Cannes 2014 Filme

Quelle: Festival de Cannes

Die 67. Filmfestspiele von Cannes sind weniger als einen Monat entfernt. Am 14. Mai öffnet das Palais des Festivals et des Congrès seien Pforten für das Beste vom Besten, was die Filmwelt aktuell zu bieten hat – so jedenfalls der Gedanke beim prestigeträchtigsten Filmfestival der Welt, das Stars und Sternchen aus aller Welt an die Côte d’Azur lockt. Bis zum 25. Mai buhlen 18 Filme im Wettbewerb um die Gunst der Jury, die dieses Jahr von der Regisseurin Jane Campion angeführt wird. Campion selbst gewann die Goldene Palme einst für ihr Drama Das Piano, welches später auch bei den Oscars zahlreiche Nominierungen erhielt.

Heute haben die Veranstalter die Filmauswahl für das diesjährige Festival bekanntgegeben. Diese bietet ein Wiedersehen mit zahlreichen "alten" Cannes-Bekannten und stellt überraschend wenige neue Gesichtern im Wettbewerb vor. Von den 18 Filmen, die dieses Jahr ins Rennen um die Goldene Palme, gehen stammen 13 von Regisseuren, deren Filme bereits in Vergangenheit im Wettbewerb liefen. Lediglich Bennett Miller, Xavier Dolan, Alice Rohrwacher, Abderrahmane Sissako und Damian Szifron haben erstmals eine Chance auf eine Palme d’Or. Doch natürlich kann man nicht abstreiten, dass die neusten Werke von Mike Leigh, David Cronenberg, Ken Loach, Tommy Lee Jones, Jean-Luc Godard (in  3D!) und Olivier Assayas einen als Filmfan neugierig machen.

Eröffnet wird das Festival durch Olivier Dahans Grace-Kelly-Biopic Grace of Monaco. Als Eröffnungsfilm wird Grace of Monaco natürlich im Fokus der Aufmerksamkeit stehen und es wird interessant sein zu beobachten, ob er so gespalten bis negativ aufgenommen wird wie vergangene Opener The Da Vinci Code und Der große Gatsby oder ob ihm viel Lob zuteil wird wie im Falle von Moonrise Kingdom oder Pixars Oben. Für den Wettbewerb ist es irrelevant, denn daran nimmt Grace of Monaco nicht teil. Welcher Film das Festival abschließen wird, steht noch nicht fest. Letztes Jahr war es der südafrikanische Thriller Zulu.

Etwas interessanter fällt übrigens die Sektion "Un certain regard" aus, in der primär Filme von unbekannteren Regisseuren gezeigt werden, die für den Wettbewerb als zu "untypisch" gelten (welche Kriterien hier angewandt werden, hat sich mir aber nie ganz erschlossen). Darin feiern neue Filme von Mathieu Amalric, Asia Argento und Wim Wenders Premiere, doch der Film, der wahrscheinlich im Vofeld die meiste Aufmerksamkeit unte Filmfans auf sich ziehen wird, ist Ryan Goslings Regiedebüt Lost River (zuvor bekannt als How to Catch a Monster). Im Fantasy Neo-Noir hat Gosling ein interessantes Schauspielerensemble versammelt, bestehend aus "Mad Men"-Star Christina Hendricks, Saoirse Ronan, dem ehemaligen "Doctor Who" Matt Smith und Goslings Lebensgefährtin Eva Mendes. Gosling machte in Cannes erstmals großen Eindruck mit Nicolas Windings Refns Drive und war letztes Jahr auch im deutlich weniger beliebten Only God Forgives im Cannes-Wettbewerb zu sehen.

Der wahrscheinlich "größte" Film, der in Cannes dieses Jahr außerhalb des Wettbewerbs laufen wird, ist das Animationssequel Drachenzähmen leicht gemacht 2. Als Animationsfilm ist es eine große Ehe im Rahmen der Cannes-Filmfestspiele gezeigt zu werden und angesichts des tollen Vorgängers freut mich das für den Film.

Hier könnt Ihr die komplette Filmauswahl sehen:

Eröffnungsfilm

Grace of Monaco (Olivier Dahan) – außerhalb des Wettbewerbs

Offizieller Wettbewerb

The Captive (Atom Egoyan)
Clouds of Sils Maria (Olivier Assayas)
Foxcatcher (Bennett Miller)
Goodbye to Language (Jean-Luc Godard)
The Homesman (Tommy Lee Jones)
Jimmy’s Hall (Ken Loach)
Leviathan (Andrei Zvyagintsev)
Le Meraviglie (Alice Rohrwacher)
Maps to the Stars (David Cronenberg)
Mommy (Xavier Dolan)
Saint Laurent (Bertrand Bonello)
The Search (Michel Hazanavicius)
Still the Water (Naomi Kawase)
Mr. Turner (Mike Leigh)
Timbuktu (Abderrahmane Sissako)
Two Days, One Night (Jean-Pierre und Luc Dardenne)
Wild Tales (Damian Szifron)
Winter Sleep (Nuri Bilge Ceylan)

Un Certain Regard

Amour fou (Jessica Hausner)
Bird People (Pascale Ferran)
The Blue Room (Mathieu Amalric)
Charlie’s Country (Rolf de Heer)
Dohee-ya (July Jung)
Eleanor Rigby (Ned Benson)
Fantasi (Wang Chao)
Harcheck mi headro (Keren Yedaya)
Hermosa juventud (Jaime Rosales)
Incompresa (Asia Argento)
Jauja (Lisandro Alonso)
Lost River (Ryan Gosling)
Party Girl (Marie Amachoukeli, Claire Burger und Samuel Theis) – Eröffnungsfilm der Reihe
Run (Philippe Lacote)
The Salt of the Earth (Wim Wenders und Juliano Ribeiro Salgado)
Snow in Paradise (Andrew Hulme)
Titli (Kanu Behl)
Tourist (Ruben Ostlund)

Außerhalb des Wettbewerbs

Coming Home (Zhang Yiou)
Drachenzähmen leicht gemacht 2 (Dean DeBlois)
Les Gens du Monde (Yves Jeuland)

Midnight Screenings

The Rover (David Michod)
The Salvation (Kristian Levring)
The Target (Yoon Hong-seung)

Es ist natürlich unmöglich jetzt schon zu vorherzusagen, welche Filme aus dem Wettbewerb zu den Favoriten gehören werden, doch ein besonderes Augenmerk sollte auf Michel Hazanavicius' Nachfolger zu The Artist liegen, The Search. Es ist das Remake des gleichnamigen Films von Fred Zinnemann. Er handelt von der Freundschaft einer NGO-Arbeiterin und einem kleinen Jungen im vom Krieg zerrütteten Tschetschenien. In den Hauptrollen sind Bérénice Bejo und Annette Bening zu sehen. Auch David Cronenberg muss man im Auge behalten. Maps to the Stars ist bereits sein fünfter Film im Wettbewerb, gewonnen hat er jedoch noch nie. Das gilt auch für die Nouvelle-Vague-Legende Godard, der mit Goodbye to Language zum siebten Mal im Wettbewerb vertreten ist.

Letztes Jahr feierten viele Filme in Cannes Premiere, die später große Wellen unter Kritikern und Filmfans schlugen und teilweise auch bei der Academy, alles voran Alexander Paynes Nebraska, der für sechs Oscars nominiert wurde und Paolo Sorrentinos La Grande Bellezza, der den Auslandsoscar gewann. Auch der Gewinner von "Un certain regard", Das fehlende Bild, tauchte bei den Oscars als Nominee in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" auf.