Box Office USA 3.-5.07.2015 Zusammenfassung und Analyse

Quelle: Boxofficemojo

Im Westen nichts Neues…Zum dritten Mal in Folge waren es die gleichen zwei Filme, die die Top 2 der US-Kinocharts bildeten und damit wieder erfolgreich Sequels abwehrten, die wiederum die Hoffnungen, die die Studios in sie gesteckt haben, nicht erfüllen konnten. Pixars Alles steht Kopf und das Box-Office-Phänomen Jurassic World regierten unangefochten am Unabhängigkeitstag-Wochenende in den USA. Nur eine Veränderung gab es trotzdem – nach zwei Wochenenden als zweitplatzierter kletterte der Animationsfilm am Dino-Abenteuer vorbei und belegte die Spitze der US-Charts. Damit hat Jurassic World ganz knapp den Meilenstein verfehlt, als erster Film seit The Dark Knight vor sieben Jahren vier Wochen in Folge die Kinocharts in den USA anzuführen. Zugleich kostete der Aufstieg auf Platz 1 Alles steht Kopf einen etwas obskureren Box-Office-Rekord – wäre der Film auf #2 geblieben, wäre er zum umsatzstärksten Film aller Zeiten in den USA geworden, der nie den ersten Platz an einem Wochenende erreicht hat. Diesen Rekord hält seit nunmehr 13 Jahren My Big Fat Greek Wedding mit über $240 Mio inne und daran wird sich wohl bald nichts ändern. Doch während Disney und Universal sich bei den Zahlen von Alles steht Kopf und Jurassic World die Hände reiben dürfen, fiel das Wochenende zum Unabhängigkeitstag insgesamt verhältnismäßig schwach aus. Alles steht Kopf war die schwächste Nummer 1 am ersten Juli-Wochenende in den USA seit 2001. Insgesamt erreichte die Top 12 $128 Mio, was 26,5% unter der Vorwoche lag, aber immerhin 6,2% über dem gleichen Wochenende im Vorjahr, als Transformers: Ära des Untergangs die Charts in der zweiten Woche anführte. Eine große Rolle hat am Sonntag in den USA vermutlich auch das siegreiche Finale der Frauen-Fußballweltmeisterschaft gespielt, das mehr als 20 Millionen US-Amerikaner vor die Bildschirme gelockt hat.

Wie erwähnt, gelang es Alles steht Kopf, nach drei Wochen endlich den Box-Office-Thron knapp zu erobern. Mit $29,8 Mio und einem Rückgang von 43,1% gegenüber dem vorherigen Wochenende brachte der fantastische Streifen sein vorläufiges Einspiel auf $245,9 Mio nach 17 Tagen. In den letzten zehn Jahren haben es übrigens lediglich vier weitere, sofort breit gestartete Filme erst in der dritten Woche geschafft, den ersten Platz zu erklimmen (Die Hochzeits-Crasher, The Blind Side, True Grit und Argo). Nichtsdestotrotz ist das Durchhaltevermögen von Alles steht Kopf ein wenig schwächer als die sehr positiven Resonanzen und der Mangel an direkter Konkurrenz vermuten lassen würden. Bislang gelang dem Film kein Drop unter 40%. Andererseits bringt es vielleicht auch mit sich, weil der Film so gigantisch gestartet ist. Immerhin hat er jetzt schon die Gesamtergebnisse von Toy Story 2, WALL-E und Merida in den USA überholt und wird spätestens nach dem kommenden Wochenende lediglich Toy Story 4, Findet Nemo und Oben vor sich haben.

Allerdings wird Alles steht Kopf sicherlich auch hart von der Konkurrenz durch Die Minions getroffen werden. Dem Animations-Spin-Off von Universal winkt nämlich ein Debüt von oberhalb $100 Mio und diese werden direkt vom Zielpublikum des Pixar-Films stammen. Später im Sommer sollte der Film sich allerdings stabilisieren. Sowohl Findet Nemo als auch Toy Story 4 liefen den ganzen Sommer über ziemlich gut und das wird sich bei Alles steht Kopf nicht anders verhalten. Daher ist ein Gesamteinspiel von mehr als $330 Mio so gut wie sicher. Momentan sieht es nach $340-360 Mio insgesamt aus. Zieht man die Zahlen von der Wiederaufführung von Findet Nemo ab, dann wäre es der umsatzstärkste Originalfilm von Pixar überhaupt. Natürlich hat er aber den 3D-Bonus und die Inflation an seiner Seite, doch auch das schmälert den überragenden Erfolg des Films nicht, der nahezu alle Erwartungen an den Kinokassen übertroffen hat und gezeigt hat, dass Qualität sich gelegentlich eben doch durchsetzt.

