Quelle: FSK

Bei kaum einem anderen Film in den letzten Monaten, vielleicht sogar Jahren, wurde hierzulande im Vorfeld so sehr über die Altersfreigabe spekuliert wie bei der Marvel-Verfilmung Deadpool (Kinostart: 11.02.). Dass der Film in den USA ein R-Rating erhalten würde, stand schon lange außer Zweifel, haben es doch Regisseur Tim Miller und Hauptdarsteller Ryan Reynolds zu ihrer Mission erklärt, die Figur getreu der Vorlage umzusetzen, die nicht gerade friedfertig ist und Gewalt verabscheut. Doch ein R-Rating (in den USA eine Freigabe ab 17 Jahren) hat keine direkte Entsprechung in Deutschland und könnte hierzulande eine Freigabe ab 16 oder auch ab 18 Jahren bedeuten (oder auch ab 6, wie bei Tatsächlich…Liebe, wobei die Amis sich da an nackten Tatsache und den Schimpfwörtern störten). Dass der Film mit Gewalt und Blutfontänen nicht geizt, zeigten bereits die Red-Band-Trailer und eine Zeitlang schien es fast so, als würde Deadpool das für Kinofilme mittlerweile seltene rote FSK18-Siegel vergeben werden. Der letzte größere Kinofilm, der ab 18 freigegeben in unsere Kinos kam, war 300: Rise of an Empire vorletztes Jahr, davor Kick-Ass 2 und Evil Dead.

Doch jetzt steht die Freigabe fest und die FSK zeigte sich gnädig. Deadpool wurde ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben. Wenige Tage zuvor hat das britische Pendant, die BBFC, dem Film eine Freigabe ab 15 Jahren erteilt, was bereits darauf hindeutete, dass er in Deutschland vielleicht ebenfalls nicht die höchste Freigabe erhalten würde.

Sicherlich gibt es jetzt einige Filmfans, bei denen sich angesichts dieser Freigabe die Enttäuschung breit macht, weil sie einen weniger blutigen Film vermuten, als erhofft. Was aus meiner Sicht jedoch zählt und das einzig Wichtige ist, ist, dass der Film tatsächlich ungeschnitten in die Kinos kommt und das ist hier der Fall. Eine FSK16-Freigabe ist angesichts des Filminhalts und der comichaften Präsentation der Gewalt, die man schon in den Trailern sehen konnte, keineswegs überraschend. Außerdem hängen FSK-Freigaben, die von einem Gremium erteilt werden, auch immer von der Tagesform ab. Man kann kaum behaupten, dass es Filmen wie Kick-Ass, Watchmen, 300 oder Final Destination 2 an blutigen Einlagen mangelte. Nichtsdestotrotz erhielten auch sie ihrerzeit die FSK16-Freigabe und ich kann mich nicht an Beschwerden erinnern, diese Filme seien zu „unbrutal“ gewesen. Währenddessen wurde Final Destination 3, Kick-Ass 2 und eben 300: Rise of an Empire keine Jugendfreigabe erteilt. Waren sie dabei wirklich so deutlich brutaler? Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Dass übertrieben comichaft dargestellte Gewalt mit Humor bei der FSK bessere Chancen hat, ungeschnitten durchzukommen, ist kein Geheimnis und davon hat Deadpool vermutlich auch profitiert.

Wem es dennoch nicht blutig genug ist (dieses Urteil wird aber hoffentlich erst nach der Sichtung des Films gefällt und nicht schon davor), kann immer noch auf einen härteren Director’s Cut hoffen, der vom Nebendarsteller T.J. Miller kürzlich in Aussicht gestellt wurde und zumindest in den USA im Herbst erscheinen soll. Bis dahin sollten die Fans Deadpool unterstützen, um so ein Zeichen an die Studios zu senden, dass auch Superheldenfilme mit einem R-Rating durchaus großen Erfolg an den Kinokassen haben können!