliebteren auch nicht, denn Departed wurde auch zum mit Abstand größten kommerziellen Erfolg für Scorsese, sodass kurz nach dem überwältigenden Erfolg des Films Gespräche über ein Sequel aufkamen. Immerhin erhielt der chinesische Originalfilm Infernal Affairs sowohl ein Prequel als auch ein Sequel. Angesichts des Finales von Departed hätte eine Fortsetzung aus meiner Sicht herzlich wenig Sinn gemacht und vielleicht hat man das bei Warner Bros. irgendwann auch eingesehen, denn das Projekt wurde kurzerhand eingestampft.

Vergessen hat man den Erfolg von Departed aber scheinbar nicht und passend zum aktuellen Trend, aus jedem zweiten Kinohit eine Serie zu machen, soll nun auch der Gangsterthriller bald wöchentlich über die Mattscheiben laufen. Das verriet Roy Lee, der Produzent des Originalfilms, in einem Interview: (aus dem Englischen)

Als Konzept ist die Geschichte von Departed großartig. Die Geschichte hat mich fasziniert: zwei Maulwürfe, die auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes arbeiten und diese Idee dann in andere Settings mit neuen Charakteren zu bringen, so wie das die Serie „Fargo“ gemacht hat und die Atmosphäre des Coens-Film beibehalten hat. Wir reden darüber, aus Infernal Affairs eine Serie zu machen. In einer anderen Stadt, es wäre also nicht wie Departed, aber essentiell Departed als TV-Serie.

Also es ist nicht wie Departed, aber essentiell ist es Departed? Kuriose Wortwahl, Mr. Lee, sehr kurios.

Davon aber abgesehen, muss auch ich zugeben, dass von der Idee her das Konzept durchaus viel hergibt. Gerade wenn man das chinesische Original als Vorlage nimmt, in der der Polizist zehn Jahre Undercover verbringt und der Triaden-Gansgter ebenso lange die Polizei infiltriert. In dem Film wird diese Zeit recht schnell übersprungen (und erst im Prequel wird mehr darauf eingegangen). Mit dem richtigen Showrunner (wie wäre es mit David Simon von „The Wire“ oder Shawn Ryan von „The Shield“?!) und auf einem US-Kabelsender wie FX oder HBO, hätte eine Serie mit diesem Grundkonzept durchaus viel Potenzial. Immerhin hat gerade das genannte Beispiel „Fargo“ ja gezeigt, dass Serienadaptionen von guten Filmen genau so gut, wenn nicht gar besser sein können, solange man nicht sklavisch an dem Inhalt des Films festhält.

Viel wahrscheinlicher ist aber leider, dass Departed als wöchentliches Procedural von CBS oder NBC ausgestrahlt werden wird und zu einem weiteren „Shades of Blue“ oder „Blue Bloods“ verkommt…