Box-Office USA Pitch Perfect 2

Quelle: Boxofficemojo

Es war ein Wochenende an den US-Kinokassen, das Box-Office-Fanatikern wie mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Obwohl keiner der beiden breit gestarteten Filme im Vorfeld des Sommers als Blockbuster-Material betrachtet wurde, spielte das Duo Pitch Perfect 2 und Mad Max: Fury Road insgesamt mehr als $110 Mio von Freitag bis Sonntag in Nordamerika ein. Gemeinsam mit dem drittplatzierten Film, dem ehemaligen Spitzenreiter Avengers: Age of Ultron ergaben sich sogar über $150 Mio. Das Rezept zum Erfolg: gutes Marketing und perfekte Ergänzung der Zielgruppen. Während Pitch Perfect 2 die Frauen in die Kinos in Scharen strömen ließ, konnte Mad Max dank atemberaubender Action in den Trailern Männer abgreifen. Girl Power war jedoch der klare Sieger gegen Männeraction am Wochenende und der Start von Pitch Perfect 2 ist einer der bemerkenswertesten seit langer Zeit. Insgesamt spielte die Top 12 knapp $176,2  Mio ein – 44,5% mehr als das Wochenende davor und 4,2% über der Top 12 am gleichen Wochenende im Vorjahr als Godzilla mit $93 Mio die Charts anführte, bevor der Film ins Bodenlose stürzte.

Obwohl Avengers: Age of Ultron zweifelsohne der erfolgreichste Film von Mai (und vermutlich des gesamten Sommers) werden wird, ist Pitch Perfect 2 auf jeden Fall die klare Erfolgsgeschichte des Monats. Was dem Comedy-Sequel gelungen ist, schaffen nur die wenigsten Fortsetzungen – am Startwochenende alleine spielte Pitch Perfect 2 an den US-Kinokassen mehr ein als sein Vorgänger während seiner gesamten Laufzeit. Es begann schon mit unglaublichen $28 Mio am Starttag – mehr als das Einspiel von Teil 1 in den ersten zwei Wochen. Doch der Film fiel nicht schnell ab und zeigte gutes Durchhaltevermögen am Wochenende, sodass es letztendlich $69,2 Mio von 3473 Kinos (für einen Schnitt von $19,930 pro Kino) über die ersten drei Tage und damit das fünftbeste Startergebnis des Jahres wurden. Das Original spielte insgesamt $65 Mio ein. Dieser Megaerfolg ist zahlreichen Faktoren zu verdanken. Der erste Film erreichte erst nach seinem Kino-Release im Heimkino enorme Beliebtheit. Der Soundtrack und der Hit-Song "Cups" taten ihr Übriges. Universal wusste, dass das Franchise eine Goldgrube ist und vermarktete den Film extrem effizient, einschließlich eines Werbespots während des Super Bowls. Es zahlte sich aus. Ein vergleichbares Beispiel ist der zweite Austin Powers, der 1999 mit fast $55 Mio startete, während sein Vorgänger zwei Jahre zuvor lediglich $54 Mio insgesamt eingespielt hatte.

Um den Erfolg on Pitch Perfect 2 in Perspektive zu setzen: der Film startete besser als Blockbuster wie Disneys Cinderella, World War Z, Inception und der erste Captain America. Es war außerdem das mit Abstand größte Startwochenende eines Musikfilms und der zweitbeste Start für eine Regiedebütantin bei einem Realfilm. Für Elizabeth Banks' Karriere ist das ein immenser Sprung. Doch das Beste wird vermutlich in den nächsten Wochen noch kommen. Alles deutet darauf hin, dass auch Pitch Perfect 2 sehr gute Mundpropaganda haben wird, wie sein Vorgänger, und die recht schwache Konkurrenz über die nächsten zwei Wochen wird dafür sorgen, dass die Fortsetzung $200 Mio knacken und damit mehr als das Dreifache von Teil 1 einspielen wird. Der Film sollte irgendwo im Bereich von $200-210 Mio landen. Mit Fifty Shades of Grey, Fast & Furious 7 und Pitch Perfect 2 hat Universal bislang auf jeden Fall ein extrem erfolgreiches Jahr und Jurassic World wird sicherlich auch nicht schlecht abschneiden.