Der zweite Platz ging an Jurassic World, der an seinem vierten Wochenende 46,4% abbaute und $29,2 Mio einspielte. Insgesamt spülte das Sequel bislang $556,5 Mio in die US-Kinokassen – mehr als irgendein anderer Film es im selben Zeitraum je geschafft hat. Zudem war es das drittbeste vierte Wochenendergebnis aller Zeiten (nach Avatar und Marvel’s The Avengers). Nach nur 22 Tagen überholte Jurassic World The Dark Knight als den vierterfolgreichsten Film aller Zeiten in Nordamerika und hat jetzt nur noch Avatar, Titanic und The Avengers vor sich. Eins vorweg: den ersten Platz wird er nicht erreichen. Avatars $760 Mio sind eine Nummer zu groß. Doch Jurassic World hat eine legitime Chance auf den zweiten Platz der All-Time-Charts in den USA. Aktuell liegt der Film etwa 8% vor The Avengers, der im gleichen Zeitraum etwa $513 Mio eingenommen hat. Auch wenn dieser Abstand vielleicht noch schrumpfen wird, wird Jurassic World The Avengers' $623 Mio auf jeden Fall toppen. Es sieht danach aus, als würde das Dino-Sequel seine Laufzeit mit etwa $645-655 Mio beenden, doch ich bin fast sicher, dass wenn er so nah an Titanics $658,7 Mio herankommt, Universal dafür sorgen wird, dass er sie auch toppen wird.

Einen sehr schwachen Start legte auf Platz 3 Terminator: Genisys hin und hat leider wieder gezeigt, dass Arnold Schwarzenegger nur noch ein Schatten seiner Kassenmagnet-Selbst in den USA ist. Immerhin hat sich der Film nach dem wirklich schwachen Starttag am Mittwoch ein wenig erholt. Von Freitag bis Sonntag spielte das Sequel/Reboot $27 Mio von 3758 Kinos ein und erreichte dabei einen Schnitt von $7190. Seit Mittwoch kann der Film insgesamt $42,5 Mio vorweisen. Das Startwochenende war höher als die Startwochenenden von The Last Stand, Sabotage und Escape Plan zusammengerechnet, doch leider muss man auch zugeben, dass Terminator: Genysis mit $155 Mio sehr hohe Produktionskosten trägt und das noch ohne die sicherlich hohen Marketingausgaben von Paramount. Da hat sich das Studio mit Sicherheit Besseres erhofft. Im Vergleich dazu hat Terminator: Die Erlösung vor sechs Jahren noch $65,3 Mio in den ersten fünf Tagen eingenommen und Terminator 3 – Rebellion der Maschinen sogar $72,4 Mio. Beide schafften es sogar ohne die teuren 3D- oder IMAX-Tickets. Dieser Vergleich rückt Terminator: Genisys in kein gutes Licht.

Wie erwartet, machten Männer und ältere Zuschauer den Großteil des Publikums hier aus. Knapp 62% der Besucher des Films waren männlich und 65% über dem Alter von 25. Etwa 45% des Starteinspiels kam von 3D-Vorstellungen. Die Zuschauer bewerteten den Film im Schnitt mit einem CinemaScore von "B+" (äquivalent einer "2+"), der gleichen Wertung, die auch die letzten beiden Terminator-Filme erhalten haben. Nichts deutet hier auf eine außergewöhnlich lange oder beeindruckende Laufzeit hin. Blockbuster-Konkurrenz von Ant-Man und Mission: Impossible – Rogue Nation wird Terminator: Genisys die Actionfans streitig machen und der Film wird angesichts seines relativ schwachen Kopienschnitts zum Start schnell Leinwände verlieren. Auch in einem optimistischen Szenario ist nicht mehr als $90-100 Mio insgesamt drin und damit deutlich weniger als jedes Terminator-Sequel zuvor, sogar wenn man die Inflation außer Acht lässt. Dabei muss man auch bedenken, dass das Studio in den USA nur 55% des Einspiels bekommt. Hier liegt also alle Hoffnung auf der internationalen Performance des Films (immerhin ist er außerhalb der USA mit soliden $85 Mio angelaufen), ansonsten werden die beiden geplanten und für 2017 und 2018 bereits terminierten Fortsetzungen wohl ins Wasser fallen.

