Quellen: LAFCA, BSFC, WAFCA

Wie schon im Vorjahr, als Boyhood wie eine Dampfwalze die Kritikerpreise überrollte (nur um später bei den Oscars lediglich eine einzige Auszeichnung zu gewinnen), scheint sich auch dieses Jahr unter den Kritikern ein Konsens zu bilden. Während die National Board of Review noch unerwartet Mad Max: Fury Road auszeichnete und die New Yorker Filmkritiker sich für den ebenfalls sehr gefierten Carol entschieden haben, haben sich  drei weitere große Kritikerverbände, die ihre Favoriten früh verkünden, allesamt auf einen Film festgelegt – das Journalismusdrama Spotlight. Sowohl die Los Angeles Film Critics Association als auch die Boston Society of Film Critics und die Washington DC Area Film Critics Association kürten Spotlight zum besten Film von 2015. Kurioserweise gewann dessen Regisseur Tom McCarthy jedoch bei keinem der Kritikerverbände den Preis für seine Arbeit, lediglich in Boston belegte er den zweiten Platz. In Boston hatte Spotlight allerdings auch den Heimvorteil, da es sich um eine Geschichte über Journalisten des „Boston Globe“ handelt.

Spotlight erhielt zudem einige Preise für sein Drehbuch und sein Ensemble, einzelne darstellerische Leistungen des Films wurden jedoch nicht gewürdigt. Dass großer Zuspruch seitens der Kritikerverbände nicht automatisch Oscarglück bedeutet, mussten Filme wie Boyhood und The Social Network auf harte Tour erfahren. Spotlight ist also noch weit davon entfernt, ein sicherer Oscargewinner zu sein, doch nach den Golden-Globe– und den SAG-Nominierungen ist der Film der klare Favorit.

Doch während die zahlreichen Auszeichnungen für Spotlight eigentlich zu erwarten waren, entpuppte sich wieder einmal Mad Max: Fury Road als eine angenehme Überraschung, mit der nicht viele gerechnet hätten. In Los Angeles und Washington gewann dessen Regisseur George Miller die Auszeichnung für seine Arbeit und der Film selbst belegte in Los Angeles und in Boston den zweiten Platz hinter Spotlight als „Bester Film“ von 2015.

Keinen Konsens gab es bei den ausgezeichneten Schauspielern. In keiner der vier Schauspielkategorien hat es jemand geschafft, bei allen drei Verbänden zu gewinnen. Zweifache Gewinner waren jedoch Leonardo DiCaprio (The Revenant), Charlotte Rampling (45 Years) und Alicia Vikander (Ex Machina). Gerade Vikanders Auszeichnungen sind eine wirklich schöne Überraschung, insbesondere da sie neben den Preisen aus Los Angeles und Washington, in Boston auch noch den zweiten Platz belegt hat.

Die Verlierer der Kritikerpreise sind vor allem Steven Spielbergs Bridge of Spies – Der Unterhändler und Quentin Tarantinos The Hateful 8, die nur ganz wenige Erwähnungen abstauben konnte.

Schauen wir uns mal die einzelnen Gewinner an:

Los Angeles Film Critics Association Awards

Die Filmkritiker von Los Angeles tendieren dazu, gegen den Strom zu schwimmen und haben in Vergangenheit bereits zahlreiche überraschende Entscheidungen getroffen, wie beispielsweise die Wahl von WALL-E als „Besten Film“ von 2008 oder Sacha Baron Cohen als „Besten Hauptdarsteller“ für Borat. Das Ergebnis ist eine sehr geringe Überschneidung mit den Oscars. Seit der Gründung dieser Preise im Jahre 1975 haben die LAFCA-Mitglieder lediglich achtmal den gleichen Film prämiert wie die Oscars. Seit 2000 ist das nur ein einziges Mal geschehen, 2009 mit Tödliches Kommando – The Hurt Locker. Eine so schlechte Vorhersagekraft kann kaum eine Kritikergruppe vorweisen. Dafür sagen die LAFCA Awards in der Regel die Nominees in der Kategorie „Bester Regisseur“ gut vorher. Seit 1990 kam es lediglich in einem Jahr vor (2012 mit Paul Thomas Anderson für The Master), dass die LAFCA in der Kategorie „Beste Regie“ nicht jemanden prämiert hat, der später auch für einen Oscar nominiert wurde. Das ist ein sehr gutes Zeichen für George Miller, für den eine Oscarnominierung immer wahrscheinlicher wird.