Deutlich abgeschlagen auf Platz 2 landete Mad Max: Fury Road mit $45,4 Mio von 3703 Kinos. Pro Spielstätte erreichte der Film damit einen Schnitt von $12,271. Nun gibt es zwei Arten dieses Startwochenende zu betrachten. Einerseits ist es angesichts des deftigen Produktionsbudgets von $150 Mio (und vermutet wird, aufgrund der Nachdrehs, noch deutlich mehr) kein glänzendes Ergebnis. Doch das Problem liegt wohl eher bei den hohen Kosten, denn an und für sich hat das Reboot von George Miller alle Erwartungen, die man an ihn vor Monaten hatte, übertroffen. Der Film, der bereits vor drei Jahren abgedreht und immer wieder verschoben wurde, sah auf Papier wie ein absoluter Flop-Kandidat aus. Die Marke "Mad Max" ist nicht groß genug, um alleine vom Titel ziehen zu können und Tom Hardy ist zwar ein toller Darsteller, aber sicherlich kein Kassenmagnet. Doch letztendlich haben die phänomenalen Trailer und die den Film in höchsten Tönen lobenden Kritiken den Hype aufgebaut und so einen sehr soliden Start ermöglichten. Dass es primär Männer waren, die sich für den Film begeisterten, konnte man daran sehen, das 70% der Besucher am Startwochenende in den USA männlich waren. Die Mundpropaganda sollte über die kommenden Wochen sehr gut sein, sodass ein Endergebnis von $145-160 Mio zustandekommen sollte. Zusammen mit Einspiel aus dem Rest der Welt sollte der Film etwas Profit für das Studio abwerfen und ein erfolgreicheres Sequel hervorbringen.

Sein Vorgänger hielt sich drei Wochen lang an der Spitze der US-Kinocharts, für Avengers: Age of Ultron war nach zwei Wochen Schluss. Verdrängt vom starken Duo der Neulinge, fiel das Superheldenspektakel um 50% an seinem zweiten Wochenende auf Platz 3 zurück und spielte $38,9 Mio ein. Das war immer noch genug für das fünftbeste dritte Wochenendergebnis aller Zeiten (hinter Avatar, The Avengers, Spider-Man und The Dark Knight). Allerdings fällt der Film immer weiter und immer schneller hinter seinen Vorgänger zurück. Jener spielte an seinem dritten Wochenende $55,6 Mio ein. Insgesamt hat Age of Ultron in den USA bislang $372 Mio eingenommen – knapp 19% weniger als der erste Film im selben Zeitraum. Der Abstand wird sich in den kommenden Wochen weiter vergrößern und spricht einerseits für größere Frontlastigkeit des Sequels, aber auch für schwächere Mundpropaganda bei den Kinogängern. Natürlich sollte man diese riesigen Zahlen trotzdem nicht schmälern, denn nach nur 15 Tagen wurde Avengers: Age of Ultron zum umsatzstärksten Film des Jahres in den USA und wird kommendes Wochenende höchstwahrscheinlich als 20. Film in der Box-Office-Geschichte die $400-Mio-Marke überschreiten. Da bis zum Start von Jurassic World Mitte Juni keine allzu große Megablockbuster-Konkurrenz ansteht, sollte Avengers: Age of Ultron mehr als $450 Mio in Nordamerika einspielen, genug, um es sich auf Platz 7 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten bequem zu machen. Seinen Vorgänger wird er dennoch um mehr als $150 Mio verfehlen.

