Interview mit einem Vampir (1994) © Warner Bros. Pictures

Quelle: Anne Rice Facebook

Bevor Stephenie Meyer in ihren „Twilight“-Romanen die Vampire glitzern ließ (eine Idee, die vermutlich den allgemeinen Tiefpunkt der Vampirliteratur darstellt), gehörte der Markt der romantisiert dargestellten Blutsauger hauptsächlich Anne Rice. Ihre Romane aus der „Chronik der Vampire“ verkauften sich weltweit weit über 80 Millionen Mal, sodass es einen eigentlich wundert, dass es bis dato lediglich zwei Verfilmungen gibt. Die eine dürfte allen Filmfans bekannt sein – Neil Jordans atmosphärische Adaption Interview mit einem Vampir überraschte erst mit der Besetzung des Superstars Tom Cruise als blonder französischer Vampir Lestat, doch Cruise überzeugte die meisten Fans der Romane und sogar die anfangs sehr skeptische Anne Rice. Lange Zeit war Interview mit einem Vampir der erfolgreichste Vampirfilm aller Zeiten und wurde seitdem nur von Filmen getoppt, die sich mit einer milderen Altersfreigabe an ein eindeutig jüngeres Publikum richteten. Alles in allem ist Interview mit einem Vampir ein Film, den Cineasten und Fans der Blutsauger recht positiv in Erinnerung behalten haben.

Das trifft nicht auf den billig produzierten Nachfolger Die Königin der Verdammten zu, mit Stuart Townsend als Lestat, der zum Rockstar wird, und der verstorbenen Sängerin Aaliyah in ihrer letzten Filmrolle als die titelgebende, uralte Vampirkönigin. Der Film fasste eher unbeholfen Elemente aus dem zweiten und dem dritten Roman von Anne Rice zusammen und je weniger Worte man über ihn verliert, desto besser. Vielleicht war es auch dieses filmische Desaster, das verhinderte, dass weitere Romane aus dem Zyklus adaptiert wurden und sogar als Vampire dank Twilight, „True Blood“ und „Vampire Diaries“ einen neuen Höhepunkt der Popularität erlebten, ruhte die „Chronik der Vampire“.

Etwas Bewegung kam wieder in die Sache, als Universal Pictures die Filmrechte an der Reihe erwarb und sich direkt daran setzte, ausgerechnet Interview mit einem Vampir neu zu verfilmen. Das-Schicksal-ist-ein-mieser-Verräter-Regisseur Josh Boone übernahm die Neuadaption und enthüllte im Mai, dass er das Drehbuch zum Film bereits fertig geschrieben hat. Außerdem äußerte er den Wunsch, Jared Leto als Vampirfürst Lestat zu besetzen, eine Casting-Idee, die durchaus positiv aufgenommen wurde.

Wer sich jedoch Hoffnungen auf einen neuen Film gemacht hat, wird jetzt enttäuscht. Das Remake ist vom Tisch. Doch damit nehmen die Dinge einen interessanten Verlauf. Anne Rice verkündete selbst über Facebook, dass nachdem Universals Pläne für eine Adaption nicht aufgegangen sind, die Filmrechte an den Büchern an sie zurückgegangen sind. Und anstatt zu warten, bis ein weiteres Studio an ihre Tür klopft, entwickelt Rice gemeinsam mit ihrem schriftstellerisch ebenfalls aktiven Sohn Christopher Rice selbst eine Adaption der Reihe – als TV-Serie! Im Klartext erklärte Rice: „Es ist klarer denn je zuvor, dass Vampire ins Fernsehen gehören.“ Angesichts des Erfolgs von „True Blood“ (7 Staffeln), „Vampire Diaries“ (8 Staffeln) und „The Strain“ (4 Staffeln), kann man ihr schwer widersprechen, auch wenn der große Hype um Vampire mittlerweile der Popularität der Zombies gewichen ist.

Rice verriet des Weiteren, dass ihr Sohn und sie ein Drehbuch für die Pilotfolge schreiben und Pläne für den weiteren Verlauf der Serie entwerfen werden, die zunächst auf dem zweiten Roman der Reihe, „Der Fürst der Finsternis“ (OT: „The Vampire Lestat“), beruhen soll. Erst wenn sie eine klare Vision von der Serie haben, wollen sie diese an potenzielle Produzenten herantragen und angesichts der großen Popularität der Romane, ist es schwer vorzustellen, dass es lange dauern wird, bis jemand Interesse zeigen wird. Als Vergleich für die Herangehensweise an die Serienadaption zieht Rice „Game of Thrones“ heran, heutzutage das Maß aller Dinge, wenn es um komplexes Geschichtenerzählen geht.

Die Fans der Reihe, deren 12. Roman morgen in den USA erscheint, werden sich vermutlich darüber freuen, dass sich die Serie in guten Händen befindet. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass ein Schriftsteller auch nicht immer die beste Person ist, um eigene Werke zu adaptieren (man denke an Stephen King). Ob Anne Rice das nötige Zeug dazu hat, wird sich noch zeigen. Ihre Romane verdienen auf jeden Fall eine hochwertigere Adaption als Die Königin der Verdammten.