Bester Film

Spotlight
2. Platz – Mad Max: Fury Road

Beste Regie

George Miller (Mad Max: Fury Road)
2. Platz – Todd Haynes (Carol)

Bester Hauptdarsteller

Michael Fassbender (Steve Jobs)
2. Platz – Geza Rohrig (Son of Saul)

Beste Hauptdarstellerin

Charlotte Rampling (45 Years)
2. Platz – Saoirse Ronan (Brooklyn)

Bester Nebendarsteller

Michael Shannon (99 Homes)
2. Platz – Mark Rylance (Bridge of Spies)

Beste Nebendarstellerin

Alicia Vikander (Ex Machina)
2. Platz – Kristen Stewart (Die Wolken von Sils Maria)

Bestes Drehbuch

Tom McCarthy & Josh Singer (Spotlight)
2. Platz – Charlie Kaufman (Anomalisa)

Beste Kamera

John Seale (Mad Max: Fury Road)
2. Platz – Ed Lachmann (Carol)

Bestes Szenenbild

Mad Max: Fury Road
2. Platz – Carol

Bester Schnitt

The Big Short
2. Platz – Mad Max: Fury Road

Beste Filmmusik

Anomalisa und Carol
2. Platz – The Hateful 8

Bester fremdsprachiger Film

Son of Saul
2. Platz – The Tribe

Bester Dokumentarfilm

Amy
2. Platz – The Look of Silence

Bester Animationsfilm

Anomalisa
2. Platz – Alles steht Kopf

Bester Nachwuchs

Ryan Coogler (Creed – Rocky’s Legacy)
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Boston Society of Film Critics

Im Gegensatz zum Filmkritikerverband von Los Angeles, stimmen die Kritiker der Boston Society of Film Critics deutlich häufiger mit den Oscars überein. In den vergangenen zehn Jahren wählten die Bostoner Filmkritiker und die Academy-Mitglieder sechsmal den gleichen Film für den Hauptpreis. Für Spotlight ist das sicherlich ein gutes Zeichen. Interessant ist aber auch die Nennung von Kristen Stewart als „Beste Nebendarstellerin“. Sie hat in New York bereits gewonnen und belegte in Los Angeles in den zweiten Platz. Ohne Nominierungen bei den Golden Globes und der Schauspielergewerkschaft bleibt sie dennoch eine Außenseiterin im Rennen, die Zuneigung der Kritiker hat sie aber immerhin auf ihrer Seite.

Bester Film

Spotlight
2. Platz – Mad Max: Fury Road

Beste Regie

Todd Haynes (Carol)
2. Platz – Tom McCarthy (Spotlight)

Bester Hauptdarsteller

Paul Dano (Love & Mercy) und Leonardo DiCaprio (The Revenant – Der Rückkehrer)
3. Platz – Tom Hardy (Legend) und Bryan Cranston (Trumbo)

Beste Hauptdarstellerin

Charlotte Rampling (45 Years)
2. Platz – Saoirse Ronan (Brooklyn)

Bester Nebendarsteller

Mark Rylance (Bridge of Spies – Der Unterhändler)
2. Platz – Sylvester Stallone (Creed – Rocky’s Legacy)

Beste Nebendarstellerin

Kristen Stewart (Die Wolken von Sils Maria)
2. Platz – Alicia Vikander (Ex Machina, The Danish Girl)

Bestes Ensemble

Spotlight
2. Platz – The Big Short

Bestes Drehbuch

Tom McCarthy und Josh Singer (Spotlight)
2. Platz – Phyllis Nagy (Carol)

Bester Schnitt

Mad Max: Fury Road
2. Platz – Spotlight

Beste Kamera

Ed Lachmann (Carol)
2. Platz – Emmanuel Lubezki (The Revenant – Der Rückkehrer)

