Quelle: TMZ

Curtis Hanson, Regisseur und Co-Autor des brillanten Neo-Noirs L.A. Confidential, ist gestern im Alter von 71 gestorben. Unbestätigten Berichten zufolge erlitt er einen Herzinfarkt. Die Polizei von Los Angeles bestätigte lediglich, dass der Tod natürlichen Ursachen zugrunde lag.

Mit Hanson hat Hollywood einen seiner vielseitigsten Filmemacher verloren. Den meisten durchschnittlichen Kinogängern wird sein Name vermutlich nicht viel sagen und er hatte auch nie einen unverwechselbaren Fingerabdruck in seinen Filmen hinterlassen wie Quentin Tarantino, David Fincher oder Woody Allen. Das, worin Hanson so überragend war, war seine Wandlungsfähigkeit von Projekt zu Projekt. Er ließ sich nie an einem Genre festnageln und zeigte auch keine Bevorzugung bestimmter Themen. Er machte einfach gute Filme und hatte ein tolles Gespür für seine Schauspieler. Viele waren überrascht, als ausgerechnet der Macher von L.A. Confidential die Regie des semi-biografischen Eminem-Films 8 Mile übernahm und später noch überraschter, dass der Film keine reine Glorifizierung des Stars wurde, sondern ein aufwühlendes und von seinem Hauptdarsteller toll gespieltes Musik-Drama war.

Zwei Jahre zuvor inszenierte Hanson einen gänzlich anderen Film – die Dramödie Die WonderBoys flog bei vielen unter dem Radar, bietet jedoch die beste Performance von Michael Douglas‘ Karriere nach seinem Auftritt als Gordon Gecko in Wall Street. Bob Dylans Song „Things Have Changed“, dessen Musikvideo Hanson ebenfalls selbst inszenierte, gewann verdient den Oscar, doch auch der warmherzige, intelligente Film hätte mehr Beachtung verdient.

Nach der sehr männlichen Welt von 8 Mile drehte Hanson mit In den Schuhen meiner Schwester (OT: In Her Shoes) die Verfilmung eines „Frauenromans“ von Jennifer Weiner, in der Toni Collette und Cameron Diaz die Hauptrollen übernahmen. Wieder einmal gelang Hanson damit ein Volltreffer und er holte aus seinen beiden Hauptdarstellerinnen zwei der besten Performances ihrer Karrieren heraus.

Natürlich bleibt aber L.A. Confidential das unumstrittene Prunkstück von Hansons Karriere und der Film, für den man sich am meisten an ihn erinnern wird. Mutig besetzte Hanson mit den Australiern Guy Pearce und Russell Crowe zwei damals in Hollywood völlig unbekannte Darsteller in den Hauptrollen und der Film wurde für die beiden zum Sprungbrett zu einer größeren Karriere. Einer der besten Casts der letzten 20 Jahre wurde durch Kevin Spacey, James Cromwell, Danny DeVito und die oscarprämierte Kim Basinger ergänzt. L.A. Confidential wurde für neun Oscars nominiert und gewann zwei (für Basinger als Nebendarstellerin und für Hanson und Brian Helgeland als Autoren) und hätte auch den Hauptpreis als „Bester Film“ verdient, doch es war das Jahr von Titanic

Hansons Karriere begann bereits in den Siebzigern als Drehbuchautor für Roger Corman und Samuel Fuller, doch erst in den Neunzigern feierte er größere Erfolge als Regisseur der Thriller Die Hand an der Wiege (OT: The Hand That Rocks the Cradle) und Am wilden Fluss (OT: The River Wild).

Nach In den Schuhen meiner Schwester folgte leider mit Glück im Spiel (OT: Lucky You) einer von Hansons schwächsten Filmen, woraufhin er vier Jahre lang nichts von sich hören ließ. Im Jahre 2011 feierte er seinen letzten großen Erfolg im TV, mit dem HBO-Finanzdrama Too Big To Fail, das 11 Emmy-Nominierungen erhielt, darunter für die Stars William Hurt, Paul Giamatti und James Woods sowie für Hansons Regie. Sein finales Werk wurde der Surferfilm Mavericks mit Gerard Butler. In den letzten 15 Tagen der Dreharbeiten musste er vom Regieposten aufgrund der Komplikationen in Folge seiner Herz-OP zurücktreten und Michael Apted drehte Mavericks zu Ende.

Curtis Hanson war ein wundervoller Regisseur und eine Bereicherung für die Filmwelt, dessen Erbe hoffentlich über die Generationen von Filmfans immer wieder entdeckt werden wird.