Quelle: Collider

Als Deadpool letzte Woche in die Kinos kam, hat die Comicbuchverfilmung so ziemlich alle Erwartungen erfüllt und viele auch bei weitem übertroffen. Die Fans sind begeistert, endlich eine der Vorlage getreue Adaption ihres Lieblingscharakters (nach der Verstümmelung in X-Men Origins: Wolverine) bekommen zu haben, reguläre Kinogänger sind dankbar für eine frische Brise im Subgenre des Superheldenfilms und Fox kommt beim Geldzählen kaum hinterher, denn Deadpool schlug an den Kinokassen ein wie eine Bombe und stellte insbesondere in den USA zahlreiche Box-Office-Rekorde auf. Kein anderer Film mit dem restriktiven R-Rating hat jemals auch nur annähernd so gut eröffnet und es ist jetzt schon sicher, dass Deadpool zu den finanziell erfolgreichsten Filmen des Jahres gehören wird.

Es sollten also eigentlich alle rundherum glück sein. Die Zuschauer, weil sie den Film bekamen, auf den sie hofften und das Studio, weil dessen Mut zum Risiko sich mehr als bezahlt gemacht hat. Doch es gibt ein kleines Grüppchen an Leuten, die mir seit geraumer Zeit begegnen, die mit dem Release des Films unzufrieden sind. Seit Nebendarsteller T.J. Miller vor einigen Wochen verlauten ließ, dass im Herbst ein Director’s Cut des bereits nicht gerade familienfreundlichen auf dem Heimkinomarkt kommen würde, fühlen sie sich um die möglichst brutale Fassung des Films betrogen. Nachdem die FSK den Film dann auch noch ab 16 Jahren (und nicht ab 18) freigegeben hat, fühlten sich die Gorefanatiker bestätigt – Fox hat uns die ultramegasuperbrutale Fassung vorenthalten und schickt den Film weichgespült in die Kinos. Diese Filmfans bekunden ihre feste Entschlossenheit, anstatt den Mut zu würdigen, dass eine Marvel-Verfilmung mit einem R-Rating produziert wurde und den Film im Kino zu sehen, stattdessen auf den vermeintlichen Director’s Cut zu warten, der ganz ganz sicher ab 18 freigegeben wird. Mit immer wachsendem Frust muss man diesen Menschen erklären, dass auch wenn es einen Director’s Cut geben sollte, es keineswegs bedeutet, die deutsche (oder US-Kinofassung) sei geschnitten, denn ein Director’s Cut ist einfach eine eigene Fassung für sich und kann mitunter sogar kürzer als die Kinofassung sein (siehe Oliver Stones Alexander).

Diese Freunde von Blutfontänen und Gedärmen müssen jetzt ganz stark sein, denn Regisseur Tim Miller wies in einem neuen Interview die Existenz eines Director’s Cuts kurzerhand zurück: (aus dem Englischen)

Ich möchte nicht einen auf Joss Whedon machen, aber es gibt keinen Director’s Cut… Es gibt einige gelöschte Szenen, die zusätzliches Material enthalten, aber ich bin ziemlich zufrieden mit der aktuellen Schnittfassung. Ich mag sie. Es gibt etwas mehr im Bonusmaterial der DVD, es gab mehr von dem Werkstatts-Kampf, was ich mochte – darüber haben wir geredet. Simon (Kinberg) meinte: „Tim, es ist brutal genug“ und ich meinte: „Aber nein, es ist doch toll, wenn er auf sein Gesicht drauftritt! und Simon meinte: „Nein, wir haben genug“ (lacht)…

Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: bei so gut wie jedem Film werden einige Szene entfernt, bevor der Film in die Kinos kommt. Das bedeutet aber nicht, dass der Film geschnitten sei. Das scheint auch bei Deadpool der Fall zu sein und wir werden wohl einige zusätzlichen Szenen auf der DVD/Blu-ray sehen doch T.J. Miller hat einfach zu voreilig gesprochen, als er eine Langfassung ankündigte. Aber ob die bisherigen Verweigerer der Kinofassung den Film nun doch sehen werden oder eine weitreichende Verschwörung vermuten, die der Welt eine FSK18-Fassung des Films vorenthält? Vielleicht wird diese auch zu einem Mythos wie eine Fassung von American History X, in der die Bordsteinkantenszene komplett zu sehen ist… (nein, natürlich existiert so eine Fassung nicht)

War Euch Deadpool blutig genug oder hättet Ihr Euch noch mehr Blood ’n‘ Gore gewünscht?