Bester Einsatz von Musik im Film

Love & Mercy
2. Platz – Creed – Rocky’s Legacy

Bester Dokumentarfilm

Amy
2. Platz – The Look of Silence

Bester Animationsfilm

Anomalisa und Alles steht Kopf

Bester fremdsprachiger Film

The Look of Silence
2. Platz – Underdog und Son of Saul

Bester neuer Filmemacher

Marielle Heller (The Diary of a Teenage Girl)
2. Platz – Alex Garland (Ex Machina)
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Washington DC Area Film Critics Association

Bei den Auszeichnungen der Filmkritiker aus Washington DC (WAFCA) sind neben den Gewinnern auch die Nominierungen bekannt, wie Ihr unten sehen könnt (Gewinner in grün). Mein persönliches Highlight der diesjährigen WAFCA Awards ist die Auszeichnung von Pixars Alles steht Kopf als „Bester Animationsfilm“.

Bester Film

Brooklyn
Mad Max: Fury Road
The Revenant – Der Rückkehrer
Sicario
Spotlight

Beste Regie

Alex Garland (Ex Machina)
Todd Haynes (Carol)
Alejandro González Iñárritu (The Revenant – Der Rückkehrer)
George Miller (Mad Max: Fury Road)
Ridley Scott (Der Marsianer)

Bester Hauptdarsteller

Matt Damon (Der Marsianer)
Johnny Depp (Black Mass)
Leonardo DiCaprio (The Revenant – Der Rückkehrer)
Michael Fassbender (Steve Jobs)
Eddie Redmayne (The Danish Girl)

Beste Hauptdarstellerin

Cate Blanchett (Carol)
Brie Larson (Raum)
Saoirse Ronan (Brooklyn)
Sarah Silverman (I Smile Back)
Charlize Theron (Mad Max: Fury Road)

Bester Nebendarsteller

Paul Dano (Love & Mercy)
Idris Elba (Beasts of No Nation)
Tom Hardy (The Revenant – Der Rückkehrer)
Mark Rylance (Bridge of Spies – Der Unterhändler)
Sylvester Stallone (Creed – Rocky’s Legacy)

Beste Nebendarstellerin

Jennifer Jason Leigh (The Hateful 8)
Rooney Mara (Carol)
Alicia Vikander (The Danish Girl)
Alicia Vikander (Ex Machina)
Kate Winslet (Steve Jobs)

Bestes Ensemble

The Big Short
The Hateful 8
Spotlight
Steve Jobs
Straight Outta Compton

Bestes adaptiertes Drehbuch

Nick Hornby (Brooklyn)
Phyllis Nagy (Carol)
Drew Goddard (Der Marsianer)
Emma Donoghue (Raum)
Aaron Sorkin (Steve Jobs)

Bestes Originaldrehbuch

Matt Charman und Ethan Coen & Joel Coen (Bridge of Spies – Der Unterhändler)
Alex Garland (Ex Machina)
Pete Docter, Meg LeFauve und Josh Cooley (Alles steht Kopf)
Tom McCarthy & Josh Singer (Spotlight)
Amy Schumer (Dating Queen)

Bester Animationsfilm

Anomalisa
Arlo & Spot
Alles steht Kopf
Die Peanuts – Der Film
Shaun das Schaf – Der Film

Bester Dokumentarfilm

Amy
Best of Enemies
Cartel Land
Going Clear: Scientology and the Prison of Belief
The Look of Silence

Bester fremdsprachiger Film

The Assassin
Ich seh, ich seh
Mustang
Der Sommer mit Mama
Son of Saul

Beste Ausstattung

Brooklyn
Carol
Cinderella
Crimson Peak
Mad Max: Fury Road

Beste Kamera

Brooklyn
Carol
Mad Max: Fury Road
The Revenant – Der Rückkehrer
Sicario

Bester Schnitt

Mad Max: Fury Road
Der Marsianer
The Revenant – Der Rückkehrer
Sicario
Steve Jobs

Beste Filmmusik

Brooklyn
Carol
The Hateful 8
Mad Max: Fury Road
Sicario

Beste jugendliche Darbietung

Abraham Attah (Beasts of No Nation)
Raffey Cassidy (A World Beyond)
Oona Laurence (Southpaw)
Gunes Sensoy (Mustang)
Jacob Tremblay (Raum)
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