Breaking Bad Finale

Selbstverständlich enthält der Artikel Spoiler bezüglich des Finales von "Breaking Bad" – deshalb weiterlesen auf eigene Gefahr!

Quelle: Entertainment Weekly

Vor mehr als sechs Monaten ging eine der herausragendsten Fernsehserien aller Zeiten (nicht wenige würden behaupten, dass es die herausragendste war) zu Ende – und doch spricht man bis heute bis "Breaking Bad". Das liegt zum Teil daran, dass gerade der Hype um die letzten Folgen die zuvor nur quotenmäßig nur mittelprächtig erfolgreiche Serie (verhältnismäßig gesehen) viele erst nach dem Ende der Serie dazu brachte, sie endlich zu schauen. Andererseits liegt es aber daran, dass durch den angekündigten Ableger "Better Call Saul", der Ende des Jahres ins US-Fernsehen kommt, das Thema "Breaking Bad" weiterhin gewissermaßen aktuell bleibt.

Sehr viel Aufmerksamkeit galt natürlich dem Finale von "Breaking Bad" (unsere Kritik hier). Obwohl kaum jemand die finale Folge als die beste der Serie bezeichnen würde, ist der generelle Konsens, dass es im Gegensatz zu Serien wie "Dexter" oder "Lost" ein gelungener (wenn nicht fast schon zu perfekter) Abschluss für die Serie war. Wir erinnern uns: Walter White findet einen Weg, sein verbliebenes Geld seinem Sohn zukommen zu lassen, trifft sich ein letztes Mal mit Skyler und nimmt blutige Rache an Onkel Jack und seine Nazi-Bande, im Zuge welcher er Jesse befreit und selbst eine tödliche Schussverletzung erleidet.

Doch es hätte auch anders kommen können. In einem Interview mit dem Serienschöpfer Vince Gilligan, verriet er einige der ursprünglichen Ideen für das Ende der Serie:

Wir hatten so viele verschiedene Versionen von dem Finale, aber wir haben uns selbst schon lange vor dem Ende in eine bestimmte Ecke gedrängt. Aus Hochmut oder Dummheit, 16 Folgen vor dem Ende der Serie, zeigten wir,  wie Walter White mit einem Bart, langen Haaren und einer neuen Brille ein M60-Maschinengewehr auf dem Parkplatz von Denny’s (einem Schnellrestaurant) kauft. Wir wussten damals nicht, wie wir an diesem Punkt in der Geschichte ankommen werden – wir wussten sogar nicht, was es bedeutete oder wofür Walt das Maschinengewehr einsetzen würde. Das war schon etwas unbedacht. Ich würde anderen Showrunnern das auf keinen Fall empfehlen, es sei denn sie wissen ganz genau, in welche Richtung die Geschichte geht. Das führte bei mir zu vielen dunklen Nächten in meiner Seele, vielen Tagen im Autorenzimmer und ich dachte zwischenzeitlich: "Wir werden da nie hinkommen". Die Frage, die immer aufkam, war: "Wofür braucht man eine so große Waffe?"

Sehr lange Zeit hatten wir die Idee, dass Walt ins Stadtgefängnis von Albuquerque einbrechen würde, alle dort mit der M60 zusammenballern würde und Jesse (Aaron Paul) retten würde. Natürlich haben wir uns aber auch gefragt: "Wie böse wird Walt am Ende sein? Wird er wirklich aufrechte, gesetzestreue Gefängniswärter erschießen? Was wäre das für ein Ende?" Dann hatten wir auch eine Version, in der Walt einen Gefangenentransport zusammenschießen würde. Wir hatten so viele verrückte Ideen. Aber die verrückteren Ideen verschwanden nach und nach, als wir die einzelnen Folgen geschrieben haben, die zum Finale hingeführt haben.

Auf die Frage hin, ob man Saul Goodman (Bob Odenkirk) hat überleben lassen, um ihm die eigene Spin-Off-Serie zu geben:

Oberflächlich sieht es auf jeden Fall so aus, als wären wir strategisch in unserem Denken vorgegangen, wenn nicht gar gewinnsüchtig, als wir Saul Goodman am Leben ließen, da wir bereits öffentlich über unseren Wunsch gesprochen haben, den "Better Call Saul"-Ableger zu machen. Nichtsdestotrotz waren in jenen letzten Monaten und Wochen, als wir das Ende der Geschichte von "Breaking Bad" ausgefeilt haben, alle Charaktere Freiwild für uns und alles war offen für eine Diskussion. Wir haben häufig darüber gesprochen, Saul sterben zu lassen und waren auch dieser Option offen gegenüber. Wir hätten alles getan, was nötig gewesen wäre, um "Breaking Bad" das beste und befriedigendste Ende zu geben, auch wenn das den Tod von Saul bedeutet hätte. Aber je mehr wir darüber geredet haben, desto mehr dachten wir: "Wisst ihr was, wir möchten die Serie nicht zwingend in einem Blutbad enden lassen." Am einen oder anderen Punkt zogen wir jeden großen Charakter dafür in Betracht, getötet zu werden und in einer besonders düsteren Woche war im Gespräch, alle zu töten, in einem Blutbad à la "The Wild Bunch". Aber wenn man mit diesen Ideen eine Weile lang gelebt hat, fragt man sich: "Wozu müssen wir all diese Charaktere töten?" Nur weil ein Ende besonders dramatisch ist, muss es nicht befriedigend sein. Wir dachten also zu uns: "Lasst uns einfach das machen, was sic für uns richtig anfühlt". Und das ist keine Frage der Mathematik. Man muss auf das eigene Bauchgefühl hören und sich da blind vortasten und das haben wir getan.

Im Falle von Saul dachten wir: "Saul Goodman ist wie eine Kakerlake, in dem Sinne, dass er wahrscheinlich alle Nuklearkriege überleben wird und existieren wird, nachdem die Menschheit ausgestorben ist. Er ist ein Überlebenskünstler und daher wäre es seltsam, wenn er nicht überleben würde. Andererseits erhielt Walter White sein Todesurteil bereits in der allerersten Folge der Serie. Es wäre vielleicht weniger befriedigend, wenn er am Ende nicht gestorben wäre."

Auf die Nachfrage hin, ob er rückblickend etwas ändern würde, hat Gilligan es verneint. Zudem hat er im Interview auch sein persönliches Lieblingsfinale einer Serie genannt – das von "M*A*S*H". Die Erklärung dahinter könnt Ihr unter dem Link oben nachlesen.

Wie findet Ihr die alternativen Ideen für das "Breaking Bad"-Finale? Hätten die Macher lieber eins davon verwenden sollen oder war das gewählte Ende am besten?