Der vierte Platz der nordamerikanischen Kinocharts ging letztes Wochenende an die Komödie Miss Bodyguard, die zeigt, dass Reese Witherspoon doch nicht mehr die Zugkraft als Star besitzt wie einst. Der Film stürzte um heftige 59% an seinem zweiten Wochenende ab und spielte lediglich $5,7 Mio ein. Nach zehn Tagen hat er knapp $23,4 Mio vorzuweisen. Für die Schauspielerin von Filmen wie Walk the Line ($119,5 Mio), Natürlich Blond ($96,5 Mio) und Sweet Home Alabama ($127,2 Mio) hat man sicherlich mehr erwartet, insbesondere da hier an ihrer Seite auch der "Modern Family"-Star Sofia Vergara zu sehen war. Der an Frauen ausgerichtete Film verlor aber einen Großteil seines Publikums an Pitch Perfect 2 am Wochenende und wird mit etwa $32-34 Mio recht schnell aus den Kinos verschwinden.

Fast & Furious 7 spielte $3,6 Mio ein, was für Platz 5 der Charts reichte, verlor dabei 32,5% seiner Zuschauer von der Vorwoche verlor und brachte sein vorläufiges Gesamteinspiel auf unglaubliche $343,8 Mio. Damit befindet sich das Sequel in der Top 30 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten in den USA. Auch wenn es noch ein wenig dauern könnte, wird er mit Sicherheit auf $350 Mio knacken – ein Ergebnis, das vor dem Start niemand für möglich gehalten hätte. Das Franchise spielt nun in der obersten Blockbuster-Liga mit.

Der Kaufhaus Cop 2 trotzte abermals vernichtenden Kritiken und fiel in der fünften Woche mit $3,5 Mio (-33,2%) auf Platz 6 der Kinocharts. Insgesamt spielte die $30 Mio teure Produktion bislang $62,9 Mio ein. Zwar ist das immer noch 43% weniger als der erste Film im selben Zeitraum, doch für einen Film mit so unglaublich schlechten Kritiken ist es eine beachtliche Leistung, dass er letzten Endes etwa $73 Mio einspielen wird.

Die Fantasy-Romanze Für immer Adaline mit Blake Lively litt eindeutig unter direkter Konkurrenz seitens Pitch Perfect 2 und büßte 44,7% ein. Dabei fiel der Streifen um vier Plätze auf Rang 7 und steht nach einem $3,2-Mio-Wochenende nun bei $37,1 Mio nach 24 Tagen. Es ist kein besonders beachtliches Ergebnis, doch der Film ist ein kleiner Erfolg für das Studio und wird seine Laufzeit mit etwa $45 Mio beenden.

Der Animationsspaß Home – Ein smektakulärer Trip landete mit $2,6 Mo in der achten Woche auf Platz 8 und profitierte enorm vom Mangel an familientauglicher Konkurrenz in den Kinos. Aus diesem Grund fiel er lediglich um 16,8%. Sein Gesamtergebnis steht bei $165,5 Mio. Es sind insgesamt noch bis $175 Mio möglich, allerdings ist es ein wenig enttäuschend, dass er nach dem starken Auftakt nicht noch weiter gekommen ist. Nach US-Flops wie Die Hüter des Lichts, Turbo und Die Pinguine aus Madagascar, ist es dennoch der erste richtige Original-Hit für DreamWorks seit Die Croods.

Alex Garlands Sci-Fi-Film Ex Machina nahm $2.1 Mio (-40,4%) ein und steht nun bei knapp $19,6 Mio. Schon bald wird er aus den Kinos leider verschwinden, doch für einen kleinen Film wie diesen ist auch ein Gesamtergebnis von $23-24 Mio beachtlich.

Abgerundet wurde die Top 10 durch die expandierte Literaturverfilmung Am grünen Rand der Welt. In der dritten Woche legte der Film um 101 Kinos zu und spielte in insgesamt 289 Locations. Dabei erhöhte sich sein Wochenendeinspiel um 61,3% auf $1,3 Mio. Insgesamt hat der Streifen bislang $2,6 Mio eingenommen. Ihm steht noch eine ordentliche Laufzeit in Arthouse-Kinos bevor und ein Gesamtergebnis von $8-10 Mio.