Eine ähnlich bittere Enttäuschung musste ein weiteres Sequel hinnehmen. Magic Mike XXL eröffnete mit $12,9 Mio am Wochenende von 3355 Kinos und erreichte einen schmächtigen Schnitt von $3832 pro Kino. Seit Mittwoch hat der Film insgesamt $27,9 Mio eingespielt. Das zeugt von der unglaublichen Frontlastigkeit der Fortsetzung. Knapp ein Drittel seines bisherigen Einspiels nahm er nämlich an seinem ersten Tag ein. Belegte Magic Mike XXL am ersten Tag noch den Spitzenplatz der US-Charts, war er am Samstag bereits auf Rang 5 abgestürzt. Vor drei Jahren startete der erste Magic Mike noch mit mehr als $19 Mio am ersten Tag und spielte insgesamt knapp $113 Mio in den USA ein. Der Fortsetzung winkt nicht einmal die Hälfte dieser Summe. Ein Grund für den steilen Abstieg könnte sein, dass Matthew McConaughey diesmal nicht Teil des Casts dabei war, ein weiterer, dass der erste Film bei seinem Zielpublikum, das lediglich eine Fleischschau erwartet, aber eine clevere Komödie bekommen hat, nicht so gut ankam. Wie dem auch sei, brach Magic Mike XXL zumindest einen Rekord, und zwar für den höchsten Anteil an weiblichen Zuschauern am Startwochenende. Etwa 96% der verkauften Tickets gingen an Frauen! Im Vergleich dazu betrug der weibliche Anteil beim ersten Film 73%. Sogar der erste Sex-and-the-City-Film hatte "nur" 90% Frauen im Publikum. Die Mehrheit der Zuschauer von Magic Mike XXL  waren übrigens Frauen über 25. Diese waren mit dem Film scheinbar auch zufrieden, denn er erntete einen CinemaScore von "A-" (äquivalent einer "1-"), während Teil 1 2012 mit einer "B" bewertet wurde. So enttäuschend das Startwochenende des Films auch ist, für Warner Bros. wird es wieder eine profitable Investition sein. Magic Mike XXL kostete dem Studio lediglich $14,7 Mio und wird in den USA voraussichtlich $50-55 Mio einspielen. Spätestens mit den Zahlen aus der Übersee, wird er einen netten Gewinn abwerfen.

Rang 5 ging an die bislang vermutlich größte Box-Office-Enttäuschung des Sommers, Ted 2. Nach einem eher lauwarmen Debüt in der letzten Woche, ging es für das Comedy-Sequel steil bergab. In der zweiten Woche verlor der Film satte 66,7% und erreichte nur noch $11,2 Mio. Nach zehn Tagen steht Ted 2 bei $58,5 Mio und das ist nur knapp über dem Startwochenende des ersten Films, der in den USA insgesamt $218.5 Mio eingenommen hat. Ted 2 wird es hingegen nicht einmal schaffen, die $100-Mio-Marke zu knacken, was angesichts der angeblichen Beliebtheit von Teil 1 wirklich miserabel ist. Der Film wird die Kinos mit maximal $85-90 Mio verlassen. Zwar wird er bei einem Budget von $85 Mio weltweit vielleicht in die schwarzen Zahlen kommen, doch es bleibt eine Riesenenttäuschung. Zum Glück kann Universal das angesichts der Erfolge von Fast & Furious 7, Pitch Perfect 2 und Jurassic World dieses Jahr verkraften.

Den sechsten Platz belegte in der zweiten Woche das Hundedrama Max, das $6,6 Mio einspielte (-46,4%) und bei $25,4 Mio nach zehn Tagen liegt. Dem Film steht eine relativ unaufregende Laufzeit bevor, die mit knapp $48 Mio an den US-Kinokassen enden sollte. Angesichts des $20-Mio-Budgets ein respektables Ergebnis.

Die Spionage-Persiflage Spy – Susan Cooper Undercover beeindruckte durch einen überraschend milden Rückgang in der fünften Woche, rutschte jedoch trotzdem mit $5,1 Mio um zwei Plätze runter auf Rang 7. Gegenüber der Vorwoche verlor der Film nur 35,1% seiner Zuschauer. Insgesamt hat die Komödie mit Melissa McCarthy bislang $97,5 Mio eingenommen. Der Film lief ein wenig unter den Erwartungen an, doch die extrem positive Mundpropaganda machte das wett und so steuert er jetzt auf ein Gesamtergebnis von etwa $115 Mio zu. Spy ist bereits der dritte $100+-Mio-Erfolg für Melissa McCarthy als Hauptdarstellerin und für Paul Feig als Regisseur. Die finanziellen Aussichten des Ghostbusters-Reboots dürften damit ganz gut sein.

Der Katastrophenfilm San Andreas mit Dwayne "The Rock" Johnson fiel in der 6. Woche um zwei Slots auf #8 und verlor dabei 47,7% gegenüber der Vorwoche. Nach einem $2,8-Mio-Wochenende steht der 3D-Film bei $147,2 Mio in den USA und das ist schon mehr, als viele ihm im Vorfeld zugetraut haben. Unter waschechten Katastrophenfilmen gab es keinen erfolgreicheren seit 2008, als Roland Emmerich 2012 in die Kinos brachte. Dessen $166 Mio wird er zwar nicht erreichen, doch er wird näher an diese Zahl herankommen, als man vermutet hätte. Ich gehe von einem Endergebnis von $155 Mio in den USA aus. Weltweit wird er knapp eine halbe Milliarde verfehlen.